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Behandlung Infizierter in den USA: Die Ebola-Angst geht um

Ebola-Epidemie: Infizierter Arzt in den USA angekommen Fotos
AFP

Der amerikanische Arzt Kent Brantley hat sich im Kampf gegen Ebola in Liberia infiziert. Jetzt wird er in seiner Heimat behandelt - dort geht die Angst vor Ansteckung um.

Atlanta/Lagos - Zuerst war es nur einer. Quasi der Patient null in den USA. Der steckte erst ein paar, dann immer mehr andere an. Diese infizierten weitere und zum Schluss waren es Tausende - und zwar keine Ebola-Infizierten, sondern Angst-Infizierte. Denn mit der Krankheit wurde in den USA noch niemand angesteckt, wohl aber mit der Angst vor Ebola.

Obwohl Experten die Infektionsgefahr als gering einstufen, blühen in sozialen Netzwerken die Angst und die Verschwörungstheorien. Milliardär Donald Trump twitterte, dass es die Inkompetenz der US-Führung zeige, wenn Ebola-Patienten ins Land gebracht würden. Trump warnte vor einer Seuchenwelle. "Lasst sie draußen!", forderte er.

"Ich möchte niemanden mit Ebola nahe den USA haben", twitterte eine besorgte Frau. "Die beiden dürfen nur verbrannt und in einer versiegelten Urne in dieses Land zurückkommen. Punkt!", schrieb ein anderer. "Die beiden", das sind Kent Brantly und Nancy Writebol: ein Arzt und eine Missionarin, die in Afrika für eine Hilfsorganisation gearbeitet haben. Beide haben sich mit Ebola infiziert, der Krankheit, der in Westafrika in den vergangenen Wochen schon mehr als 700 Menschen zum Opfer fielen.

"Speziell eingerichtete Hochisolierstation" in Atlanta

Am Samstag traf Kent Brantly in der Universitätsklinik Emory in Atlanta ein. Nach seinem Transport machte sich das mit nur einer Isolationskammer ausgerüstete Flugzeug wieder auf den Weg nach Liberia, um die 59-jährige Nancy Writebol zu holen. Der 33-jährige Arzt sei in der Klinik bereits von seiner Frau besucht worden, mit der er - getrennt durch eine Glaswand - 45 Minuten sprechen konnte, hieß es bei CNN.

Der leitende Arzt der Universitätsklinik, Bruce Ribner, nannte den Gesundheitszustand beider Patienten "stabil". Er versicherte, dass alle nötigen Maßnahmen getroffen worden seien, um eine Ausbreitung der gefährlichen Krankheit in den USA zu verhindern. "Wir verfügen über eine speziell eingerichtete Hochisolierstation", zudem sei das Personal sehr gut ausgebildet und wisse, wie man sich verhalten müsse, um die hohen Anforderungen an die Isolation der Infizierten sicherzustellen.

Solche Versicherungen beruhigen viele US-Amerikaner nicht. Dabei sind ausgerechnet jene, die die Kranken betreuen und die Menschen beruhigen sollen, die größte Zielscheibe der Kritik: die Gesundheitsbehörde CDC. "Ebola aus Afrika? Ich glaube, es kommt aus dem CDC-Labor", behauptet "Lalava1" im Netz. "Stacy" glaubt zwar, dass Ebola aus Afrika kommt, dass die CDC die Kranken aber nur einfliege, um ihre Isolierstation zu testen.

"Sie verdienen die beste medizinische Betreuung"

Das Vertrauen in die CDC ist nicht mehr ganz felsenfest, seit CNN von allzu sorglosem Umgang der Wissenschaftler mit ansteckendem Material berichtete. So soll eine Vogelgrippeprobe mit nur minimalem Schutz transportiert worden sein, und einige Forscher bewahrten demnach gefährliches Material in Ziploc-Tüten auf. Das sind die Plastikbeutel, die man oben zudrücken kann - sehr praktisch für ein Butterbrot, unpassend für tödliches Material.

Präsident Barack Obama selbst umgab sich am Wochenende auf einem Gipfel in Washington mit Dutzenden afrikanischen Staatschefs, die gerade eingeflogen waren. Es bestehe keine Gefahr, beteuerte der Präsident.

Am sachlichsten sehen es noch die Experten selbst: "Ich werde einer der wenigen sein, die mit den beiden Kranken direkten Kontakt haben werden", sagte der Virologe Ribner. "Und ich mache mir keine Sorgen um meine Gesundheit oder die unseres medizinischen Personals." CDC-Direktor Tom Frieden sah schlicht eine Verantwortung: "Das sind zwei Amerikaner, die rübergeflogen sind, um Ebola-Patienten zu helfen. Sie verdienen die beste medizinische Betreuung, die sie bekommen können."

Chris Melzer/dpa/abl

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Es wäre mal interessant endlich zu erfahren,
Na Sigoreng 03.08.2014
wie sich der Arzt angesteckt hat! War er zu sorglos? Oder gibt es evtl. noch andere Wege, ausser den bekannten, sich anzustecken?
2. Die Situation ist brutal
Isegrim1949 03.08.2014
Natürlich ist es wichtig einzelne infizierte Helfer in Isoliestationen zu behandeln, auch um eventuell doch noch eine wirksame Therapie zu finden. Aber für die Masse der in Afrika erkrankten wird es wohl nur die mittelalterliche Methode der Isolation geben. Das bedeutet, dass die betroffenen Landstriche so lange isoliert werden müssen, bis die Epedemie abgeebbt ist. Was soll man anderes tun wenn es kei wirksames Medikament gibt ?
3.
7eggert 03.08.2014
Zitat von sysopAFPDer amerikanische Arzt Kent Brantley hat sich im Kampf gegen Ebola in Liberia infiziert. Jetzt wird er in seiner Heimat behandelt - dort geht die Angst vor Ansteckung um. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-angst-vor-infizierung-in-usa-a-984227.html
Als ob es in dem Land, wo er sich angesteckt hat, keine Ebola-Behandlung gäbe ... Was kann man denn bei Ebola machen? Quarantäne, antivirale Mittel ... gibt es da was, was in den USA besser hilft?
4. Ganz ehrlich?
reever_de 03.08.2014
Ich möchte auch kein Krankenhaus mit Hochsicherheits-Isolierstation in meiner Nähe haben, muss ich ganz ehrlich sagen. Keime toben in deutschen Krankenhäusern munter durch ganze Stationen oder lassen sich gar nicht mehr unter Kontrolle kriegen (multiresistene Keime). Und dann wird erzählt, "kein Problem, das machen wir schon, die Bevölkerung muss keine Angst haben". Das war kürzlich auf SPON zu lesen zum Thema. Nein, es tut mir leid für Betroffene, aber meine Gesundheit und die meiner Familie wäre mir klar wichtiger. Ich würde daher die Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland und in meiner unmittelbaren Nähe klar ablehnen, sorry.
5. Bitte
stefanmller800 03.08.2014
Zitat von reever_deIch möchte auch kein Krankenhaus mit Hochsicherheits-Isolierstation in meiner Nähe haben, muss ich ganz ehrlich sagen. Keime toben in deutschen Krankenhäusern munter durch ganze Stationen oder lassen sich gar nicht mehr unter Kontrolle kriegen (multiresistene Keime). Und dann wird erzählt, "kein Problem, das machen wir schon, die Bevölkerung muss keine Angst haben". Das war kürzlich auf SPON zu lesen zum Thema. Nein, es tut mir leid für Betroffene, aber meine Gesundheit und die meiner Familie wäre mir klar wichtiger. Ich würde daher die Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland und in meiner unmittelbaren Nähe klar ablehnen, sorry.
Sie vergleichen Keime mit nem Ebola Virus, der nur mit direktem Kontakt schädlich ist. Das ganze unter extremen Sicherheitsbedingungen.. die Grefahr ist null. Trumpp hat mal beweisen, dass er echt nicht der hellste ist und naja, es gibt halt in den USAauch so recht viele Deppen, die keine Ahnung haben.
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Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.


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