Organspende In neun von zehn Fällen müssen die Angehörigen entscheiden

Nicht einmal tausend Deutsche spendeten 2013 ihre Organe - auf der Warteliste für Niere, Lunge oder Herz stehen mehr als 10.000 Kranke. Der Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation zeigt, warum Angehörige oft eine Spende ablehnen.

SPIEGEL ONLINE

Hamburg - Insgesamt 2221-mal klingelte im letzten Jahr bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) das Telefon, am anderen Ende war ein Mitarbeiter einer Intensivstation in Deutschland. Ein potentieller Organspender lag auf der Station. Wirklich zu einer Organspende kam es nur bei 876 der Fälle, 40 Prozent. Diese Zahlen gehen aus dem Jahresbericht 2013 hervor, den die DSO jetzt veröffentlicht hat.

Aufgabe der Stiftung ist es, alle Organspenden in Deutschland vom Verdacht eines Hirntods bis hin zur möglichen Organentnahme zu begleiten. Auch wenn mehr als 2000 Anfragen nach vielen Fällen klingen - das letzte Jahr war für die DSO-Mitarbeiter ein äußerst ernüchterndes.

Während im Jahr 2010 noch knapp 1296 Menschen ihre Organe nach ihrem Tod Kranken zur Verfügung stellten, waren es 2012 nur noch 1046, 2013 sank die Zahl das einzige Mal innerhalb der letzten zehn Jahre unter die Tausendergrenze. Als Hauptgrund für den Verlust an Spendern gilt der Skandal um Manipulationen bei der Organvergabe an verschiedenen Kliniken.

Entscheidung über Organspende: Kaum einer trifft sie selbst

Neben der mangelnden Bereitschaft zu spenden, zeigt der aktuelle Bericht auch, dass sich kaum ein Deutscher vor seinem Tod mit seinem Wunsch zur Organspende abschließend auseinandersetzt. Nachdem Ärzte einen potentiellen Organspender ausgemacht haben, muss hierzulande ermittelt werden, ob dieser überhaupt seine Organe zur Verfügung stellen wollte.

Im letzten Jahr hatte nur jeder zehnte Betroffene seinen eigenen Willen etwa in Form eines Organspenderausweises oder einer Patientenverfügung festgehalten. In den restlichen Fällen mussten die Angehörigen über die Spende entscheiden, heißt es in dem Bericht. Mehr als die Hälfte orientierte sich dabei am vermuteten Willen des Verstorbenen. Zu den Entscheidungsgründen für eine Organspende zählen außerdem Mitgefühl und der Gedanke, dem plötzlichen Tod des Angehörigen einen Sinn zu geben.

Derzeit warten in Deutschland laut DSO 10.778 Menschen auf ein Spenderorgan, davon benötigen 8000 Menschen eine neue Niere. Dies seien etwa dreimal so viele Menschen wie Nierentransplantate vermittelt werden könnten, heißt es in dem Bericht.

In den Grafiken zum Bericht erfahren Sie im Detail, aus welchen Gründen sich Angehörige für oder gegen eine Organspende entscheiden und woher 2013 die meisten Spender kamen.

irb

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
WernerS 11.04.2014
1. Nein
Die Medikamente abgezählt, knausrig mit jeder faulen Ausrede, die lebensrettende Diagnose nur bei Zuzahlung? Gierig hinter jedem Cent in meinem Geldbeutel her, aber ich soll bitte spenden?
juergw. 11.04.2014
2. Natürlich sollen Sie spenden!
Zitat von WernerSDie Medikamente abgezählt, knausrig mit jeder faulen Ausrede, die lebensrettende Diagnose nur bei Zuzahlung? Gierig hinter jedem Cent in meinem Geldbeutel her, aber ich soll bitte spenden?
die Transplantationsmedizin ist ein lukratives Geschäft.Wenn Sie selber ein Organ benötigen ,hilft eine großzügige Spende und sie rücken auf der Bedarfsliste nach oben.
LoisClarkX 11.04.2014
3. Anreize...
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINENicht einmal tausend Deutsche spendeten 2013 ihre Organe - auf der Warteliste für Niere, Lunge oder Herz stehen mehr als 10.000 Kranke. Der Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation zeigt, warum Angehörige oft eine Spende ablehnen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/dso-jahresbericht-2013-organspender-dringend-gebraucht-a-963726.html
Es ist irgendwie verständlich, dass man sich zu Lebzeiten nicht mit diesem Thema auseinandersetzen möchte. Könnte man die Akzeptanz nicht steigern, wenn man: a) bei erfolgter Organspende (keine Lebendspende) - die Bestattungskosten des Spenders (auch anteilig) übernimmt. Bei 6-stelligen Kosten der meisten Transplantationen würde dies doch weiter kaum auffallen. Ein finanzielles Interesse kann man auch ausschließen, da tot und keine Garantie auf eine mögliche Übernahme... oder b) Organspender, die bereits vor einer Erkrankung sich haben registrieren lassen, auf der Warteliste bevorzugt.
Kack Wurst 11.04.2014
4. langfristige Besserung nur durch bessere choice-Architektur
Österreich macht es vor: Organspende als Standard für jeden Bürger. Wer nicht will, kann selbstverständlich ablehnen - Widerspruchsregelung. Deutschland etwa 15/Mio, Österreich etwa 25/Mio, Spnaien etwa 35/Mio Den Entscheidern sei das Buch "Nudge" ans Herz gelegt.
orthos 11.04.2014
5. Danke nein!
Meine Organe behalte ich leiber für mich. Durch das Spenden habe ich oder meine Angehörigen genau 0 (Null) Vorteile. Die Organe werden aus dem Körper entnommen wei bei einem Autowrack auf der Schrotthalde. Der Rest bleibt beduetungslos zurück! Dabei gäbe es 2 einfache Möglichkeiten die Spendenzahl drastisch zu erhöhen: 1. Es wird eine "Entschädigung" gezahlt. 1000€ z.B. für die Beerdigung sind angemessen. Das Geld ist vorhanden, das haben genug Skandale um Organhandel bewiesen. Zusätzlich entlastet der Spender post mortem seine Angehörigen und hat so auch ein Motiv zur Spende. 2. Eine Auszeichnung, z.B. eine Plakette, die man am Grabstein anbringen kann, an den Spender zu verleihen wäre eine Ehre, die eine Motivation zur Spende ist. Es muss ja nicht gleich das Bundesverdienstkreuz sein, aber ein offizielles Zeichen des Respektes, auch über den Tod hinaus, wäre ein Anreiz. Hie reht es in Richtung Stolz, was man m.E. ruhig zeigen kann. Leider gilt bei diesem Thema das alte Sprichwort "Von nix kommt nix". Selbst beim Blutspenden bekommt man ja mehr Anerkennung! (z.B. die Goldene Nadel)
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