Drogenbericht 2016 Weniger Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen

Alkohol, Tabak, Legal Highs: Laut dem Drogenbericht der Bundesregierung nimmt die Zahl der rauchenden und trinkenden Jugendlichen ab. Problematisch ist aber ihre Internetnutzung.

DPA


In Deutschland rauchen immer weniger Kinder und Jugendliche: 2015 konsumierten nur noch 7,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen Nikotin. Das ist das Ergebnis des Drogen- und Suchtberichts 2016, den die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) in Berlin vorgestellt hat. Auch das sogenannte Komasaufen unter Jugendlichen nimmt demzufolge ab.

Allerdings müssen immer noch jedes Jahr in rund 15.500 Fällen Kinder zwischen 10 und 17 Jahren wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. "Viel zu häufig werden die Risiken des Alkohols in der Gesellschaft verharmlost", warnte Mortler. Angesichts der bevorstehenden Fußballeuropameisterschaft und dem damit verbundenen häufigen Alkoholkonsum erinnerte sie Eltern an ihre Vorbildfunktion. Es müsse nicht immer Alkohol sein.

Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr zwischen 42.000 und 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums oder des kombinierten Konsums von Alkohol und Tabak.

Onlinesüchtig?

Mortler setzt in ihrem aktuellen Bericht den Schwerpunkt auf die problematische Nutzung des Internets. So leben dem Bericht zufolge in Deutschland mehr als eine halbe Million Menschen, die das Internet unkontrolliert und suchtartig nutzen. Hinzu komme eine große Zahl gefährdeter User. Von den 14- bis 64-Jährigen sollen etwa 560.000 Menschen internetabhängig sein, das entspräche etwa einem Prozent dieser Gruppe. Bei den Frauen seien es den Analysen zufolge 0,8 Prozent, bei den Männern 1,2 Prozent.

Das Problem dabei: Eine exakte und anerkannte Definition einer Internet- oder Onlinesucht gibt es nicht. Zwar sind sich Experten weltweit einig, dass es viele Nutzer gibt, deren Verhalten an Sucht oder Abhängigkeit erinnert. Und die Fachwelt bemüht sich um eine Definition - eine Einigung erzielt ist aber noch nicht. Die sogenannte "Taskforce Verhaltenssüchte" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde geht - entsprechend den Daten des Suchtberichts - davon aus, dass ein bis zwei Prozent in der Gesamtbevölkerung ein gestörtes Verhältnis zu digitalen Spielen und Internetanwendungen hat.

Dem aktuellen Bericht zufolge sind jüngere Menschen häufiger betroffen. So zeigten in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 oder 2,4 Prozent Anzeichen einer Abhängigkeit, unter den 14- bis 16-Jährigen seien es sogar vier Prozent. In der Altersgruppe der über 25-Jährigen sind dem Bericht zufolge insgesamt etwa 0,7 Prozent wahrscheinlich internetabhängig.

Mehr neue psychoaktive Substanzen

Nach einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konsumierten 10,2 Prozent der Jugendlichen und 34,7 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben illegale Drogen. Vor allem neue psychoaktive Substanzen, die auch als Designerdrogen oder Legal Highs bezeichnet werden, sind seit einigen Jahren auf dem Vormarsch.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 39 Todesfälle im Zusammenhang mit "Legal Highs" registriert, die als Kräutermischungen, Badesalz oder Lufterfrischer angeboten werden. Beworben werden sie als angeblich legale Alternative zu Drogen wie Cannabis oder Kokain. Experten warnen aber seit Langem vor den unterschätzten Gefahren. Das Bundeskabinett verabschiedete im Mai einen Gesetzentwurf, der ein weitreichendes Verbot solcher psychoaktiven Substanzen vorsieht.

Bereits im März hatte das Bundeskriminalamt mitgeteilt, dass die Zahl der Drogentoten um knapp 19 Prozent gestiegen sei- insgesamt habe 2015 der illegale Drogenkonsum 1226 Menschenleben gefordert, das entspricht einer Steigerung um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schon das sorgte für Aufsehen, weil es einen vermeintlich stabilen, positiven Trend zu weniger Missbrauch und Opfern brach: Sechs Jahre lang waren die Zahlen davor kontinuierlich gefallen.

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joe/dpa/AFP

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fatherted98 09.06.2016
1. Die Internetnutzung?
...wohl vor allem die Mobilfunk-Internetnutzung. Die mobilien Zombies die durch unser Land wandern, mit dem Blick auf ihr Smart-Phone, würde einem Ausseridischen genau den richtigen Eindruck unserer Spezies vermitteln.
skr72 09.06.2016
2. Opfer des Drogenkriegs
Was hier vergessen wird zu erwähnen, dass trotz Drogenkrieg täglich 4 Tonne Gras in D geraucht wird und das die Mafia daran einen Jahresumsatz von ca. 15 Mrd € geschenkt wird, steuerfrei! Dass allein 2015 in D über 200.000 Konsumenten Stress mit der Polizei hatten und dabei fast keine Dealer oder Großhändler belangt wurden. Unsere Polizei kümmert sich wenig um unsere Sicherheit sondern jagt lieber Kiffer, zur PR von Unionspolitikern um zu demonstrieren, welcher harter Hund sie sind. In Berlin gab es im letzten Jahr über 70.000 Polizeistunden im Görli. Dabei wurden pro gefundenes Gramm Gras im Durchschnitt 4 Polizeistunden verschwendet. Die Verfahren wurden meisten eingestellt.D.h.eine sinnlose Polizeistrategie auf Kosten der Sicherheit. Und die vielen unnötigen Drogentoten: Jeder einzelne wäre vermeidbar. Zunahmen sind gar nicht akzeptabel. Die Bilanz der Stammtisch-Drogenpolitik könnte kaum verherender sein. Mortler muß weg!
criticalsitizen 09.06.2016
3. E-Kommerz-Netz - (früher Internet) Nutzung und mangelnde Bildung..
sind gute Voraussetzungen für den rechtsbefreiten und steuerbefreiten E-Kommerz, aus Menschen Marionetten zu machen, nicht nur im Zusamenhang mit Straßenbenutzung und "Smartfone". Und das ganze wird blind und sinnfrei gefördert. Breitband für Alle, Digitale Agenda
SarahMue 09.06.2016
4. nicht lernfähig
Leider ist Frau Mortler eine komplette Fehlbesetzung. Die Fehler der Vergangheit werden wiederholt. Argumentativ ist sie ihren Kritikern noch nicht einmal ansatzweise gewachsen. Dabei sind die Fakten eindeutig: Eine Entkriminalisierung hilft den Konsumenten, dem Staat und reduziert langfristig den Konsum. An der rationalen Lösung führt kein Weg vorbei. Es fragt sich nur wann auch Deutschland zu dem vernünftigen Schritt bereit ist.
frankasten 09.06.2016
5. Die Drogenbeauftragte... eine völlig sinnfreie Institution?
Haben die Statistiken der Drogenbeauftragten und das BtMG schon einmal irgendwann nachweislich einen Drogentoten verhindert? Ich denke nicht. Also warum wird der Klimbim dann veranstaltet und bezahlt? Ich persönlich verstehe ja unter einem "Drogenbeauftragten" eher etwas anderes. Irgendjemand sollte den Auftrag haben, daß legal und in ausreichernder Menge und Qualität Drogen ins Land kommen. Das Drogenbeauftragt(in). Arbeit oder Geiz oder Machtgeilheit Milliarden scheffeln als Drogen einzustufen, darauf kommt von den Puritanern ganz klar keiner. Wie auch, ist ja ihr ureigenstes Spiel. Na, man sollte halt immer vergleichen. Der Straßenverkehr fordert immerhin fast drei mal so viele Todesopfer und 393.744 Verkehrsunfallopfer in 2015. Könnte schon sein, daß tägliches Pendeln zur Arbeit (die berühmte Mobilität) wesentlich gefährlicher ist als verantwortungsbewußter Drogenkonsum. Zumal die Unfallopfer naturgemäß oftmals nicht die Unfallverursacher sind, mithin ohne eigenes Verschulden getötet oder schwer verletzt werden. Beim Drogenkonsum weiß ich am Ende dann wenigstens, warum es zu Ende ist.
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