Radio-Aufklärung in Westafrika Ebola-Warnung in der Sprache der Kru

Um mehr Menschen in Liberia über Ebola zu informieren, senden Radiostationen jetzt Beiträge in den Sprachen der verschiedenen Ethnien. Mit 250 medizinischen Helfern unterstützt Kuba den Kampf gegen die Seuche. Der Kampf gegen Ebola im Überblick.

Wesley Wudea hört Ebola-Nachrichten im Radio: 44 liberianische Sender geben Informationen in den Stammessprachen heraus
AFP

Wesley Wudea hört Ebola-Nachrichten im Radio: 44 liberianische Sender geben Informationen in den Stammessprachen heraus


Wesley Wudea presst sein Radiogerät ans Ohr und bringt seine Enkel zum Schweigen: Die örtliche Radiostation sendet Ebola-Informationen auf Bassa, der Sprache seines Volkes, und der 61-Jährige Liberianer will keine Minute verpassen. Offiziell wird in seinem Land, in Sierra Leone und in Guinea Englisch oder Französisch gesprochen. Doch die Lokalsprachen sind im Kampf gegen die Seuche unverzichtbar. Von vier Millionen Liberianern verstehen Schätzungen zufolge nur etwa 20 Prozent Englisch. Die große Mehrheit kommuniziert in einer von rund 30 Sprachen der Minderheiten.

Allein in Liberia strahlen 44 lokale Sender Ebola-Informationen in den Sprachen der verschiedenen Ethnien aus. "Die Leute verstehen die englischen Worte meist nicht, die die Radiosender benutzen", sagt der pensionierte Lehrer Wudea in Saint John, einem Dorf nahe dem Hafen Buchanan im Süden des Landes. "Ohne das Programm in den Landessprachen hätten sie nicht verstanden, welche Vorsichtsmaßnahmen gegen Ebola getroffen werden müssen", betont er in gebrochenem Englisch.

"Endlich verstehen die Hörer die Informationen"

Dank des Radiosenders Gbehzohn brachte Wudea seine Kinder und Enkelkinder dazu, sich häufig die Hände zu waschen. Auch die Dorfbewohner wüssten inzwischen über Maßnahmen gegen Ebola Bescheid, etwa dass der Körperkontakt mit Kranken oder Toten vermieden werden muss, sagt Wudea. Deshalb seien jahrhundertealte soziale Praktiken wie Händeschütteln oder das Berühren der Toten bei Beisetzungen bedroht: "Händeschütteln ist Teil unserer Tradition. Wir können es nun nicht tun wegen Ebola, das ist schwierig zu akzeptieren, aber das müssen wir."

Nach Darstellung von Programmdirektor Isaac Siegal verdoppelte Radio Gbehzohn seit Beginn der Epidemie seine Sendezeit auf Bassa, das von einigen hunderttausend Mitgliedern des Kru-Volkes gesprochen wird. "Immer wieder bedanken sich unsere Zuhörer, weil sie die Informationen endlich verstehen können", sagt Siegal. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) pries die "Schlüsselrolle", die Liberias Sender in der öffentlichen Gesundheitserziehung einnehmen.

In Sierra Leone startete Radio MOA in Kailahun eine Kampagne gegen Gerüchte und Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Seuche. Im September hatten Dorfbewohner im Süden Guineas acht Ebola-Aufklärer getötet, darunter drei Radiojournalisten. Die Täter waren überzeugt, die Epidemie sei eine Verschwörung der Weißen gegen die schwarze Bevölkerung.

250 kubanische Helfer in Westafrika

Laut den aktuellsten Angaben der WHO haben sich bislang insgesamt 13.567 Menschen in acht Ländern mit Ebola infiziert, 4951 sind gestorben. Die Dunkelziffer liegt aber deutlich höher. Liberia ist mit 6535 bestätigten Fällen am schlimmsten betroffen. Frankreich nahm am Sonntag eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen auf einer Isolierstation in einem Pariser Krankenhaus auf, nachdem sich die Krankenschwester in Liberia infiziert hatte.

Bei den Hilfsmaßnahmen aus dem Ausland tut sich Kuba mit großzügiger Unterstützung hervor: Die kleine Karibikinsel stemmt einen wichtigen Teil der internationalen Hilfe. Über 250 medizinische Helfer hat das Land bereits nach Westafrika gesendet, Dutzende sollen folgen.

Die Hilfe für arme Brüderländer in Not hat Tradition in dem sozialistischen Staat, der ansonsten vor allem mit der Verfolgung von Oppositionellen Schlagzeilen macht. Nur wenige Länder sind in der Lage, so schnell auf den Hilferuf aus Afrika zu reagieren. "Kuba hat eine Tradition von über 50 Jahren mit seiner Arbeit in Afrika", erklärte der Vertreter des Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation (WHO), José Luis Di Fabio. Auch in Lateinamerika sei Kuba seit Langem für seine medizinische Entwicklungshilfe bekannt.

Es sind stolze Zahlen, die Staatschef Raúl Castro in Havanna Mitte Oktober präsentiert. Sein Land habe zurzeit mehr als 4000 Helfer in 32 afrikanischen Ländern, sagte er. Seit der Revolution von 1959 seien insgesamt 76.000 Helfer in diese Region geschickt worden.

Die Kubaner können dabei aus dem Vollen schöpfen: Nach eigenen Angaben verfügten die rund 11 Millionen Einwohner des Landes dieses Jahr über mehr als 580.000 Mediziner - weitere 50.000 sollen im Ausland tätig sein. Vor Ort profitieren diese von einer langjährigen Erfahrung. Und zu Hause verfügt der Karibikstaat über ein straff organisiertes Gesundheitswesen, das trotz Wirtschaftsmisere als eins der besten in der Region gilt.

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60

BIC: BYLADEM1001

Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22

BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

IBAN: DE26 2106 0237 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00

BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

hei/AFP/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
aramcoy 02.11.2014
1. Translators without Borders
Es gibt eine ganze Menge was im Hintergrund abläuft. So sind z. B. unzählige Übersetzer schon seit Monaten beschäftigt, um die erforderlichen Texts in die lokalen Sprachen zu übersetzen. Auch wenn sie nicht im Rampenlicht stehen, leisten sie doch einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Ebola. Mehr Informationen, leider nur in Englisch http://alexandria-translation-resources.com/translators-in-the-fight-against-ebola/
lemmy 02.11.2014
2. Kuba
Die Kubaner zeigen den übrigen Nationen dieser Welt wie es geht. Unglaublich und bewundernswert wie schnell und umfangreich von dort konkrete und sinnvolle Hilfe kam. Da können sich alle anderen eine Scheibe von abschneiden. Des weiteren frage ich mich, wieso erst jetzt jemand auf die Idee gekommen ist, wichtige Informationen auch in Landessprache verbreiten zu lassen ? Hat das vorher keiner gewusst, dass 80% der Bevölkerung weder englisch noch französisch kann ? Unfassbar.
dunnhaupt 02.11.2014
3. Wo bleibt Putin?
Habe bisher nichts vernommen, dass Russland eine Hilfsaktion unternommen hat.
lillykatze 02.11.2014
4.
@dunnhaupt Panorama Ebola-Forschungen: Russland schickt Virologen-Gruppe nach Afrika "http://de.ria.ru/society/20140820/269346262.html" Ebola-Impfstoff in Russland fast fertig - Vizepremierin "http://german.ruvr.ru/news/2014_10_13/Ebola-Impfstoff-in-Russland-fast-fertig-Vizepremierin-7219/"
1lauto 02.11.2014
5. cuba hat viele Ärzte aber niemals 580.000
0.64 % aller Cubaner sind Aerzte/innen das sind also höchstens 70.000 und davon werden auch kaum 50000 im Ausland weilen.
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