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Kampf gegen Ebola: EU-Gesundheitsminister setzen auf Kontrollen in Westafrika

Fiebermessen in Sierra Leone: Können Kontrollen vor Ausbreitung von Ebola schützen? Zur Großansicht
AP/dpa

Fiebermessen in Sierra Leone: Können Kontrollen vor Ausbreitung von Ebola schützen?

Im Kampf gegen Ebola setzt die EU auf eine Verstärkung der Passagierkontrollen in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Laut einer Umfrage lehnt die Hälfte der Bundesbürger es ab, Erkrankte zur Behandlung nach Deutschland ausfliegen zu lassen.

Brüssel/Washington/Madrid - Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist weiter außer Kontrolle - und für Experten ist es damit nur eine Frage der Zeit, bis das Ebolavirus auch in Europa auftauchen wird. Doch sind die EU-Länder auf eine mögliche Einreise von Ebola-Kranken vorbereitet? Angesichts der Ebola-Fälle in Dallas und Madrid wachsen die Zweifel der Öffentlichkeit - ebenso wie die Kritik am Umgang der Gesundheitsbehörden mit der Seuche. Fest steht: Die Ansteckungsfälle in den USA und Spanien hätten vermieden werden können.

Auf der Suche nach effizienten Maßnahmen zum Schutz vor Ebola-Ansteckungen in Europa haben die EU-Gesundheitsminister und Experten der EU-Kommission in Brüssel nun beschlossen, auf stärkere Kontrollen von Fluggästen in den betroffenen westafrikanischen Ländern zu setzen. Bei einem Krisentreffen einigten sich die Abgeordneten darauf, in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sofort mit einer Überprüfung der derzeitigen Kontrollen an Flughäfen in Sierra Leone, Liberia und Guinea zu beginnen. Das teilte der EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg mit. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte nach dem Treffen, Hilfe vor Ort sei "die beste Chance", das Ansteckungsrisiko in Europa gering zu halten.

Fiebermessen nur bei Direktflügen aus Westafrika sinnvoll

Eine EU-weite Kontrolle mit Fiebermessungen an den europäischen Flughäfen für Passagiere aus Westafrika ist derzeit nicht vorgesehen. "Es gibt widersprüchliche Angaben dazu, ob diese Kontrollen effektiv sind oder nicht", sagte Borg. "Es wird gemacht, aber das Problem ist, ist es effektiv?" Auf den Prüfstand sollten deshalb die Checks in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Falls nötig, sollten sie verstärkt werden.

Experten bemängeln, dass dieses sogenannte Screening relativ wirkungslos sei. So könnten bei den Kontrollen Menschen, die sich mit Ebola infiziert, aber noch keine Symptome entwickelt haben, nicht entdeckt werden. Andererseits sei mit falschen Verdachtsfällen zu rechnen.

Gröhe zufolge wollen sich die EU-Staaten aber enger über Maßnahmen an den Flughäfen bei Direktflügen austauschen. Nach Deutschland gibt es keine Direktflüge aus den drei am stärksten betroffenen afrikanischen Staaten. Bei der Verbindung aus Nigeria Richtung Deutschland würden die Passagiere bereits umfassend informiert.

Unabhängig von den EU-Maßnahmen haben sich Frankreich, Großbritannien und Tschechien zu eigenen Schritten wie Fiebermessungen an Flughäfen entschlossen. Am Pariser Flughafen Roissy sollen die Ebola-Kontrollen am Samstag für Ankommende aus Guineas Hauptstadt Conakry beginnen. Laut Gröhe will nun auch die belgische Regierung die Einführung von Fieberkontrollen prüfen, da es Direktflüge aus den Ebola-Gebieten nach Belgien gibt (hier finden Sie die Ebola-Kontrollen innerhalb der EU im Überblick).

Vor Beginn der Beratungen hatte Gröhe gesagt, der "bestmögliche Schutz unserer Bevölkerungen" müsse im Mittelpunkt stehen. "Da brauchen wir eine klare, abgestimmte und dann auch klar umgesetzte Haltung." Das Wichtigste blieben aber Maßnahmen zur Eindämmung in Westafrika.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND
Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa zeigt, ist mehr als die Hälfte der Deutschen gegen eine Behandlung von Ebola-Patienten aus Westafrika in Deutschland. 51 Prozent der Befragten wollten keine Erkrankten aus dem Krisengebiet aufnehmen - 29 Prozent waren dafür, 20 Prozent äußerten sich unentschieden.

Die Angst wächst

Auch in den USA wächst derzeit die Sorge vor weiteren Ansteckungen mit Ebola, nachdem sich in Dallas eine zweite Pflegerin mit dem Virus infiziert hatte. Die 29-Jährige hatte, ebenso wie ihre 26-jährige Kollegin, den Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan gepflegt, der vergangene Woche am Ebolafieber gestorben war.

Dass die 29-Jährige am Tag vor ihrer Diagnose einen Inlandsflug genommen hatte, kritisierte der Leiter der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Thomas Frieden. Er kündigte eine Befragung der mehr als 130 Insassen der Maschine an. Das Risiko, dass sich Mitreisende angesteckt hätten, sei aber "äußerst gering". Offenbar hatte die Krankenschwester bereits leichtes Fieber, als sie ins Flugzeug stieg, um von einem Besuch in Ohio zurück nach Dallas zu fliegen. Medienberichten zufolge hatte sie das auch der CDC gemeldet.

Angesichts der wachsenden Panik in seinem Land kündigte US-Präsident Barack Obama ein viel aggressiveres Vorgehen gegen die Epidemie an. Nach einem kurzfristig einberufenen Krisentreffen im Weißen Haus warnte Obama am Mittwoch vor einer weltweiten Ausbreitung des Ebolavirus.

Bis zu 10.000 Neuinfektionen pro Woche

Deutschland will unterdessen weitere 85 Millionen Euro zur Eindämmung der Epidemie in Westafrika bereitstellen. Wie die Unionsfraktion im Bundestag am Donnerstag mitteilte, bewilligte der Haushaltsausschuss am Mittwoch zusätzliche Mittel, mit denen sich die Gesamtsumme der Ebola-Finanzhilfen aus Deutschland auf 102 Millionen erhöht. Bisher hatte die Bundesregierung 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach Angaben der Unionsfraktion werden von den 85 Millionen Euro rund 50 Millionen dem Entwicklungsministerium und 35 Millionen dem Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellt.

Fast 9000 Ebola-Fälle sind bei der WHO inzwischen offiziell registriert. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Bis Dezember rechnet die Behörde mit 5000 bis 10.000 Neuinfektionen pro Woche.

In Spanien ist wegen eines möglichen Ebola-Verdachtsfalls eine Passagiermaschine auf dem Madrider Flughafen vorübergehend isoliert worden. Ein nach Angaben spanischer Medien aus Nigeria stammender Passagier in einem Air-France-Flugzeug aus Paris habe stark gezittert, teilte die Flughafenbehörde Aena am Donnerstag mit. Die Besatzung habe die spanischen Gesundheitsbehörden informiert. Nach dem für solche Fälle vorgesehenen Protokoll sei die Maschine vom Typ Airbus A321 an eine abgelegene Stelle des Flughafengeländes dirigiert worden. Der Passagier sei an Bord des Flugzeugs untersucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Efe.

Ein Ebola-Verdacht ist aber nur dann begründet, wenn der Betroffene sich in Sierra Leone, Guinea oder Liberia aufgehalten hat, oder wenn er Kontakt zu Ebola-Erkrankten oder Krankheitsverdächtigen hatte. In Nigeria aber ist seit Mitte September kein Fall von Ebola mehr aufgetreten. Dort hatten sich insgesamt 20 Menschen mit Ebola infiziert, acht von ihnen waren daran gestorben.

cib/AFP/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Wann endlich...
wschomb 16.10.2014
...werden alle Fluege von den betroffenen Laendern eingestellt? Es ist doch ein Irrsinn, dass jeder Infizierte innerhalb von Stunden jedes Land der Erde erreichen kann.
2.
Spon1806 16.10.2014
Ahja, als wenn Fieber messen bei bereits infizierten, die aber keine Symptome zeigen, etwas helfen würde. Mal wieder beruhigen der Massen....
3. Den Virus redlich verdient
j.cotton 16.10.2014
scheinen sich die Wähler/innen von Gröhe & co zu haben. Verstärkung der Kontrollen in Ländern, in denen meist eine Dollernote genügt, um solche "Barrieren" zu überwinden. Ein Brüller. Was für geist- und verantwortungslose Polit-Nullen doch am wursteln sind!
4. Stellen Sie sich vor ...
joeeoj 16.10.2014
... sie würden in Afrika in einem von Ebola heimgesuchten Land leben und sie bekommen Fieber. Sie wissen, das die Kliniken und Auffangstationen voll sind. Also was machen ? Sie haben genug Geld für ein Flugticket, also nehmen sie Mittel um das Fieber so weit wie möglich zusenken, so dass es niemand auffällt und fliegen in ein Land wo sie behandelt werden können. Können sie sich auch so ein Scenario vorstellen ? Ist es unrealistisch ? Wenn nein, was sind die Konsequenzen ?
5. Von Nigeria lernen und das Gesundheitsamt FFM vergessen
Dr. Tofu 16.10.2014
Von Nigeria lernen! Dort gibt es seit 40 Tagen keine Neuinfektionen! Man wird ständig mit modernen Infrarot Fiebermess Pitolen mit Laserpointer auf Fieber untersucht (wie auf dem Foto). Bei der Ein- und Ausreise sowieso, aber auch beim Eintritt in Hotels (auch in kleinen Hotels), Restaurants, Check Points etc.. Daneben werden einem von eigens dazu bereitgehaltenem Personal die Hände desinfiziert und jeder der auf sich hält macht beides. Kontrast dazu "Frankfurt Flughafen": Es wird bei Westafrika Flügen vor der Landung ein "typsich Deutsches Beamten Schreiben" des Gesundheitsamtes Frankfurt verteilt. Inhalt scheint ein Wikipedia Eintrag o.ä. zu sein, der "abgetippt" ist und deswegen vor Fehlern strotzt (Copy and Paste kann das Gesundheitsamt offensichtlich nicht). Auch fachlich ist der Text nicht auf dem neuesten Stand. Am Gate Ausgang, wo man schnell vorbeigeht, kommt dann ein Roll Up mit viel Text und Fotos auf dem Infos über Ebola stehen, so in etwa aufgemacht wie ein Poster mit Geschlechtskrankheiten beim Hautartzt. Fazit. Deutschland 3 Neu-Infektionen, USA noch mehr und Nigeria keine einzige.
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