Ebola-Epidemie Liberia ruft Notstand aus

Um die Ebola-Epidemie in Westafrika zu bekämpfen, hat Liberias Präsidentin den Notstand ausgerufen. Er gilt für 90 Tage - in dieser Zeit können Rechte außer Kraft gesetzt werden.

Ebola-Opfer in Liberia: "Unwissenheit und Armut tragen weiter zur Ausbreitung der Krankheit bei"
DPA

Ebola-Opfer in Liberia: "Unwissenheit und Armut tragen weiter zur Ausbreitung der Krankheit bei"


Monrovia - Die Ebola-Epidemie in Westafrika bedroht nach Ansicht von Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf "die Existenz, die Sicherheit und das Wohl" des Landes. Deshalb hat sie nun den Notstand ausgerufen, er gilt für 90 Tage. Die rasche Ausbreitung des tödlichen Virus erfordere außerordentliche Maßnahmen, teilte die Politikerin mit. Die Regierung könne - wenn die Lage dies erfordere - auch Rechte außer Kraft setzen, erklärte die Politikerin. Johnson-Sirleafs Dekret soll im Laufe des Tages dem Parlament vorgelegt werden.

Angst und Panik habe viele Angehörige davon abgehalten, Infizierte in Isolierstationen zu bringen. "Unwissenheit und Armut, genauso wie verbreitete religiöse und kulturelle Praktiken, tragen weiter zur Ausbreitung der Krankheit bei", sagte die Präsidentin.

Ärzte und Krankenhäuser sind in den betroffenen Staaten mit der Viruserkrankung überfordert. In Liberia wurde eine Klinik geschlossen, weil sich mehrere Mitarbeiter mit dem Erreger infiziert hatten. Insgesamt sind 932 Menschen während des jüngsten Ausbruchs der Seuche erlegen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass erstmals ein Ebola-Infizierter aus Liberia nach Europa gebracht wird. Spanien ließ einen betroffenen Geistlichen nach Hause bringen. Inzwischen ist die Maschine der Luftwaffe mit dem Patienten in der Nähe von Madrid gelandet.

Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, befand sich neben dem erkrankten Geistlichen Miguel Pajares auch eine spanische Nonne an Bord, die mit dem Priester in Liberia zusammengearbeitet hatte, bei der aber bisher keine Ebola-Infektion festgestellt worden war.

Spanien ist nach den USA der zweite westliche Staat, der bei der aktuellen Epidemie in Westafrika einen mit Ebola infizierten Staatsbürger heimgeholt hat. Der Geistliche und die Nonne sollten in einem Madrider Krankenhaus unter strengsten Sicherheits- und Quarantäne-Vorkehrungen behandelt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO berät darüber, die Ebola-Krise als Gefahr für die internationale öffentliche Gesundheit zu klassifizieren. Solche Warnungen hat es in den vergangenen Jahren zweimal gegeben: bei der Schweinepest 2009 und bei einer Polio-Krise im Mai.

Eine WHO-Erklärung würde vermutlich Empfehlungen zur Beschränkung von Reisen und Handel nach sich ziehen. Es wäre zugleich ein Eingeständnis, dass die Situation kritisch ist und sich ohne schnelle weltweite Reaktion verschlimmern könnte.

Ungeachtete dessen setzte die US-Seuchenbehörde CDC ihre Warnstufe auf die höchstmögliche Kategorie 1. Der Schritt sei eine Reaktion auf das mögliche Übergreifen der Seuche nach Nigeria,teilte CDC-Direktor Tom Frieden auf Twitter mit. Stufe 1 bedeutet, dass mehr Personal und Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Die US-Gesundheitsbehörden haben unterdessen ein vom amerikanischen Militär entwickeltes Verfahren zur Ermittlung von Ebola-Infektionen genehmigt. Der Test namens "DoD EZ1 Real-time RT-PCR Assay" soll helfen, das hochansteckende Virus in Westafrika einzudämmen. Der Test sei für den Einsatz in den betroffenen Gegenden zugelassen, teilte die Gesundheitsbehörde FDA mit.

Über den Einsatz eines noch nicht erprobten Medikaments gegen Ebola (den Antikörper-Cocktail namens ZMapp) hat sich US-Präsident Obama zurückhaltend geäußert. Es gebe noch nicht genügend Informationen, ob das Mittel gegen die tödliche Erkrankung helfe, sagte Obama am Mittwoch in Washington. "Wir müssen uns von den Wissenschaftlern beraten lassen." Die Seuche könne kontrolliert werden, wenn es ein gutes Gesundheitssystem gebe. Darauf setze er im Moment.

ulz/Reuters/AP/AFP/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Teami 07.08.2014
1.
Zitat von sysopDPAUm die Ebola-Epidemie in Westafrika zu bekämpfen, hat Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf den Notstand ausgerufen. Er gilt für 90 Tage - in dieser Zeit können Rechte außer Kraft gesetzt werden. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-epidemie-liberia-ruft-notstand-aus-a-984866.html
Bei BBC News gibt es einen Artikel, der auch kurz anspricht, dass es in Saudi Arabien einen noch unbestätigten Verdachtsfall gibt. Das Opfer war offensichtlich vorher in Sierra Leone gewesen. http://www.bbc.com/news/health-28678699 Interessanter finde ich jedoch das Video auf der Seite, denn es vermittelt einmal Eindrücke einer medizinischen Einrichtung in den betroffenen Gegenden. Da sollte jedem, der jetzt Angst vor einer Ausbreitung in Europa hat, klar werden, dass die Standards hierzulande andere sind - nicht weil die betroffenen Länder sich nicht drum kümmern, sondern weil schlicht die Ressourcen und Infrastrukturen fehlen. Entsprechend halte ich das Einfliegen von Erkrankten bei entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen für unbedenklich. Jetzt hier Bilder von Fussballstadien voller Feldbetten auszumalen entspringt meiner Ansicht nach dem Geiste von Leuten, die zuviel fernsehen. Im Gegenteil ist es wichtig, diese Leute auszufliegen. Nicht nur, weil sie dort vor Ort dafür gekämpft haben, dass die Krankheit sich nicht ausbreitet, sondern auch und vor allem, weil dadurch wichtige, medizinische Erkenntnisse gewonnen werden können, wie man Erkrankte besser behandeln kann und ggf. der Krankheit Einhalt bieten kann.
kraichgau12 07.08.2014
2. afrikas Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt...
ich habe schon vor Tagen geschrieben, das es mich wundert,warum seit März von der WHO kein Material zur Verbesserung der Kliniklage,zur Versorgung mit Schutzanzügen etc angefordert wurde von den Mitgliedsstaaten. Damit haette die örtliche Lage schnell verbessert werden können und es waere sinnvoller gewesen als jetzt infizierte freiwillige Mediziner auszufliegen,zumal die nun als Versuchsobjekte neben benutzt werden, neben ihrer "Heilbehandlung" her,da es ja offiziell kein Medikament gibt. Nigerias Mega City Lagos(zwischen 10-20 Millionen Einwohne,rje nachdem,wo man nachschaut) hat inzwischen ein ernstes Problem, und von da fliegen täglich Flüge zu allen Kontinenten(und es gibt genug betuchte Nigerianer, die sich einen Fluchturlaub sehr wohl leisten können). Wenn der Saudhi Araber auch positiv getestet wird, dann ist er ja auch auf einem Linienflug nach Hause gekommen(siehe Nigeria).... sollte es das Virus wirklich gen Europa schaffen, dann dürften die high standards aufgrund der menschlichen Natur und aufgrund ungenügender Resourcen(und ja,dieses Problem gibt es tatsächlich,da seit 20 Jahren an den medizinischen Einrichtungen konstant gekürzt wurde) auch schnell absacken,spätestens, wenn ein Notstand wie in Liberia notwendig wird,ist das angesprochene Scenarion dann gar keine Phantasie von Fernsehzuschauern mehr.
gurgol 07.08.2014
3.
Als Krankenpfl. in Rente: Ich weiß nicht, was die Leute unter Quarantäne verstehen.
MarciusCato 07.08.2014
4. Was kann man aus der Ebola-Sache lernen?
Ich habe die internationalen Berichte über Ebola gelesen und mir sind drei Dinge aufgefallen: es geht um Geld, Machtausübung und Rebellion. Geld: Die Weltbank hat 200 Millionen Dollar bereitgestellt. Für wen oder was? "Für den Kauf medizinischer Produkte". Machtausübung: Die WHO hat in elf westafrikanischen Ländern faktisch eine (Gegen)Regierung gebildet. Diese Regierung-über-den-Regierungen verwaltet nun die elf Staaten, ein Fünftel aller Länder des Kontinents. So glatt und unauffällig gelingt der Staatsstreich, wenn er sich "Seuchenbekämpfung" nennt. Rebellion: Berichte sagen, dass etwa 1000 Leute eine Klinik gestürmt und sie fast in Schutt und Asche gelegt haben, dass sie Gräben ausheben, damit die ärzlichen Greiftrupps nicht in ihre Dörfer kommen und dass sie ihre Angehörigen aus den Kliniken holen. Es gibt also Widerstand und Kämpfe. Um was wird gekämpf? Letztlich wird um Krankheit gekämpft, was sie ist, woher sie kommt, wer dafür verantwortlich ist. Das ist etwas grundlegend anderes, als wenn die Leute beim Arzt sitzen und alles schlucken. Das Vertrauen in die Ärzte ist kaputt. Ist all dies speziell eine afrikanische Sache, Sache nur der armen Länder? Der Zukunftsforscher Ivan Illich, ausschließlich an Fakten interessiert und jeder Verschwörungstheorie abhold, hat warnend auf das Versklavungspotential der modernen Medizin hingewiesen. Eine brauchbare Zusammenfassung seines Buch "Medical Nemesis - Die Enteignung der Gesundheit" findet sich im Netz unter dem Suchbegriff: Zum schwarzen Opferlamm (mit weiteren Nachweisen).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.