Jugendliche und E-Zigaretten Rauchen out, Dampfen hip

Sinnvoller Tabak-Ersatz oder neue Süchtigmacher? Experten kritisieren, dass die Vermarktung von E-Zigaretten auf Jugendliche abzielt: Das Dampfen könnte junge Konsumenten zum Rauchen ermuntern.

E-Zigarette: Die gesundheitliche Belastung ist noch nicht geklärt
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E-Zigarette: Die gesundheitliche Belastung ist noch nicht geklärt


Sie schmecken nach Mango, Erdbeer und Tiramisu, sind in Retro-Designs erhältlich, und Hollywood Stars nutzen sie angeblich auch: Das macht E-Zigaretten für Jugendliche attraktiv, glaubt Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention Berlin.

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E-Zigaretten seien selbst für diejenigen eine Versuchung, die gewöhnliche Zigaretten ablehnen würden. "Rauchen hat inzwischen ein Schmuddel-Image bekommen. Aber die elektronischen Zigaretten werden gar nicht mit Rauchen assoziiert", sagt Jüngling. Sie gälten als harmlos, stylish und cool und würden auch gezielt so über das Internet vermarktet.

Die Meinungen über Nutzen und Risiken des Dampfens gehen weit auseinander: Einige Experten glauben, E-Zigaretten hätten das Zeug, die Tabak-Ära zu beenden und damit etliche Leben zu retten. Auch Hersteller behaupten, die E-Zigarette erleichtere die Entwöhnung von Tabak. Jüngling aber fürchtet genau das Gegenteil: dass Jugendliche wegen deren vermeintlicher Harmlosigkeit zunächst zur E-Zigarette greifen und später dann auch zur echten.

"Viele dieser Produkte enthalten Nikotin, und das hat ein extrem hohes Suchtpotenzial. So werden die Raucher von morgen herangezüchtet", sagt die Suchtexpertin. Selbst das Inhalieren von Dampf sei eine Handlung mit Ritualcharakter. "Der Schritt zur richtigen Zigarette liegt deshalb nahe."

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Eine Studie, die im März im Journal "Jama Pediatrics" veröffentlicht wurde, stützt diese Vermutung: Demnach hält der Konsum von E-Zigaretten Heranwachsende eher nicht vom Rauchen von Tabakzigaretten ab, sondern könnte sie im Gegenteil dazu ermutigen. Und einer Umfrage der Europäischen Kommission von 2012 zufolge halten 45 Prozent der jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren E-Zigaretten für harmlos - mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Wirkung der Inhaltsstoffe weitgehend unbekannt

Als Problem sieht Jüngling die Gesetzeslage: So ist es bisher noch erlaubt, selbst im Fernsehen für E-Zigaretten zu werben und theoretisch sogar, sie an Jugendliche zu verkaufen. Dem entgegen stehen bisher nur freiwillige Selbstverpflichtungen der Händler. "Viele Jugendliche denken sich: Wenn es gefährlich wäre, wäre es doch verboten", sagt Jüngling.

Tatsächlich gehen Experten davon aus, dass auch E-Zigaretten die Gesundheit gefährden - nur vielleicht nicht so stark wie echter Tabakrauch. "Im E-Zigaretten-Dampf befinden sich viele Stoffe, die in der Lunge schlichtweg nichts zu suchen haben", sagt Fritz Sörgel. Der Pharmakologe leitet das Institut für biomedizinische und pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg.

Zusatzstoffe der sogenannten Liquids, die in den E-Zigaretten verdampft werden, könnten allergisches Asthma auslösen. Und die Langzeitwirkung der Liquid-Bestandteile auf die Lunge sei noch nie untersucht worden, das gelte auch für die Hauptsubstanz Propylenglykol. "Niemand war bisher auf die abwegige Idee gekommen, den Stoff zu inhalieren", sagt Sörgel.

Funktionsweise einer E-Zigarette: Für Details bitte auf das Bild klicken
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Auch er findet: E-Zigaretten, die statt stinkendem Qualm Dampf mit Kaugummi-Aroma verströmen, seien für Jugendliche ein gefährlicher Köder. "Hier wird etwas Süchtigmachendes in einer appetitlichen Form verabreicht." Die Verkaufsmasche sei die gleiche wie bei Alkopops, die nach süßer Limonade schmecken und so selbst Kindern die Hemmschwelle vor dem Alkoholkonsum nehmen.

Gefährlich sei, dass sich E-Zigaretten-Nutzer das Nikotin selbst dosieren können. Nikotin in hoher Konzentration kann schnell zu Vergiftungen führen. "Bis zu den ersten Todesfällen ist es nur eine Frage der Zeit", sagt Sörgel. Über den Dampf der E-Zigarette würden Stoffe zudem besonders schnell im Gehirn angeflutet - was dazu einlade, illegale Drogen damit zu konsumieren.

Marketing im Sport

Sörgel kritisiert zudem, dass die Werbung dafür auf Jugendliche zugeschnitten sei: "Da gilt es dringend einzuschreiten." In den USA sponsern E-Zigaretten-Hersteller gezielt Großevents mit jungem Publikum. Ähnliche Tendenzen gibt es bereits in Deutschland: Der deutsche E-Zigaretten-Vermarkter Red Kiwi sponsert einen Piloten der Motorsportart Rallycross und plakatiert riesige Banner bei dessen Rennen.

Auf der Red-Kiwi-Facebook-Seite ist zu lesen, dass auch "Pulp Fiction"-Star Samuel L. Jackson ("Toller Schauspieler, cooler Typ") oder Teenie-Idol Robert Pattinson E-Zigaretten-Fans seien, die Ansprache wirkt bemüht hip. Klare Signale, dass Jugendliche umworben werden?

Dac Sprengel, leitender Angestellter bei Red Kiwi, hält die Aufregung für übertrieben. Rallycross sei kein Sport, der nur Jugendliche interessiert, auf Facebook gebe es "keine explizite Ansprache" von Jugendlichen.

Einen TV-Werbespot von Red Kiwi habe man erst nach 22 Uhr im Fernsehen gezeigt, auch darin sei "kein Fokus auf Jugendliche" zu erkennen. Red Kiwi präsentiere sich vielmehr "als frische Marke, die Schwung bringt in den verkrusteten Tabakmarkt". Und außerdem trügen die Produkte von Red Kiwi ja einen Vermerk: "Keine Abgabe an Jugendliche unter 18 Jahren."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
francoilgatto1! 30.05.2014
1. optional
Mit so einem Artikel kann man Geld verdienen? Da werde ich mal meine Hausarbeit zum Thema E-Zigaretten anbieten... E-Zigaretten enthalten in jedem Fall weniger schädliche Stoffe. Der Ritualcharakter ist der gleiche wie beim Rauchen, der Geschmack aber ganz anders. Nikotin ist nicht das Hauptproblem, sondern die zusätzlich enthaltenen Stoffe, und die sind bei der herkömmlichen Zigarette viel gefährlicher, unter anderem dann in Verbindung mit Nikotin. Ein paar Leute werden dann wohl auf Rauchen umsteigen, aber viel interessanter wäre doch zu untersuchen, wieviele ohne E-Zigaretten gleich zur "normalen" Zigarette gekommen wären, aber jetzt bei der E-Zigarette bleiben. Nicht zuletzt, auch wenn das nicht Thema des Artikels ist, werden E-Zigaretten zur Reduktion des Tabakkonsums bei Rauchern eingesetzt. Die Rituale bleiben erhalten, der Nikotinkonsum wird ganz erheblich reduziert und es sind wie schon gesagt sehr viel weniger sonstige Schadstoffe enthalten - zum Beispiel enthält eine E-Zigarette KEINEN Teer.
benny_bcn 30.05.2014
2. Wurde…
der Artikel von der Tabak- oder von der Gesundheitslobby lanciert?
spon-facebook-10000604260 30.05.2014
3. E-Zigaretten sind Teil der Lösung - nicht des Problems
53 der rennomiertesten Wissenschaftler und Tabakforscher haben am 26.5.2014 in einem offenen Brief an die Präsidentin der WHO vor einer Überregulierung der E-Zig gewarnt. Ihre Argumente sind mehr als lesenswert! Schreibt die Tabakindustrie für die EU die Gesetze? http://nicotinepolicy.com/documents/letters/MargaretChan.pdf
user124816 30.05.2014
4.
Zitat von sysopAPSinnvoller Tabak-Ersatz oder neue Süchtigmacher? Experten kritisieren, dass die Vermarktung von E-Zigaretten auf Jugendliche abzielt: Das Dampfen könnte junge Konsumenten zum Rauchen ermuntern. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/e-zigaretten-experten-kritisieren-die-jugendliche-zielgruppe-a-972047.html
https://de.wikipedia.org/wiki/1,2-Propandiol ist auch in inhalationssprys für asthmatiker anthalten dann ist cola auch ein köder (die einstiegs-/anfixdroge) für schnaps. liquids sind in bestimmten nikotinkonzentrationen erhältlich - hier in DE vom 0 bis 24mg/ml. ich persönlich dampfe 24ml/ml. reines nikotin oder stärkere konzentrationen habe ich noch nicht gesehen. also "selbst dosieren", im sinne das man die kontentration von 0-100% nikotin selbst wählen könne, ist falsch. wohl richtig, aber völlig aus dem zusammenhang "e-zigarette" gerissen, ist das nikotin ein starkes gift ist - und ja, irgendwann wird es *irgendwie* einen toten geben. vielleicht sollte sörgel, wenn er mal belastbare zahlen hat, das mit anderen todesfällen vergleichen, also anzahl tote im straßenverkehr vs tote dampfer. was für drogen sollen das denn sein? hanföl funktioniert nicht im verdampfer, also was jetzt? heroin? wieder eine behauptung ohne beleg. mal was anderes: wo würdet IHR (leser) denn "illegale drogen" kaufen wenn ihr den plötzlichen wunsch verspürt euch "halt mal wegzudröhnen"? fazit: FUD https://de.wikipedia.org/wiki/Fear,_Uncertainty_and_Doubt
Tyr 30.05.2014
5. Dieser Sörgel hat keine Ahnung
"Und die Langzeitwirkung der Liquid-Bestandteile auf die Lunge sei noch nie untersucht worden, das gelte auch für die Hauptsubstanz Propylenglykol. "Niemand war bisher auf die abwegige Idee gekommen, den Stoff zu inhalieren", sagt Sörgel." Das stimmt überhaupt nicht. Zum einen wird dieser Stoff in verschiedenen Dingen wie z.B. Nebelmaschinen in Diskotheken verwendet, zum anderen ist dieser Stoff ebenfalls in normalen Zigaretten enthalten. Davon zu reden, dass es eine abwegige Idee wäre, das einzuatmen ist schlichtweg gelogen.
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