Einsatz beim Deutschen Roten Kreuz 117 Freiwillige für den Kampf gegen Ebola

Aus 350 Bewerbern hat das Deutsche Rote Kreuz 117 Helfer für den Kampf gegen Ebola in Sierra Leone und Liberia ausgewählt. Gesundheitsminister Gröhe appellierte an die Deutschen, sich freiwillig für Hilfseinsätze zu melden.

Bestattung eines Ebola-Opfers in Sierra Leone: Helfer dringend gesucht
AFP

Bestattung eines Ebola-Opfers in Sierra Leone: Helfer dringend gesucht


Berlin - Dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) stehen bislang 117 freiwillige Helfer zur Ebola-Bekämpfung in Westafrika zur Verfügung. Aus rund 1600 Meldungen und 350 konkreten Bewerbungen seien diese für geeignet befunden worden, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Angaben der Hilfsorganisation. Unter ihnen seien 43 Ärzte.

Das DRK sucht seit Ende September für den Betrieb eines Krankenhauses und einer Behandlungsstation im westafrikanischen Krisengebiet Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, aber auch Hebammen, Physiotherapeuten, Pharmazeuten, Labortechniker und Röntgenfachkräfte.

Die Behandlungsstation soll laut DRK in Kenema in Sierra Leone aufgebaut werden. Zudem soll geprüft werden, ob in Liberia mit Unterstützung der Bundeswehr ein mobiles Krankenhaus errichtet werden kann. Am Donnerstag waren dem DRK zufolge zur Vorbereitung der Hilfen zwei Erkundungsteams in Sierra Leone und Liberia eingetroffen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) appellierte an die Deutschen, sich weiterhin für einen Hilfseinsatz zu melden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der Krisenregion bislang mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. "Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt. Jetzt beginnt die Aufholjagd", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der "Bild am Sonntag".

David Nabarro, Uno-Koordinator zur Bekämpfung der Ebola-Krise, hofft, dass diese binnen drei Monaten unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Zahl der Infizierten steige derzeit noch exponentiell. In den betroffenen Gebieten steige das Bewusstsein, wie mit der Krankheit umzugehen sei. Die Menschen begriffen nun, dass die Ausbreitung am besten gestoppt werden könne, wenn man Infizierte isoliere, sagte Nabarro der BBC. Er bezeichnete es als erreichbares Ziel, die Ausbreitung in den nächsten drei Monaten unter Kontrolle zu bekommen - die Zahl der neuen Fälle solle jede Woche sinken, bis es keine weiteren Ansteckungen gibt.

Einheimische Helfer werden sozial isoliert und vertrieben

In den betroffenen Staaten - insbesondere Liberia, Sierra Leone und Guinea - mangelt es an Helfern und medizinischer Ausrüstung. In Liberia etwa gibt es laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 620 Plätze, um Ebola-Patienten zu behandeln - es müssten fast 3000 sein. In dem Land sind bislang mehr als 2300 Menschen an Ebola gestorben.

Misstrauen und Vorurteile in der Bevölkerung erschweren die Arbeit der einheimischen Helfer zusätzlich. Ärzte, Krankenschwestern und Leichenbestatter werden sozial isoliert und vertrieben. Viele Verwandte und Freunde meiden den Kontakt - aus Sorge, sich zu infizieren. Hausbesitzer werfen Menschen, die in Kliniken arbeiten oder Ebola-Tote bergen und bestatten, aus ihren Wohnungen.

Helfer rauszuwerfen sei "völlig inakzeptabel und unpatriotisch", sagt der stellvertretende Informationsminister Isaac Jackson. "Die Regierung wird das nicht hinnehmen." Warnungen der Behörden vor Strafverfolgung verhallen jedoch ungehört. Die Gemeindeführung in der Stadt Sinyea stellte Helfer kürzlich vor die Wahl: den Job aufgeben oder den Ort verlassen.

In Lofa im Norden des Landes werden Ärzte und Begräbnisteams immer wieder bedroht und weggejagt. Trotz Aufklärungskampagnen halte sich in der ländlichen Region hartnäckig das Gerücht, dass die Ebola-Epidemie durch Gesundheitspersonal ausgelöst wurde, sagt ein Helfer aus Lofa. "Die Bewohner glauben, dass die Helfer böse Absichten haben, dass sie herkommen, um die Menschen mit der Krankheit zu infizieren."

Inzwischen verheimlichen viele Menschen, dass sie im Gesundheitsbereich arbeiten. "Die Öffentlichkeit sollte uns nicht stigmatisieren. Denn wenn sich niemand freiwillig meldet, wer soll dann Ebola bekämpfen? Wer soll die Leute behandeln, die uns jetzt zurückstoßen, falls sie sich infizieren?", sagt ein Betroffener.

ulz/dpa/AFP

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
doskey 12.10.2014
1. sehr interessant...
Die Menschen sollen sich freiwillig melden, koennen im Notfall aber nicht evakuiert werden (vgl. vorherige Meldungen). Unter diesen Bedingungen ein wahres Wunder, dass sie ueberhaupt jemand gefunden haben, der sich das antun will.
Harveyffm 12.10.2014
2. Ich verstehe nicht
warum sich genügend Ärzte zum Kampf gegen Ebola gefunden werden, aber weiterhin nicht genug Ärzte da sind, die auf dem Land Arztpraxen übernehmen.
rob_roy99 12.10.2014
3. warum wohl...
hallo Harvey... einfach mal recherieren was ein Allgemeinmediziner auf dem Land verdient und was die freiwilligen Helfer bekommen... aber über manche Fakten wird wenig berichtet, weil es die ach so schönen edlen Bilder ein wenig verblassen last.
der-denker 12.10.2014
4. Wo hapert es?
Natürlich muss Deutschland in einer konkreten Notlage wirksam helfen. Aber die selbstgefälligen Moralpredigten die bestimmte Kommentatoren reflexartig gegen den "Westen" oder angeblich mitleidlose Mitbürger ablassen sind langfristig auch nicht gerade zielführend. Der scheinbaren Philanthropie liegt oft eine gewisse Überheblichkeit zugrunde: "Wir" können alles wenn wir nur wollen, "Die" können gar nix, und zwar für alle Zeit. Die betroffenen Staaten und vor allem die dortigen "Eliten" (die die Länder wie die Schweiz mit ihren zusammengerafften Vermögen mästen) hätten sicher die Ressourcen um eine temporäre Katatstrophe zu bewältigen. Dass Mentalität und Bildung in so desaströsem Zustand sind würde ich auch primär den Menschen die dort leben selbst zuschreiben. Der richtige, längerfristige Ansatz wäre es Good Governance und das Komplizentum der Geschäftemacher hier, mal ernsthaft zu adressieren.
eleria 12.10.2014
5. So ein Quatsch,
Die Freiwilligen bekommen eine nur geringe Aufwandtsentschädigung gemessen an dem Risiko, dass sie eingehen. Darüber hinaus kenne ich viele Ärzte, die wirklich helfen wollen und Andere, die mal aus der Routine rauswollen. Alles allerdings auf Zeit- wohlgemerkt. Das Argument eines anderen Kommentators, es gäbe nicht genug Hausärzte, ist Quatsch: das ist eine Lebensentscheidung!!!
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