Kampf gegen Ebola in Sierra Leone 1,2 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt

Die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika ist auf fast 3000 gestiegen. In Sierra Leone hat die Regierung erneut drastische Maßnahmen ergriffen und mehr als eine Million Menschen unter Quarantäne gestellt. Die Bundeswehr startete den ersten Hilfsflug in die Region.

AP/dpa

Freetown/Bonn - Das Ebolavirus breitet sich unaufhaltsam in Westafrika aus. Einer aktuellen Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind bis zum 21. September 2917 Menschen an dem lebensgefährlichen Ebolavirus gestorben. Insgesamt haben sich demnach in Guinea, Liberia, Sierra Leone, Nigeria und Senegal inzwischen 6263 Menschen infiziert - wobei eine hohe Dunkelziffer befürchtet wird.

Während sich die Lage in Guinea zumindest vorübergehend stabilisiert zu haben scheint, verschärfe sich in Liberia und Sierra Leone die Situation, heißt es in der Mitteilung. Demnach steigt in Sierra Leone weiterhin die Zahl der neu gemeldeten Ebola-Fälle. Dafür sei vor allem ein starker Zuwachs der Fallzahlen in der Hauptstadt Freetown verantwortlich.

Im verzweifelten Kampf gegen die Ebola-Epidemie hat die Regierung in Sierra Leone jetzt 1,2 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt. Die Maßnahme gelte für drei Bezirke und zwölf Stammesgebiete, sagte Präsident Ernest Bai Koroma in einer Fernsehansprache.

Die Bewohner der beiden nördlichen Distrikte Port Loko und Bombali sowie von Moyamba im Süden dürfen die Grenzen ihrer insgesamt 12 Gemeindegebiete ab sofort nur mit Genehmigungen und über kontrollierte Straßenkorridore verlassen. Ähnliche Einschränkungen gelten bereits für die Distrikte Kenema und Kailahun im Osten. Damit sind nun fünf der 14 Distrikte des Landes mit etwa zwei Millionen der rund sechs Millionen Einwohner Sierra Leones von Isolationsmaßnahmen betroffen.

Bis vergangenen Sonntag hatte im ganzen Land bereits eine dreitägige Ausgangssperre gegolten, bei der rund 30.000 Helfer von Tür zu Tür gezogen waren und mehr als hundert neue Ebola-Fälle entdeckt hatten. Zudem seien nahezu alle Haushalte von Helfern über Ebola aufgeklärt und Familien überzeugt worden, Leichen von an Ebola gestorbenen Angehörigen den Behörden zu übergeben, erklärte Koroma.

Laut der WHO-Mitteilung sind in Sierra Leone inzwischen 597 Menschen an Ebola gestorben. Am stärksten betroffen ist Liberia mit 1677 Todesfällen, gefolgt von Guinea. Auch wenn die Lage in dem Land stabiler zu sein scheint, gebe es keinen Grund zur Entwarnung, erklärte die WHO.

Im Senegal, wo es bisher einen bestätigten, aber nicht tödlichen Fall gegeben hat, sind dagegen laut der Mitteilung in den vergangenen 21 Tagen keine neuen Verdachtsfälle hinzugekommen. In Nigeria, das bisher acht Tote zu beklagen hatte, ist der letzte bestätigte Fall am 5. September erfasst worden. Insgesamt gab es in Nigeria 19 bestätigte Erkrankungen und einen Verdachtsfall.

Am Donnerstag startete die Bundeswehr mit dem Transport von Hilfsgütern nach Westafrika in die Ebola-Gebiete. Vom Flughafen Köln aus machte sich ein Airbus 310 mit knapp fünf Tonnen medizinischen Gütern an Bord auf den Weg in die senegalesische Hauptstadt Dakar, wie ein Sprecher der Bundeswehr mitteilte. Die Lieferung umfasse Hilfsgüter wie Handschuhe, Desinfektionsmaterial und Stiefel. In der senegalesischen Hauptstadt plant die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt. Von dort aus soll später eine Luftbrücke nach Monrovia in Liberia eingerichtet werden. Auch vom bayerischen Fliegerhorst Penzig aus brachen demnach zwei Transportmaschinen nach Dakar auf.

Bundesregierung, Rotes Kreuz und Ärztekammer haben unterdessen medizinisches Personal zur Unterstützung im Kampf gegen die Ebola-Epidemie gebeten. "Wir benötigen dringend freiwillige Helfer für den Aufbau der Krankenstationen", sagte Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) am Donnerstag in Berlin. Die Krise gefährde nicht nur die Sicherheit und Stabilität in Westafrika, sondern nehme globale Dimensionen an.

Man wisse um die Risiken eines solchen Einsatzes von Helfern in der Region. Aber die Lage vor Ort habe sich drastisch verschärft. Freiwillige, versicherte Gröhe, würden finanziell abgesichert. Es gehe auch um eine Rückkehrgarantie für Helfer zum bisherigen Arbeitgeber. Im Notfall würden Helfer nach Deutschland zurückgeholt.

Auch DRK-Präsident Rudolf Seiters bat um Unterstützung - insbesondere zur Entlastung von Kollegen vor Ort. Es werde dringend Personal benötigt, um den Ebola-Ausbruch von internationaler Tragweite einzudämmen. Besonders nötig seien Ärzte, Physiotherapeuten, Hebammen, Pfleger, Pharmazeuten, Labor- und Röntgenfachkräfte.

Bundesärztekammer-Präsident Frank Montgomery warnte, man stehe medizinisch gesehen vor einer globalen Katastrophe, wenn es nicht gelinge, die Epidemie einzudämmen. Es müsse auch zum Schutz der eigenen Bevölkerung alles unternommen werden, dass sich die Krankheit nicht ausbreite. Zuvor hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) um Freiwillige geworben.

cib/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
segeln10 25.09.2014
1. Die einzig richtige Massnahme !
Sehr konsequent gedacht. Hilfe besteht jetzt darin, von außen die Versorgung, so gut es geht, zu gewährleisten. Eine riesen logistische Herausforderung. in only, out never
NasenB 28.09.2014
2. Hilfe
kann man auch leisten, indem man spendet. ich habe mich für Ärzte ohne Grenzen entschieden, die vielen Kranken in den Gebieten helfen aber deren Betten nicht ausreichen. https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/online-spenden ich danke jedem egal ob Arzt, Schwester, Soldat oder sonstige Qualifikation, der bei der Hilfe dabei ist und jedem der spendet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.