Ebola-Epidemie Regierung riegelt Norden von Sierra Leone ab 

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie ergreift die Regierung Sierra Leones drastische Maßnahmen: Der Norden des Landes soll fünf Tage lang vollständig abgeschottet werden. Zugleich sehen Mediziner Anzeichen für eine Verbesserung der Lage.

REUTERS

Die Ebola-Epidemie hat Sierra Leone weiter fest im Griff. Jetzt soll der Norden des Landes mit sofortiger Wirkung fünf Tage lang abgeriegelt werden, um ein "genaues Bild der Lage" zu erhalten, erklärte Vizeinformationsminister Theo Nicol am Mittwoch. Die Region Nord ist die größte der vier Regionen des westafrikanischen Landes, das die meisten Ebola-Toten zu beklagen hat.

Laut Regionalminister Alie Kamara dürfen Muslime und Christen in der Zeit keine Gottesdienste feiern - die Ausnahme sei der Weihnachtstag für die Christen. In den fünf Tagen seien zudem alle Geschäfte und Märkte geschlossen. Nur Fahrzeuge mit offizieller Genehmigung dürften fahren. Außer Einsatzteams im Kampf gegen Ebola dürfe niemand zwischen den verschiedenen Departements und Dörfern verkehren. Normalerweise herrscht zu Weihnachten reger Reiseverkehr, auch wenn Sierra Leone mehrheitlich muslimisch ist.

Mitte Dezember hatten die Behörden bereits erklärt, dass öffentliche Versammlungen zu Weihnachten und an Silvester, auch religiöse Feiern, verboten seien. Damit solle eine Ausbreitung der Epidemie verhindert werden.

Bislang sind mehr als 7500 Menschen an Ebola gestorben, fast alle in Westafrika. Am schwersten betroffen ist mittlerweile Sierra Leone, danach kommen Liberia und Guinea. Die gefährliche Ebolakrankheit ist hoch ansteckend, sobald Patienten Symptome der Krankheit wie Fieber, Schmerzen, Erbrechen oder Durchfall zeigen.

Todesrate deutlich gesunken

Allerdings sehen Mediziner in Sierra Leone auch Anzeichen für eine positive Entwicklung: Inzwischen würden rund 70 Prozent der Infizierten die Krankheit überleben. Im "New England Journal of Medicine" berichtet ein Team um Kathryn Jacobsen von der George Mason University in Fairfax (US-Bundesstaat Virginia) von der Behandlung von Ebola-Patienten in Sierra Leonas Hauptstadt Freetown. Den Infizierten seien unter anderem Antibiotika, Malaria-Medikamente, das Schmerzmittel Ibuprofen, Nährstoffe und Arzneien gegen Übelkeit verabreicht worden, aber keine Ebola-spezifischen Mittel.

183 der seit September eingelieferten 581 Patienten sind nach Angaben der Forscher gestorben. 38 von ihnen seien allerdings schon bei der Ankunft tot gewesen seien. Von den behandelten 543 Patienten starben 145, was einer Quote von 27 Prozent entspricht. Noch im Mai und Juni lag die Sterblichkeit wesentlich höher. Ein Beispiel: Von 106 Patienten, die in Kenema im Osten Sierra Leones behandelt wurden, überlebten 74 Prozent die Ebolaerkrankung nicht.

Zudem sehen Jacobsen und ihre Kollegen eine eindeutige Tendenz: Von den ersten 151 Patienten, die zwischen dem 20. September und 13. Oktober in ihr Behandlungszentrum eingeliefert worden seien, hätten 48 Prozent nicht überlebt. Bis zum 4. November sei die Todesrate auf 32 Prozent gefallen, und zwischen dem 5. November und 7. Dezember habe sie schon bei unter 24 Prozent gelegen.

"Vorsichtiger Optimismus"

Die Ergebnisse seien Grund für vorsichtigen Optimismus, dass der Zugang zu solcher Behandlung die Überlebenschancen verbessere, sagte Daniel Bausch von der Tulane University in New Orleans (US-Bundesstaat Louisiana). Da die Zahlen aber nicht aus einer kontrollierten Studie stammten, könne man aus ihnen nicht auf den Wert einer bestimmten Behandlungsmethode schließen.

Die US-Seuchenschutzbehörde CDC war noch im September davon ausgegangen, dass es bei der aktuellen Epidemie im schlimmsten Fall zu 1,4 Millionen Ebola-Infektionen bis Mitte Januar kommen könnte. Im November hat die Behörde dieses Szenario dann kassiert. CDC-Direktor Thomas Frieden sagte nach einem Besuch der Ebola-Gebiete in Westafrika, dass dort ein himmelweiter Unterschied zu jenen Zuständen herrsche, die er dort noch vor einigen Monaten angetroffen habe. "Es hat echte Fortschritte gegeben", so Frieden, der derzeit wegenschwerer Pannen bei der CDC in der Kritik steht. Es sei allerdings noch ein weiter Weg bis zum Ende des aktuellen Ebola-Ausbruchs.

mbe/dpa/AP

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