Hausmittel Was hilft gegen Durchfall?

Winterzeit ist Durchfallzeit, schuld sind hoch ansteckende Noro- und Rotaviren. Dann gilt vor allem eins: trinken, trinken, trinken. Was aber ist mit Salzstangen und Cola?

Helfen Salzstangen gegen Durchfall?
Getty Images

Helfen Salzstangen gegen Durchfall?


Durchfall ist keine Krankheit, es ist ein Symptom. Irgendetwas im Körper stimmt nicht. Der Betroffene hat sich mit einem Krankheitserreger angesteckt, verträgt ein Medikament nicht - oder ist einfach gestresst. Gerade im Winter erkranken viele an Noro- und Rotaviren, beide sind hoch ansteckend.

Oft wird der Stuhl nach zwei bis drei Tagen von allein wieder fester. "Dauert der Durchfall allerdings länger oder kehrt er oft wieder, dann muss die Ursache medizinisch abgeklärt werden", sagt Bettina Sauer, die für Stiftung Warentest häufig Medikamententests betreut. Besonders aufpassen müssen Betroffene auch, wenn sie Blut im Stuhl finden, wenn sie Fieber haben, ihnen schwindlig ist oder die Haut schlaff aussieht.

Blut im Stuhl kann im schlimmsten Fall auf einen Tumor in der Darmwand hindeuten. Eine schlaffe Haut zeigt, dass der Körper stark ausgetrocknet ist. Dann muss im Krankenhaus eventuell Flüssigkeit über eine Infusion zugeführt werden.

Trinken, trinken, trinken

Zu welcher Behandlung ein Arzt rät, hängt vom Auslöser des Durchfalls ab. Das Wichtigste: Um nicht auszutrocknen, muss der Betroffene viel trinken. Täglich sollten es zwei bis drei Liter sein, rät Andreas Stallmach, Direktor am Universitätsklinikum Jena in Thüringen. Manchmal kommt zum Durchfall allerdings noch ständiger Brechreiz. Dann fällt es laut Stallmach leichter, nur kleine Schlucke zu sich zu nehmen - über den ganzen Tag verteilt.

Weil neben Flüssigkeit auch Mineralstoffe verloren gehen, sollten Betroffene zudem nicht einfach Wasser trinken. "Elektrolytlösungen aus der Apotheke können helfen, den Mineralstoffverlust auszugleichen", sagt Stallmach. Sie enthalten eine Mischung aus Salzen wie Kochsalz und Natriumcitrat sowie Kaliumchlorid und Traubenzucker. Cola und Salzstangen sind hingegen eine Kombination, auf die man besser verzichtet. "Cola enthält viel zu viel Zucker, das kann den Durchfall verstärken", erklärt Stallmach. In den Salzstangen fehlten Salze wie Kalium oder Nitrate, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Wer keine Elektrolytlösung im Haus hat, kann sie auch selbst herstellen: In einen Liter abgekochtes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser werden je ein viertel Teelöffel Kochsalz und Backpulver gerührt. Dazu kommen zwei Esslöffel Zucker oder Honig und eine halbe Tasse Orangensaft, der dem Körper Kalium liefert. Dieses Gemisch sollte der Durchfall-Geplagte in kleinen Schlucken trinken. Auch ein bis zwei zerdrückte Bananen helfen.

Keine Schonkost

Weil hinter dem Durchfall so viele verschiedene Ursachen stecken können, ist es zudem wichtig, nach dem Auslöser zu suchen. Hatte der Betroffene in letzter Zeit viel Stress? Dann lässt sich zum Beispiel mit Entspannungsübungen gegensteuern. Wer häufig auf Antibiotika mit Durchfall reagiert, kann sich vom Arzt ein zusätzliches Präparat verschreiben lassen, das diese Nebenwirkung verhindert.

Anders als früher raten Ärzte zudem nicht mehr zu Schonkost. Der Patient soll essen, worauf er Appetit hat. Eine Ausnahme gibt es aber, nämlich wenn der Durchfall während einer Reise in einem Land mit eher niedrigen Hygienestandards auftritt: "Dort sollte man zur Vorbeugung keine Rohkost essen, nur abgekochtes oder industriell abgefülltes Wasser trinken und auf Eiswürfel verzichten", rät Sellerberg. In weiten Teilen Afrikas, in Asien und der Karibik bekommen Reisende besonders häufig Durchfall.

Fotostrecke

14  Bilder
Lebensmittelhygiene: So verbannen Sie Bakterien aus Ihrer Küche

Damit sich Krankheitserreger nicht ausbreiten, ist aber auch zu Hause Hygiene wichtig. "Dazu gehört vor allem, sich vor und nach der Küchenarbeit, vor allen Mahlzeiten und nach jedem Toilettengang die Hände gründlich mit Seife zu waschen", sagt Sauer. Auch bei der Zubereitung bestimmter Speisen sollte man einiges beachten. Tiefkühlgeflügel ist zum Beispiel häufig mit Krankheitserregern belastet. Um zu verhindern, dass sich die Keime ausbreiten, taut man das Geflügel am besten in einem Topf im Kühlschrank auf. Das Tauwasser muss anschließend weggeschüttet werden. Wird das Fleisch dann richtig durchgegart, besteht in der Regel keine Gefahr.

Von Sabine Meuter, dpa/irb



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.