Gefahr für andere Kontinente Ebola-Entdecker befürchtet Ausweitung der Seuche

Greift die Ebola-Seuche von Afrika auf andere Kontinente über? Der belgische Entdecker des Virus befürchtet das. Dem SPIEGEL sagte Peter Piot: "Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass es so schlimm kommen könnte."

Einsatz gegen Ebola in Liberia: "Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie"
REUTERS

Einsatz gegen Ebola in Liberia: "Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie"


Hamburg - Der Entdecker des Ebola-Virus, der belgische Infektionsmediziner Peter Piot, befürchtet, dass sich die in Westafrika wütende Ebola-Epidemie auf weitere Kontinente ausdehnen könnte. Es müsse sich nur einer der vielen Inder, die in Westafrika leben, infizieren, während der Inkubationszeit Verwandte in Indien besuchen und diese dann anstecken. "Auch in Indien tragen Ärzte und Krankenschwestern oft keine Schutzhandschuhe. Sie würden sich sofort anstecken und das Virus verbreiten", warnt Piot im SPIEGEL-Gespräch.

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Heft 39/2014
Die entfesselte Seuche

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Auch nach Europa kämen mit Sicherheit Ebola-Kranke aus Afrika, die auf Behandlung hofften. Möglicherweise würden sich dadurch auch einige Europäer mit Ebola infizieren und sterben. Doch in Europa und Nordamerika könne ein solcher Ausbruch schnell wieder eingedämmt werden, ist Piot überzeugt. In Afrika hingegen könne die Epidemie eine ganze Region destabilisieren.

"Und uns allen muss klar werden: Dies ist nicht mehr nur eine Epidemie, sondern eine humanitäre Katastrophe", so Piot im SPIEGEL-Gespräch. "Ich kann nur hoffen, dass wir es schaffen werden, sie in den Griff zu bekommen. Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass es so schlimm kommen könnte."

Die Bundesregierung gab mittlerweile Details zu einer gemeinsam mit Frankreich geplanten Luftbrücke in Westafrika bekannt. Demnach soll die Bundeswehr in den nächsten Tagen mit zwei Transall-Maschinen vom Senegal aus Versorgungsflüge in die drei besonders betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone starten.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind bis zu hundert Soldatinnen und Soldaten für den Aufbau der Luftbrücke und den Betrieb eines Stützpunktes in der Region vorgesehen. Die Bundesregierung wolle außerdem das Deutsche Rote Kreuz finanziell und logistisch dabei unterstützen, ein mobiles Krankenhaus mit mehr als 200 Betten aufzubauen und zu betreiben. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Bundeswehr eine Krankenstation für mehr als 50 stationäre Patienten liefern soll.

Über die Luftbrücke hinaus soll die Finanzhilfe aus Deutschland um mehr als 15 Millionen Euro aufgestockt werden. Die Bundesregierung hatte bislang etwa 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind derzeit sieben deutsche Labor-Experten vom Robert Koch-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in den besonders betroffenen Staaten Liberia und Guinea.


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dab/dpa

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
dr_bernd_schramm 21.09.2014
1. Die Bundesregierung ist zurückgeblieben
Bei einer Verdopplungsgeschwindigkeit der Infizierten von drei Wochen sollte einem klar sein, dass auch die Behandlungskosten sich alle drei Wochen verdoppeln (unter der optimistischen Annahme, einer konstanten Ausbreitungsgeschwindigkeit). Die angenommenen Kosten von einer Milljarde Dollar stellt sicher nur den unteren Rand einer Schätzung dar- nach oben offen. Die Hoffnung der Amerikaner sie können jede Woche bis zu 500 Pflegekräfte vor Ort im Umgang mit der Seuche schulen kann nur von einem bekifften Präsidenten stammen. Diese Quantitäten gibt es dort nicht. Man muss JETZT medizinischer Personal aus dem Ausland anwerben und dort zum Einsatz bringen. Dabei dürfen Kostenüberlegungen keine Rolle spielen. Das was die Bundesregierung macht ist unterdimensioniert.
Brathering 21.09.2014
2. Positive Wirkung auf den Westen
Die Gefahr einer solchen Seuche führt den Menschen eindringlich vor Augen, dass es Viren gibt und das Impfungen nicht aus Jux und Tollerei durchgeführt werden. Ich hoffe, dass solche Vorfälle einen Denkprozess bei Virenleugnern und Impfgegnern auslösen.
schmusel 21.09.2014
3. Tja, so schnell geht das
Vor einigen Wochen *wusste* man noch ganz genau, dass das nicht passieren könne. Jetzt dämmert langsam, dass die Situation wegen mangelhafter Hilfe aus dem Rest der Welt im Begriff ist ausser Kontrolle zu geraten. Trotzdem wird weiter geschlafen. Die einzige Nation die vergangene Woche angefangen hat Nägel mit Köpfen zu machen ist, wie hätte es anders sein können, die USA indem 3000 Militärs schon in Kürze beginnen Krankenhäuser und Isolierstationen aus dem Boden zu stampfen. In Europa zögert man weiter und verspricht ein bisschen Geld. Aus Russland hört man ebenso wenig wie aus Asien - die scheinen zu glauben, dass sie das gar nichts angeht. Wird interessant sein zu sehen was in China losbricht, wenn die ersten Fälle dort auftauchen!
derdrittemann 21.09.2014
4. Die eingeschränkte Mobilität...
ist in den betroffeneren Ländern noch deren größte Schutzmaßnahme. Würde der Virus in die Metropolen der Welt verschleppt, lässt sich die Katastrophe kaum verhindern. Bestes Beispiel: der Norovirus, ausschließlicher Überträger über Fäkalien, legt in Stunden Krankenstationen, Hotels und ganze Schiffsbesatzungen lahm. Ist aber gegen Ebola eher eine Lachpille. Kann aber zur Anschauung und Warnung dienen, sensibel zu machen. Also, wohl denen, die übertriebene Hygiene anprangern. Dazu Charles Gerba, Universität Arizona: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/hygiene-testvirus-verbreitet-sich-rasend-schnell-13142320.html
metbaer 21.09.2014
5. Handeln statt Angst
Warum handeln wir nicht endlich? Es wird so viel geredet und es werden so viele Horrorszenarien skizziert - warum tun wir nicht endlich was, anstatt dauernd über das "Was könnte alles passieren?" zu spekulieren?
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