Mangel an Medizinern Ärzteverbände suchen Freiwillige für Ebola-Einsatz

Erfahrung, gut in Englisch und tropentauglich: Ärzteverbände suchen nach deutschen Medizinern, die im Kampf gegen Ebola in Westafrika helfen können. In den USA greift die Angst vor dem Erreger derweil weiter um sich.

Schulung zum Umgang mit hochansteckenden Patienten: Mehr Ebola-Helfer werden benötigt
DPA

Schulung zum Umgang mit hochansteckenden Patienten: Mehr Ebola-Helfer werden benötigt


Berlin/Mailand/Washington - Um die Ebola-Epidemie in Westafrika aufzuhalten, mangelt es nach wie vor an einem: Helfern. Jetzt haben die Bundesärztekammer und andere Ärzteverbände deutsche Mediziner dazu aufgerufen, den Kampf gegen das Virus in den betroffenen Regionen zu unterstützen. Gesucht würden Ärzte, die tropentauglich seien, ausreichend Erfahrung hätten und über genügend Englischkenntnisse für den Einsatz und die Ausbildung einheimischer Helfer verfügten.

In dem Aufruf der ärztlichen Spitzenverbände vom Freitag heißt es, freiwillige Helfer könnten sich unter anderem beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) melden. Laut DRK-Sprecher Dieter Schütz haben vor dem jüngsten Aufruf etwa 450 Bewerber ihr Interesse bekundet. 162 seien für den Einsatz geeignet, 70 von ihnen seien Ärzte.

Die Helfer erhalten einen Vorbereitungskurs in Deutschland und sollen später vier Wochen lang in einem Krankenhaus der Bundeswehr in Liberia und einem Behandlungszentrum in Sierra Leone arbeiten. "Wir werden aber noch viel mehr Helfer brauchen", sagte Schütz. Die ärztlichen Verbände forderten zudem die Politik auf, eine ausreichende Absicherung für die Helfer sicherzustellen, darunter Lebens- und Haftpflichtversicherung sowie eine Versorgungsgarantie im Krankheitsfall.

Ärzte ohne Grenzen hat bisher 25 deutsche Helfer in die Ebola-Gebiete entsandt, darunter 10 Ärzte. Es sei beeindruckend, wie viele Mediziner sich meldeten, sagte eine Sprecherin. Jedoch würde Ärzte ohne Grenzen zurzeit nur Personal mit Ebola-Erfahrung nach Westafrika schicken.

Fotostrecke

16  Bilder
Ebola: Die Gesichter der Überlebenden
WHO meldet 4546 Todesfälle

Auf dem Europa-Asien-Gipfel in Mailand haben die Teilnehmer ebenfalls zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Epidemie aufgerufen. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Ebolavirus als "ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt" bezeichnet. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte bei dem Spitzentreffen, die Epidemie könne zu einer "schwerwiegenden humanitären Katastrophe" werden. Das Virus sei "nicht nur ein Problem einiger westafrikanischer Staaten".

Den neuesten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone bisher offiziell 9191 Ebola-Fälle aufgetreten, davon sind 4546 Menschen gestorben. Die Dunkelziffer ist hoch.

In Deutschland dringt der Bundestag auf weitere Hilfen für die betroffenen Staaten Westafrikas. Das Parlament forderte die Bundesregierung auf, Aufklärungs- und Hygienekampagnen in Afrika zu fördern. Außerdem soll untersucht werden, ob Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes gegen Ebola unterstützen und weitere Flugkapazitäten für den Transport von Geräten, Medikamenten und medizinischem Personal zur Verfügung stellen kann.

Einem Experten zufolge sind derzeit nur zehn der insgesamt etwa 50 Betten für Ebola-Patienten in deutschen Sonderisolierstationen gleichzeitig einsetzbar. Es könne maximal ein Fünftel der Patienten zur selben Zeit behandelt werden, sagte der Tropenmediziner August Stich (Würzburg) der Nachrichtenagentur dpa. Es sei aus personellen Gründen nicht möglich, dass "alle sieben Behandlungszentren auf Volldampf laufen und voll belegt sind". Stich ist Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND
Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums betonte jedoch, die Bundesländer hätten dem Ministerium 47 Spezial-Betten gemeldet. "Das ist die Zahl der insgesamt verfügbaren Betten, die im Bedarfsfall sehr schnell einsatzfähig sind." Die Sprecherin betonte: "Wir sind im internationalen Vergleich sehr, sehr gut aufgestellt."

In den USA greift die Angst vor einer Ausbreitung des Ebolavirus derweil weiter um sich. Nachdem eine infizierte Krankenschwester per Flugzeug nach Cleveland und wieder zurück gereist war, wurden in Texas und Ohio vorsorglich einige Schulen geschlossen. Der Grund: Lehrer oder Eltern von Schülern hatten in derselben Maschine gesessen.

Die Krankenschwester ist eine von zwei, die den inzwischen verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan in einem Krankenhaus in Dallas behandelt und sich dabei angesteckt hatten. Insgesamt 16 Personen aus Ohio, die mit der Krankenschwester Kontakt hatten, stehen nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden unter Beobachtung. Eine davon wurde demnach unter Quarantäne gestellt. Acht weitere Personen aus dem Flugzeug werden ebenfalls beobachtet.

Ebola-Angst auf Karibik-Schiff

Auch auf einem US-Kreuzfahrtschiff, das von Dallas aus nach Belize gestartet war, brach Ebola-Panik aus: Eine weitere Mitarbeiterin der Klinik in Texas, auf der Duncan lag, befand sich auf dem Schiff und wurde am Freitag unter Quarantäne gestellt. Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) könnte sie im Labor mit Körperflüssigkeiten von Duncan in Kontakt gekommen sein.

Die Frau zeigte allerdings keine Symptome und hätte demnach zuletzt vor 19 Tagen mit Blutproben des Patienten hantieren können. Die Inkubationszeit von Ebola beträgt in der Regel bis zu 21 Tage, ein Ausbruch der Krankheit wird mit zunehmender Zeit unwahrscheinlicher. Die CDC gehe von einem "sehr geringen Risiko" aus, teilte das Kreuzfahrtunternehmen mit. Das Außenministerium in Washington arbeitete nach eigenen Angaben mit Carnival Cruise daran, die Urlauber "sicher in die USA zurückzubringen".

US-Präsident Barack Obama hat US-Medien zufolge unterdessen einen Ebola-Beauftragten für den Kampf gegen die Seuche ernannt. Es handelt sich demnach um Ron Klain, den ehemaligen Stabschef von Vize-Präsident Joe Biden. Klain solle die Arbeit der Regierung und Gesundheitsbehörden koordinieren. Zuvor hatte Obama Einreiseverbote für Menschen aus den Krisenländern abgelehnt. Eine solche Maßnahme sei weniger effektiv als Tests an US-Flughäfen bei Reisenden aus Westafrika, sagte der Präsident.

In Spanien traten am Freitag keine neuen Ebola-Fälle auf. Bei vier Patienten, die am Vortag in Madrid und auf Teneriffa mit Verdacht auf Ebola-Infektionen in Isolierstationen von Krankenhäusern eingeliefert worden waren, ergaben erste Tests negative Befunde. Dies gab Spaniens Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría in Madrid bekannt. Damit gibt es in Spanien weiterhin nur den einen Ebola-Fall der Madrider Pflegehelferin. Der Zustand der 44-Jährigen hat sich nach Angaben der Ärzte weiter gebessert.

cib/dpa/AFP/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bjuv 17.10.2014
1. Richtig: Nicht die Betten, sondern die notwendige Personalstärke
wird das Riesenproblem, sollten hier mehr als 5 Patienten behandelt werden müssen. Denn es gibt zahlreiche Pfleger/Ärzte, die lieber gekündigt würden, als sich der AG-Weisung folgend in die Nähe eines Ebola-Verdachtsfallls zu begeben. Das gilt nach meiner Erfahrung auch für Rettungsdienst- und Feuerwehrpersonal. - aus Schutz der eigenen Familie. In unserer Klinik stieg bei zunehmender Zahl von Schweinegrippenpatienten auch die Zahl der Krankmeldungen rasant, v a von Eltern mit Kleinkindern.
karend 17.10.2014
2.
Ein US-Kreuzfahrtschiff, das von Dallas aus startet? Von Dallas? Wie dem auch sei, hoffentlich kam die Mitarbeiterin nicht mit Körperflüssigkeiten in Kontakt (wie, keine Sicherheitsmaßnahmen??) und die Panik ist unbegründet.
robbyy 17.10.2014
3. Nur Versprechungen!!
Wer weiß, wie verletzte und traumatisierte Soldaten und Polizisten jahrelang um die Anerkennung ihrer Krankheit bis vor die Verwaltungsgerichte zu kämpfen haben, der kann jedem nur von solch einem Einsatz abraten. Ich würd mich gerne eines Besseren belehren lassen, aber von haltlosen Versprechungen lass ich mich nicht mehr einlullen.....
spon-facebook-10000084939 17.10.2014
4.
haftpflicht und lebensversicherung? unterstützung vom staat? das ich lache, die werden hundertprozentig im falle im stich gelassen. es wäre ja nicht das erste mal das deutsche staatsbürger alleingelassen werden. man schaue sich deutsche soldaten an. post traumatische erfahrungen, radarstrahlung erkrankung, etc etc
dröhnbüdel 17.10.2014
5. Wie die Oest im Mittelalter
Die Ausbreitung des Ebola-Visrus erinnert mich an die Pest im Mittelalter, als die Seuche ganze Städte und Landstriche entvölkerte. Allerdings mit dem Unterschied, dass nur wenige Pest-Infizierter die Krankheit überlebten, während es bei Ebola eine Chance von etwa 60 zu 40 zu geben scheint. Etwa jeder Dritte Infizierte kann hat also eine"statistische" Überlebenschance. Wie aber kam es immer wieder zum Erlöschen der Pest-Epidemien, obwohl sich die hygienischen Verhältnisse und die medizinische Versorgung kaum verbesser hatten? Da werde ich mich gleich mal bei Wikipedia schlauer machen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.