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Westafrika: Liberia meldet drei neue Ebola-Fälle

Verdacht auf Ebola (Archivbild): Derzeit stehen in Liberia 153 Personen unter Beobachtung Zur Großansicht
AFP

Verdacht auf Ebola (Archivbild): Derzeit stehen in Liberia 153 Personen unter Beobachtung

Zunächst war die Rede von einem neuen Fall, nun sind es bereits drei. In Liberia sind ein Junge und zwei seiner Verwandten an Ebola erkrankt. Das Land hatte zuvor als frei von dem Virus gegolten.

Im westafrikanischen Liberia gibt es drei neue Fälle der Ebola-Seuche. 153 Kontaktpersonen seien identifiziert worden und stünden unter Beobachtung, berichtet der zuständige Mediziner, Francis Kateh. Damit will das Land einen größeren Ausbruch der Krankheit verhindern.

Der erste neue Patient ist den Angaben zufolge ein fünfzehnjähriger Junge aus einem Vorort im Osten der Hauptstadt Monrovia (zunächst war die Rede von einem Zehnjährigen). Zwei weitere Familienmitglieder wurden daraufhin positiv getestet und ins Krankenhaus eingewiesen.

Bislang ist unklar, wo sich der Junge angesteckt hat. Eine Übertragung aus einem Nachbarland scheint unwahrscheinlich. Zwar grassierte das Virus auch in Guinea und Sierra Leone, derzeit sind dort aber keine Fälle bekannt. Sierra Leone gilt offiziell als Ebola-frei, nachdem es 42 Tage keine Neuinfektionen mehr gab. Seit Anfang November macht online ein "Bye Bye Ebola"-Freudenvideo aus dem Staat die Runde. Theoretisch wäre denkbar, dass ein infiziertes Tier das Virus erneut unter Menschen bringt.

Sierra Leone feiert: "Bye Bye Ebola"

Zwei Mal wurde auch Liberia zuvor von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Ebola-frei erklärt, zuletzt Anfang September. Derzeit gehen Experten davon aus, dass die vorangegangenen Neuinfektionen sexuell übertragen worden waren. Ebolaviren oder Bestandteile von ihnen können offenbar mindestens neun Monate unbemerkt im Sperma enthalten bleiben, berichteten Forscher kürzlich. Auch im Auge wurden nach einer eigentlich geheilten Infektion bei einzelnen Patienten noch Viren nachgewiesen.

Kritik an WHO

Derweil hat sich ein Expertengremium vom Harvard's Global Health Institute (HGHI) und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) mit dem Krisenmanagement nach Ausbruch des Virus beschäftigt. "Der größte Fehler lag darin, dass die WHO den internationalen Gesundheitsnotfall erst spät ausgerufen hat", sagt Ashish Jha vom HGHI.

Mitarbeitern der WHO sei bereits im Frühjahr 2014 bekannt gewesen, dass der Ebola-Ausbruch in Westafrika außer Kontrolle geriet. Dennoch hatte es bis August gedauert, bis der internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen wurde. In einem Zehn-Punkte-Plan fordern die Fachleute unter anderem, in Krankenhäusern Kernkapazitäten für Krankheitsausbrüche zu schaffen. Zudem müsse es Anreize geben, Krankheitsausbrüche künftig frühzeitig zu melden.

Ebola wird über Körperflüssigkeiten übertragen, ist hoch ansteckend und oft tödlich. Mehr als 4800 Menschen starben allein in Liberia an dem Virus. Insgesamt sind seit Ausbruch der Seuche in Liberia, Guinea und Sierra Leone mehr als 28.100 Menschen erkrankt, mehr als 11.300 starben. Viele Überlebende kämpfen langfristig mit den Folgen der Erkrankung, die sowieso armen Staaten belastet auch der wirtschaftliche Schaden, der durch die Epidemie entstanden ist.

jme/Reuters

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