Epidemie in Afrika Ebola-Verdacht bei deutschem Medizinstudenten

Ein Deutscher hat sich möglicherweise mit dem tödlichen Ebola-Virus infiziert: Nach einem Aufenthalt in Liberia bekam der Medizinstudent Fieber, jetzt liegt er auf einer Isolierstation in Ruanda.

Mann wäscht sich in Monrovia, Liberia, die Hände: Schütze dich vor Ebola, wasche die Hände, steht auf dem Gefäß
AP/dpa

Mann wäscht sich in Monrovia, Liberia, die Hände: Schütze dich vor Ebola, wasche die Hände, steht auf dem Gefäß


Hamburg - Er wäre der erste deutsche Betroffene der aktuellen Epidemie: Ein Medizinstudent aus Deutschland wird wegen Ebola-Verdachts in einem Krankenhaus in Ruanda untersucht. Der Patient liege auf einer Isolierstation, teilte das Gesundheitsministerium in Kigali am Sonntagabend mit. Es seien Proben entnommen und an ein Labor geschickt worden. Ein Testergebnis soll binnen 48 Stunden vorliegen.

Der Deutsche klagte nach Angaben des Ministeriums nach einem Aufenthalt in Liberia über Fieber, zudem war er an Malaria erkrankt. Er hatte sich einige Tage in dem westafrikanischen Land aufgehalten, das in der vergangenen Woche wegen der Seuche den nationalen Notstand ausgerufen hatte. Der Student ist der erste Patient in Ruanda, der seit Ausbruch der Epidemie in Westafrika wegen Ebola-Verdachts untersucht wird.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ebola-Epidemie in Westafrika am Freitag zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Laut der Organisation starben bei dem aktuellen Ausbruch bisher 961 Menschen an dem Virus, 1779 haben sich infiziert. Von den 961 Opfern stammen 294 aus Liberia. Das Land ist neben Guinea und Sierra Leone am stärksten betroffen, auch aus Nigeria wurden mittlerweile einige Fälle gemeldet.

Um die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen, hat Guinea inzwischen seine Grenzen zu Sierra Leone und Liberia geschlossen. Die Regierung der Elfenbeinküste hat zudem nun alle Flüge ihrer staatlichen Fluggesellschaft Air Côte d'Ivoire von und in die betroffenen Staaten gestrichen. Allen anderen Airlines sei es untersagt, Passagiere aus diesen Staaten in die Elfenbeinküste zu fliegen, erklärte die Regierung am Montag. Zudem würden die Kontrollen am Flughafen der Wirtschaftsmetropole Abidjan verstärkt. Ebenso hat das im südlichen Afrika gelegene Sambia kündigte Reisebeschränkungen angekündigt. Zuvor hatte Nigeria den Notstand ausgerufen.

Dass Reisende das Virus in die EU bringen und dort weitere Menschen infizieren, hält das Europäischem Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC für unwahrscheinlich. Würde ein Erkrankter einreisen, sei es "hochwahrscheinlich, dass er nach der Ankunft in der EU sofort medizinische Versorgung erhalten und isoliert werden würde", schreibt die EU-Agentur. Auf dem Frankfurter Flughafen wird derzeit routinemäßig jede aus Nigeria ankommende Maschine kontrolliert.

In Madrid wird derzeit ein Geistlicher behandelt, der sich mit dem Virus infiziert hatte und aus Westafrika ausgeflogen worden war. Der 75-Jährige hatte in einem liberianischen Krankenhaus in Monrovia gearbeitet und den später an Ebola gestorbenen Direktor gepflegt. Dem spanischen Gesundheitsministerium zufolge ist der Spanier mit einem experimentellen Medikament behandelt worden. Dabei handelt es sich um einen Antikörper-Cocktail namens ZMapp, der auch zwei Ebola-Patienten aus den USA verabreicht worden war. Das Mittel hatte sich zwar im Tierversuch als sehr wirksam erwiesen. Ob es auch Menschen vor dem möglichen Tod retten kann, ist jedoch unklar, da das Medikament nicht unter kontrollierten Studienbedingungen verabreicht wird.

In Kanada hatte sich ein Verdacht auf Ebola bei einem Rückreisenden aus Nigeria nicht bestätigt. Der Mann sei negativ auf die Krankheit getestet worden, erklärte der Gesundheitsminister der kanadischen Provinz Ontario, Eric Hoskins, am Sonntag. Zugleich lobte er die schnelle Isolierung des Patienten. Das System habe nach Vorschrift funktioniert.

Der Mann hatte sich zuvor mit Fieber und anderen Symptomen in eine Notaufnahme eines Krankenhauses in einem Vorort von Toronto begeben. Aus Vorsorge waren die höchsten Überwachungsmaßnahmen getroffen worden, der Patient wurde unter Quarantäne gestellt.

Am Montag haben von der WHO beauftragte Medizin-Ethiker Beratungen zum Einsatz von Präparaten wie ZMapp aufgenommen, die noch nicht hinreichend in klinischen Versuchen getestet und daher nicht zugelassen sind. Erste Ergebnisse sollten am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

irb/AFP/AP

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
bernd.o 11.08.2014
1. Lasst ihn bloß da
Schickt Ärzte und Geräteschaft zu ihm. Wenn sich die Krankheit so leicht wie ein grippaler Infekt verbreitet, ist es so sicherer.
wahrerÖkologe 11.08.2014
2. Gute Besserung
Gute Besserung allen Infizierten und hoffentlich ein baldiges Ende dieser schrecklichen Epidemie!
DieButter 11.08.2014
3. das Letzte
Zitat von bernd.oSchickt Ärzte und Geräteschaft zu ihm. Wenn sich die Krankheit so leicht wie ein grippaler Infekt verbreitet, ist es so sicherer.
Für mich sind solche Meinungen, wie von ihnen, nicht nur erstaunlich dumm, nein, sie zeigen auch ganz offensichtlich, daß ihnen das Leben ihrer Mitmenschen völlig egal ist, solange es nicht ihre Haut ist, die betroffen sein könnte. Dieser Medizinstudent könnte zudem später mal IHR Arzt sein, so daß sie sich auch noch selber ins eigene Fleisch schneiden, ohne es zu begreifen. Zum Artikel: Der Student war bloß einige Tage in Liberia, anscheinend nicht zur Behandlung von Ebola-Patienten. Er hat Malaria und Fieber; wie wahrscheinlich ist es, daß er zusätzlich Ebola hat? Eher verschwindend gering. Aber Hauptsache er kommt nicht nach Deutschland, in dafür bestens vorbereitete Hochisolierstationen, damit er "dem Bernd nicht anstecken tut"...
Msc 11.08.2014
4.
Finde diese Beruhigung der europäischen Behörden absolut fehl am Platze. Nach Bekanntwerden der nigerianischen Fällen letzte Woche wurde auch der Verantwortliche am Frankfurter Flughafen interviewt und gefragt, was denn gemacht werden könne, wenn ein Fluggast Symptome zeigt. Das Flugzeug würde zur Seite gerollt und der Fluggast mit speziellem Fahrzeug abgeholt. Toll! Ich als Zuschauer fragte mich "Und die restlichen Leute dürfen einfach nach Hause?" Der Interviewer fragt Gott sei dank nicht, denn Nachfragen in Interviews wurde aus dem Repertoire der Fernsehjournalisten entfernt. Gerade vor dem Lichte der Fälle in Nigeria sollte diese Frage aber heiß diskutiert werden. Schließlich haben sich 6 weitere Personen AUF DEM FLUG angesteckt und durften dann einfach gehen. Mich würde mal interessieren ob es rechtlich in Deutschland überhaupt möglich ist potenziell infizierte Fluggäste gegen ihren Willen 4-7 Tage in Quarantäne zu behalten. Denn genau das sollte passieren, wenn auch nur ein einziger Insasse eines Flugzeugs Symptome zeigt.
gweihir 11.08.2014
5. Immer diese irrationalen Angsties
Wenn Ebola sich so einfach wie eine Grippe verbreiten wuerde, gaebe es die Menschheit schon lange nicht mehr. Ausserdem sind taeglich hunderte von Leuten zwischen den betroffenen Gebieten und dem Westen unterwegs. So muessten z.B. die Aertzte die man da "hinschicken" sollte ja auch mal wiederkommen....
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