E-Zigarette Vor allem junge Raucher testen das Dampfen

Mehr als 20 Prozent der Raucher haben schon E-Zigaretten ausprobiert - das geht aus einer EU-weiten Umfrage hervor. Insbesondere Jüngere testen, ob sie mit dem Dampfen von Tabakprodukten loskommen.

Dampferin in Los Angeles, Kalifornien: Vor allem Jüngere greifen zur E-Zigarette
REUTERS

Dampferin in Los Angeles, Kalifornien: Vor allem Jüngere greifen zur E-Zigarette


Gut jeder fünfte Raucher hat schon E-Zigaretten ausprobiert, vor allem jüngere testen das Dampfen. Ein Teil von ihnen will wissen, ob die elektronischen Verdampfer beim Aufhören mit dem Rauchen hilfreich sind. Dies ergab eine Befragung von mehr als 26.000 Jugendlichen und Erwachsenen aus 27 EU-Ländern, die Forscher nun neu ausgewertet haben.

Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung im Jahr 2012 haben demnach mehr als 29 Millionen EU-Bürger E-Zigaretten bereits ausprobiert, heißt es in der Studie im Fachblatt "Tobacco Control". Es sei dringend geboten, die gesundheitlichen Folgen der E-Zigaretten zu untersuchen und herauszufinden, welche Rolle sie bei der Nikotinabhängigkeit spielen, schreiben die Forscher um Constantine Vardavas von der Harvard School of Public Health in Boston.

Der Auswertung zufolge haben gut 20 Prozent der Raucher Erfahrungen mit E-Zigaretten gemacht; jüngere eher als ältere. Gut zwei Drittel der Raucher probierten sie ein- oder zweimal aus. Neun Prozent rauchen regelmäßig elektrisch. Raucher, die aufhören wollten, probierten doppelt so häufig E-Zigaretten aus wie überzeugte Raucher. Sieben Prozent hatten beim Versuch, aufzuhören, das Dampfen ausprobiert.

Geschmacksrichtungen: von Alkohol bis Frucht

Eine zweite Forschergruppe berichtet in "Tobacco Control", dass die Zahl der im Internet angebotenen E-Zigaretten-Sorten enorm sei. Allein zwischen August 2012 und Januar 2014 seien monatlich zehn Marken und 242 Geschmacksrichtungen neu auf den Internetmarkt gekommen. Im Januar 2014 wurden insgesamt 466 Marken auf eigenen Webseiten beworben. 7764 Geschmacksrichtungen waren erhältlich, darunter Tabak, Menthol, Frucht oder Alkohol.

Die Vermarktungsstrategie habe sich im Laufe der Zeit erheblich verändert, berichten die Wissenschaftler um Shu-Hong Zhu von der University of California, San Diego. Im Jahr 2012 hätten die Hersteller die vermeintlich geringere Gesundheitsgefahr durch E-Zigaretten betont, was zur Kontroverse über die Produkte entscheidend beigetragen habe. Diese Hinweise finde man mittlerweile deutlich seltener. Auch werde nicht mehr damit geworben, dass E-Zigaretten dort geraucht werden dürften, wo andere Zigaretten verboten sind oder dass sie beim Aufhören helfen könnten. Die neueren Marken kehren davon ab, normale Zigaretten als Referenz zu nutzen, so die Forscher.

Über Nutzen und Risiken des Dampfen diskutieren auch Wissenschaftler durchaus kontrovers. So sagt etwa der britische Suchtforscher Peter Hajek, E-Zigaretten hätten das Zeug, tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle zu eliminieren. "Wir hatten noch nie etwas, das auch nur annähernd so vielversprechend im Kampf gegen den Tabakkonsum gewesen wäre."

Andere Forscher wie etwa Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention Berlin, meinen dagegen: "Viele dieser Produkte enthalten Nikotin, und das hat ein extrem hohes Suchtpotenzial. So werden die Raucher von morgen herangezüchtet."

wbr/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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Senf-Dazugeberin 17.06.2014
1. Und wieviele
Und wie groß ist der Anteil der eigentlich nichtrauchenden und auch gar nicht erst damit anfangen wollenden Jugendlichen, die die E-Zigarette für harmlos halten und damit dann doch angefixt werden?
amidelis 17.06.2014
2. Nachzucht?
Na vielen Dank - in 300 Jahren ist es nicht gelungen, Menschen vom Tabakrauchern in Europa abzuhalten. Jetzt gibt es etwas das deutlichst weniger schädlich ist und was passiert - man versucht e Zigaretten schlecht zu machen. Jeder der wie ich auf diesen nikotinkonsum umgestiegen ist merkt nach wenigen Tagen dass man Zigaretten zur Seite legen kann. Dass es gesundheitlich besser geht. Und dass es ein leichterer Schritt ist sich dann von Nikotin zu entwöhnen.
fatherted98 17.06.2014
3. Der Versuch...
...der Tabakindustrie durch dieses neue Produkt wieder Abhängige zu schaffen ist offensichtlich. Wie bei den Zigaretten wird auch hier mit gesundheitlicher Unbedenklichkeit geworben....die Konsumenten gingen in den letzten Jahren zurück...wer nicht als Kind oder Jugendlicher angefixt wird, wird im späteren Leben nicht mit dem Mist anfangen...also sollte genau wie bei der Zigarette gelten....Verbannung aller Dampfmaschinen aus öffentlichen Gebäuden, Kneipen, Restaurants, Bahnhöfen usw. Wir sind doch schon auf einem guten Weg, weg vom Nikotin...man sieht kaum mehr Jugendlichen rauchen...im Gegensatz zu früher wo ein ganzer Schulhof inkl. Lehrer vor sich hin paffte.
rennflosse 17.06.2014
4. Herein
Ist doch ganz einfach: Führt den Islam als Staatsreligion ein und verbietet das Rauchen und den Alkohol. Dafür fünf Mal am Tag beten. Alles wird gut.
emeria 17.06.2014
5. Anteil an Nichtrauchern die Dampfer werden
Zitat von Senf-DazugeberinUnd wie groß ist der Anteil der eigentlich nichtrauchenden und auch gar nicht erst damit anfangen wollenden Jugendlichen, die die E-Zigarette für harmlos halten und damit dann doch angefixt werden?
Der Anteil ist verschwindend gering. Gibt hierzu schon eine Studie aus den USA. Einer von mehreren Tausend wars imho. Einfach mal googeln.
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