E-Zigarette Rauchen ohne Reue?

Sind E-Zigaretten oder Tabakerhitzer ein guter Ersatz für herkömmliche Zigaretten? Bislang tun sich Experten schwer mit einem abschließenden Urteil.

DPA


"Herkömmliche Zigaretten verursachen allein in Deutschland jährlich rund 120.000 Todesfälle", sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Etwa jeder vierte Erwachsene ist Raucher.

Der Zigarettenmarkt ändert sich allerdings, die Tabakindustrie preist E-Zigaretten und Tabakerhitzer als Alternativen an. Wie ungefährlich sind sie?

Mehr tun, um Raucher zum Rauchstopp zu motivieren

Wissenschaftler um David Levy von der Georgetown University in Washington berechneten im vergangenen Jahr in zwei Szenarien, wie sich der Wechsel eines Großteils der Raucher zu E-Zigaretten in den USA auf die Gesundheit auswirken könnte. In einem optimistischen Szenario würden dadurch in einem Zeitraum von zehn Jahren knapp 87 Millionen Lebensjahre gewonnen. In einem pessimistischen Szenario wären es knapp 21 Millionen gewonnene Lebensjahre.

Ute Mons sieht solche Prognosen skeptisch. Zwar könne der Umstieg auf E-Zigaretten durchaus eine weniger schädliche Alternative für jene sein, die einen Rauchstopp mit herkömmlichen Methoden nicht schaffen oder wollen. "Bei der Diskussion wird aber der eigentliche Hauptschauplatz oft aus dem Blick verloren. Es muss viel mehr getan werden, um Raucher zu einem Rauchstopp zu motivieren", sagt die DKFZ-Abteilungsleiterin.

Bisher fehlen abschließende Analysen dazu, wie unschädlich oder schädlich E-Zigaretten denn sind. Dafür sind sie schlicht noch nicht lange genug am Markt.

E-Zigarette als Ausstiegschance

Viele, die der E-Zigarette positiv gegenüberstehen, sehen sie als Chance zum Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit, um damit das Gesundheitsrisiko zu reduzieren. Wenn Raucher von der herkömmlichen Zigarette umsteigen, setzen sie sich beim Dampfen wesentlich weniger schädlichen Stoffen aus als zuvor beim Rauchen.

Skeptiker fürchten aber, dass Jugendliche über die E-Zigarette in den Tabakkonsum einsteigen könnten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht darin ein potenzielles Einfallstor für die Nikotinsucht.

Tabak nur erhitzen, statt ihn zu verbrennen

Einer der jüngsten Trends der Zigarettenindustrie heißt Iqos. Dem Hersteller zufolge soll das elektronische Gerät, in das ein Tabakstick gesteckt wird, weniger schädlich sein als eine klassische Zigarette. Der Tabak wird erhitzt, ohne ihn zu verbrennen.

Einrichtungen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigen, dass ausgewählte Hauptschadstoffe des Rauchs - darunter krebserzeugende Substanzen - deutlich reduziert sind. Das bedeutet Experten zufolge aber nicht, dass Tabakerhitzer harmlos sind, denn es würden weiterhin krebserzeugende Substanzen aufgenommen.

"E-Zigaretten und Tabakerhitzer dürfen nicht in einen Topf geworfen werden", sagt Ute Mons. "E-Zigaretten erhitzen eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit, und das entstehende Aerosol enthält bei sachgemäßem Gebrauch kaum krebserzeugende Substanzen." Wird der Tabak erhitzt, entstehen zwar weniger Schadstoffe als beim Verbrennen. Die Menge ist laut Mons jedoch nicht unerheblich.

"Auch wenn nicht alle Fragen beantwortet sind: Experten gehen davon aus, dass E-Zigaretten wahrscheinlich deutlich weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten - und wahrscheinlich auch weniger schädlich als Tabakerhitzer", meint die Expertin vom DKFZ.

wbr/dpa



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Ryker 25.05.2018
1. Angenehm überrascht
Ich bin angenehm überrascht von dem Artikel. Er scheint mir ausgewogen und den gegenwärtigen Stand der Forschung wider zu spiegeln. E-Zigaretten sind um Größenordnungen weniger gesundheitsschädlich als normale Zigaretten. Noch besser ist es natürlich gar nicht zu rauchen/ dampfen. Kaum nachvollziehbar ist da für mich, wie wenig von Seiten der Politik gegen das erwiesenermaßen (!) hochgefährliche Rauchen unternommen mit, andererseits den Dampfern unter Hinweis auf vielleicht bestehende/ mögliche/ nicht auszuschließende Gefahren das Leben schwer gemacht wird. Dass E-Zigaretten den Einstieg zu normalen Zigaretten darstellen sollen ist mir völlig unbegreiflich. Als Vergleich (der wie alle etwas hinkt): Warum sollte jemand der im Schwimmbad das Schwimmen gelernt hat plötzlich auf die Idee kommen in ein Klärschlammbecken zu springen?
x_Vendetta_x 25.05.2018
2. Mit ein wenig Sachverstand
kann man sicher sagen dass E-Zigaretten die mit Liquids funktionieren weniger gesundheitsschädlich sind als normale Zigaretten. Ich denke fast jeder wird verstehen, dass das Inhalieren von Rauch, welcher hunderte von Schadstoffen beinhaltet, evtl. etwas ungesunder ist als das Inhalieren von Glycol/Glycerindämpfen versetzt mit ein paar Aromen und evtl. Nikotin. Glycol und Glycerin sind in der EU zugelassene Lebensmittelinhaltstoffe. Sicher ist nach momentanem Wissensstand sicher das Nikotin der kritische Stoff bei e-liquids, einfach weil Nikotin abhängig macht, aber Raucher/Dampfer wissen das bzw. sollten es wissen. Es ist auch klar, dass sich kaum ein seriöser Mediziner dazu hinreissen lassen wird, E-Zigaretten als "gesund" zu erklären. Ich kann nur sagen, dass es mir körperlich sehr viel besser geht seit ich dampfe, statt zu rauchen und ich bin mir der Wirkung von Nikotin bewusst.
Stichpunkt 25.05.2018
3. .
Wie wäre es einmal mit einer Alternative, deren Nutzung keinen Mitmenschen belästigt? Tabletten, Spritzen, Pflaster, Zäpfchen, alles verfügbar. Nein, es muss rauchen, qualmen oder dampfen.
widower+2 25.05.2018
4. Belästigung?
Zitat von StichpunktWie wäre es einmal mit einer Alternative, deren Nutzung keinen Mitmenschen belästigt? Tabletten, Spritzen, Pflaster, Zäpfchen, alles verfügbar. Nein, es muss rauchen, qualmen oder dampfen.
Ich hoffe, Sie fahren kein Auto. Der Dampf von E-Zigaretten enthält im Gegensatz zu Autoabgasen keinerlei Schadstoffe. Wenn Sie mit Ihrem Auto an mir vorbeifahren, belästigen Sie mich also objektiv gesehen wesentlich mehr als wenn ich neben Ihnen dampfen würde. Manche Liquids haben einen gewissen Geruch, der allerdings meisten als angenehm empfunden wird. Ich fühle mich auf jeden Fall von den Parfümwolken, die manchen Damen und Herren entströmen, mehr belästigt als von E-Zigaretten-Dampf.
thomas_storck 25.05.2018
5. Eine britische Studie von einer Gesundheitsbehörde (NHS Umfeld) ...
aus jüngster Vergangenheit zeigt einen klaren positiven Trend für die E-Zigarette. Es wird auch befürwortet, bestehende Rauch- bzw. Qualmverbote aufzuheben. Hab ich das nicht hier gelesen? Nein, woanders, aber was vor ca. 2 Wochen im Spiegel stand, ist der neueste US-Trend Juul als "Nikotinzuführmittel", steht wohl in Konkurrenz zum IQOS. Juul wird hier nicht mehr erwähnt, schade. Ich selbst bin an allem interessiert, das mich ohne Risiko (und ohne Sozialdruck) paffen lässt. Meine E-Zigarette ist schonmal okay, aber 1-2 Normale zum Bier müssen noch sein. Und was mich auch nervt, ist das Ausweichen der Befragten zur Schädlichkeit a la "Nichrauchen sei ja das Ziel" ...
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