Epidemie in Westafrika Was man zum Ebola-Ausbruch wissen muss

Noch nie dokumentierten Ärzte einen so schlimmen Ebola-Ausbruch wie derzeit in Westafrika. Wie verläuft die meist tödliche Krankheit? Welche Gefahr besteht für Menschen in Deutschland? Die wichtigsten Fakten.

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Mikroskopische Aufnahme des Ebola-Virus: Bislang fehlen Schutzimpfungen und Medikamente gegen den Erreger
DPA/ CDC/ Cynthia Goldsmith

Mikroskopische Aufnahme des Ebola-Virus: Bislang fehlen Schutzimpfungen und Medikamente gegen den Erreger


  • Was genau ist Ebola und wie steckt man sich an?

Bei Ebola handelt es sich um eine von Viren verursachte Krankheit. Das Ebolafieber, das nach einer Infektion mit Ebolaviren ausbricht, ist lebensgefährlich und endet in sehr vielen Fällen tödlich.

Die Erreger werden durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Erbrochenes, Urin oder Fäkalien (teilweise auch durch Schweiß oder Tränenflüssigkeit) übertragen: Indem man sie berührt und sich anschließend zum Beispiel an Mund, Nase oder die Augen fasst, können die Viren über Schleimhäute in das Innere des Körpers gelangen. Verletzungen auf der Haut sind ebenfalls eine Eintrittspforte für die Viren. Man kann sich auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr infizieren.

Anders als etwa die Grippe kann sich Ebola jedoch nicht über die Luft verbreiten. Ob sich Ebolaviren durch Niesen oder Husten auf einen anderen Menschen übertragen werden können, ist umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass dies - wenn überhaupt - nur selten der Fall ist (nähere Informationen der WHO zu den Übertragungswegen von Ebolaviren finden Sie hier).

In der Regel sind die Betroffenen nur in der Phase ansteckend, in der sie auch Symptome zeigen. Eine Ausnahme ist die Samenflüssigkeit: Bei Männern, die die Infektion überstanden haben, fanden sich noch nach sieben Wochen Erreger in der Samenflüssigkeit.

Infizierte entwickeln nach frühestens zwei und spätestens 21 Tagen plötzlich Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, fühlen sich schwach und leiden unter Halsschmerzen. Anschließend kommen Durchfall, Erbrechen und ein Hautausschlag hinzu, es können Blutungen der Schleimhäute im Magen-Darm- und Genitaltrakt auftreten. Später versagen zuerst Leber und Nieren, viele Patienten sterben durch Herz-Kreislauf-Versagen. Bisher existieren weder am Menschen erprobte Schutzimpfungen noch Medikamente.

  • Wie konnte es zu dem Ausbruch kommen?

Bei den aktuellen Fällen handelt es sich um den ersten dokumentierten Ebola-Ausbruch in Westafrika. Neben Menschen können auch Flughunde und andere Wildtierarten wie Menschenaffen und kleine Waldantilopen den Erreger in sich tragen. Kommen Menschen mit den Körperflüssigkeiten infizierter Tiere in Kontakt, etwa indem sie deren Fleisch nicht komplett durchgaren und essen, kann das Virus auf sie übergehen. Dann droht eine Epidemie.

Den Ursprung des aktuellen Ausbruchs vermuten Forscher in den bewaldeten Regionen im Südosten Guineas. Dort starb Anfang Dezember 2013 ein zweijähriges Mädchen an dem Virus - laut Europäischem Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC gilt sie als das erste Opfer der Epidemie. Woher genau der Erreger stammte, ist laut Robert Koch-Institut bislang nicht bekannt. Als wahrscheinlichster Überträger gelten Flughunde. Ob das Mädchen mit Viren belastetes Fleisch verzehrt hat oder auf andere Weise mit den Körperflüssigkeiten eines infizierten Tieres in Kontakt kam, ist unklar.

Bei den meisten Menschen, die sich bislang mit dem Virus angesteckt haben, konnten die Helfer Verbindungen zu anderen Infizierten herstellen - etwa durch eine Teilnahme an Trauerzeremonien. Es sei wahrscheinlich, dass Ansteckungen von Mensch zu Mensch der Hauptantriebsfaktor der aktuellen Epidemie seien, schreibt die ECDC. Allerdings könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Virus in einigen Fällen weiter von Tieren auf die Betroffenen übergehe.

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Epidemie: Westafrika kämpft gegen schwersten Ebola-Ausbruch

  • Warum lässt sich das Virus so schwer bekämpfen?

Theoretisch ließe sich Ebola einfach eindämmen: Die Kranken müssten isoliert und die Toten so begraben werden, dass niemand mehr mit ihrem Körper in Kontakt kommt. Abgesehen davon lässt sich der Erreger durch Seife, Sonnenlicht und Trocknen der Körperflüssigkeiten leicht töten, schreibt die ECDC. Etwa auf Oberflächen, die länger der Sonne ausgesetzt sind, kann das Virus nicht überdauern. Praktisch jedoch ist die Eindämmung deutlich schwieriger.

Ein Hauptproblem ist, dass viele Infizierte keine medizinische Hilfe suchen, manche bezweifeln laut einem Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen sogar die Existenz der Krankheit. Medienberichte und persönliche Berichte sprächen dafür, dass die Eindämmung des Ausbruchs möglicherweise daran gescheitert sei, das Vertrauen und die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen, schreibt die ECDC. Beides sei notwendig, um alle Kontaktpersonen von Ebola-Patienten aufzuspüren, zu überwachen und solche mit Symptomen zu isolieren.

Viele Hilfsteams vor Ort versuchen deshalb, die Menschen nicht nur zu untersuchen, sondern sie auch aufzuklären. Laut der US-Behörde CDC könnte sich die aktuelle Epidemie Monate hinziehen, die Experten rechnen noch im Oktober mit neuen Fällen.

  • Warum fordert der aktuelle Ausbruch so viele Todesopfer?

Ebola ist eine der tödlichsten Krankheiten weltweit. Hinzu kommt, dass der aktuelle Erreger genetisch zu 98 Prozent mit dem Zaire-Ebolavirus übereinstimmt. Dabei handelt es sich um den gefährlichsten Typ der fünf bislang bekannten Stämme des Virus.

Am 31. Juli meldete die WHO insgesamt 1323 mit Ebola Infizierte seit Beginn des Ausbruchs, 729 der Betroffenen starben an der Krankheit.

  • Warum tritt das Virus bisher fast ausschließlich in Afrika auf?

Seit fast 40 Jahren kennen Fachleute das Ebolavirus, erkrankt sind bisher fast ausschließlich Menschen in Afrika. Dies liegt daran, dass hauptsächlich bestimmte Flughunde das Virus in sich tragen, die in Afrika leben. Es existiert zwar eine Variante des Ebolavirus, die in Südostasien vorkommt, an dieser erkranken jedoch nur bestimmte Tiere.

  • Wie groß ist die Gefahr, dass sich Reisende anstecken und das Virus in die EU tragen?

Das ECDC hält es für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich, dass Reisende das Virus in die EU bringen und dort weitere Menschen infizieren. "Das Risiko von Touristen, sich während eines Aufenthalts in den betroffenen Regionen mit dem Ebolavirus zu infizieren und nach der Rückkehr zu erkranken, ist extrem gering", schreibt die Behörde. Dies treffe sogar dann zu, wenn die Reisenden Regionen besuchten, in denen die ersten Fälle aufgetreten seien.

Eine Ansteckung setze voraus, dass die Menschen mit infizierten Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen. Dies sei für einen durchschnittlichen Touristen sehr unwahrscheinlich, so die ECDC. Bei Alltagssituationen, etwa beim Schwimmen in einem Pool, beim Austausch von Geld oder in einem Lebensmittelladen, bestehe keine Ansteckungsgefahr. Dennoch rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in die Regionen ab.

Abgesehen davon ist es laut ECDC grundsätzlich möglich, dass ein Infizierter in die Europäische Union einreist. Dann sei es jedoch "hochwahrscheinlich, dass er nach der Ankunft in der EU schnell medizinische Versorgung erhalten und isoliert werden würde", schreibt die EU-Agentur.

Mit Material von dpa

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Solid 30.07.2014
1. Tödlich
Das größte Problem der Krankheit ist der sicher Tod für die Infizierten. Die Infizierten wissen, dass sie garantiert sterben werden und in der Folge ist vielen egal, ob sie noch jemanden mitnehmen. Nach ihnen die Sintflut. Das Virus tötet die Hoffnung und die Hoffnungslosigkeit tötet den nächsten...
Blattmann 30.07.2014
2. Marburg-Virus
In wie weit ist das Ebola-Virus mit dem Marburg-Virus verwandt welches in den 60er Jahren in Deutschland aufgetreten ist?
nickleby 30.07.2014
3. Ebola, die Geißel der Moderne
es gibt keinen Impfstoff gegen die Krankheit. Sie überträgt sich rasant Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete ist teilweise uninformiert, teilweise störrisch uneinsichtig. Die Pest musste sich in Europa austoben, um dann abzuebben, nachdem durch sie 25 Millionen unkamen. Möglicherweise sollte man durch geeignete Maßnahmen, Ebola auf den afrikanischen Kontinent beschränken. Eine Pandemie wäre für alle Menschen fürchterlich.So wäre die Krankheit nur auf einen Kontinent beschränkt, zwar mit entsetzlichen Auswirkungen, aber es wäre nicht die gesamte Menschheit betroffen.
tomblu 30.07.2014
4.
Zitat von nicklebyes gibt keinen Impfstoff gegen die Krankheit. Sie überträgt sich rasant Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete ist teilweise uninformiert, teilweise störrisch uneinsichtig. Die Pest musste sich in Europa austoben, um dann abzuebben, nachdem durch sie 25 Millionen unkamen. Möglicherweise sollte man durch geeignete Maßnahmen, Ebola auf den afrikanischen Kontinent beschränken. Eine Pandemie wäre für alle Menschen fürchterlich.So wäre die Krankheit nur auf einen Kontinent beschränkt, zwar mit entsetzlichen Auswirkungen, aber es wäre nicht die gesamte Menschheit betroffen.
Damals gab es aber gluecklicherweise keine Flugzeuge, Autos, ... heute kann sich so eine Krankheit weit schneller global ausbreiten.
A_E_Neumann 30.07.2014
5. Schade
Bei manchen Sachen kann man als Mensch wenig ausrichten... Das Beste wäre eine Bildungspflicht. Früchte trägt das zwar erst in 30 Jahren und für die Kosten könnten wir wer soviel Gewehre kaufen, aber die bräuchten wir ja nicht, wenn die Leute gebildet sind. Aber wer denkt schon in solchen Zeiträumen? Wieso pumpen wir den Öl aus dem Land, dass hunderte Meter tief ist? Weil dort mal Wald war. Und wer lebte dort? Und welchen Gott hatten die Leute dort? Wahrscheinlich den Tempelhfhjshfkhkherrn.
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