Eine Milliarde Euro gegen Ebola Europa macht endlich Ernst

Die EU-Staatschefs verstärken angesichts der weltweiten Seuchenbedrohung ihre Anstrengungen, um das Ebolafieber im Zaum zu halten - und verdoppeln ihre Finanzhilfe auf eine Milliarde Euro.

Freiwilligen-Training:  Im Kampf gegen Ebola
REUTERS

Freiwilligen-Training: Im Kampf gegen Ebola


Brüssel/Bamako - Seit Wochen fordern Seuchenexperten von der internationalen Gemeinschaft mehr Hilfsmittel, um die Ebola-Epidemie in Westafrika zu stoppen. Jetzt hat die Europäische Union beschlossen, ihre Hilfen für den Kampf gegen Ebola auf mindestens eine Milliarde zu verdoppeln. Darauf einigten sich die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedstaaten am Freitag beim Gipfel in Brüssel, wie der EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy mitteilte.

Bis zu dem Treffen hatten die EU und ihre Mitgliedstaaten etwas mehr als eine halbe Milliarde Euro zugesagt. Unter anderem Großbritannien kündigte jetzt an, seine Hilfen deutlich zu erhöhen. Statt der ursprünglich zugesagten 156 Millionen Euro sollen nun mindestens 256 Millionen Euro fließen. Mit dem Geld werde man unter anderem Behandlungsstationen in Sierra Leone finanzieren, ließ Premierminister David Cameron erklären, der bereits zuvor auf weitere Zusagen der EU im Kampf gegen Ebola gedrungen hatte.

"Wir waren uns alle einig, dass dies eine außergewöhnliche Herausforderung ist", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Nacht zum Freitag. Die Krankheit sei eine "schreckliche Heimsuchung für die Menschheit". Nach den aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich in Westafrika inzwischen fast 10.000 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert, fast 4900 von ihnen starben. Die Dunkelziffer aber ist hoch.

"Diese ernüchternden Zahlen sprechen für sich selbst", sagte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. "Die Epidemie ist noch lange nicht eingedämmt und wir müssen unser Handeln ausweiten." Am Donnerstagabend hatte der Gipfel bereits den Zyprer Christos Stylianides, der in der neuen EU-Kommission für humanitäre Hilfe zuständig ist, zum Koordinator für Europas Engagement in der Krise in Westafrika ernannt. Die EU-Außenminister hatten den Posten des Koordinators am Montag beschlossen, um Europas Hilfe für die besonders von der Epidemie betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone besser aufeinander abzustimmen.

Dort verschärft sich die Lage, denn inzwischen ist erneut ein Ebola-Fall jenseits der drei Länder aufgetaucht: Bei einem zweieinhalbjährigen Mädchen sei der lebensbedrohliche Erreger nachgewiesen worden, teilte das Gesundheitsministerium des Landes am Donnerstagabend mit. Das bitterarme Mali verfügt nur über ein marodes Gesundheitssystem.

CDC-Checkliste: So werden Ebola-Kontaktpersonen beobachtet
SPIEGEL ONLINE (deutsche Übersetzung)

CDC-Checkliste: So werden Ebola-Kontaktpersonen beobachtet

Am Freitag gab die WHO bekannt, dass sie Seuchenexperten nach Mali entsenden wolle, um das Land bei dem Fall zu unterstützten. Den Behörden in Mali zufolge stehen 43 Menschen unter Beobachtung, die mit dem Kind Kontakt hatten. Bei zehn davon handle es sich um medizinisches Personal.

Das Kleinkind wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in ein Krankenhaus gebracht, einen Tag später stand die Diagnose fest. Das Mädchen kam den Angaben zufolge mit Verwandten aus Guinea, dort sei der Vater des Kindes an Ebola gestorben, hieß es in Medienberichten.

Wie Malis Gesundheitsministerium weiter mitteilte, wurde das Mädchen im Krankenhaus Fousseyni Daou in der Stadt Kayes isoliert. Der Ort liegt rund 500 Kilometer westlich der Hauptstadt Bamako. Im selben Krankenhaus seien Verwandte und andere Kontaktpersonen des Kindes unter Quarantäne gestellt worden. Alle Personen, die mit ihnen Berührung gehabt haben könnten, wurden aufgerufen, sich bei medizinischen Einrichtungen zu melden.

Darüber hinaus verfügte der Gouverneur von Kaye, Salif Traoré, dass am Freitag alle Schulen der Stadt geschlossen blieben. Der Gouverneur und Malis Gesundheitsminister Ousmane Kone riefen die Bevölkerung der Region auf, nicht in Panik zu verfallen und auf die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen zu achten.

Auch in den USA ist ein neuer Ebola-Fall aufgetaucht: Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, der am 14. Oktober aus Guinea über Brüssel zurück nach New York gereist war, ist am Ebolafieber erkrankt.

Der 33 Jahre alte Arzt war am Donnerstag mit den für Ebola typischen Symptomen Fieber, Durchfall und Erbrechen in eine Klinik gebracht worden. Er soll nach seiner Rückkehr aus Westafrika in New York nur mit vier Personen in engeren Kontakt gekommen sein: seiner Verlobten, zwei Freunden und einem Taxifahrer.

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60

BIC: BYLADEM1001

Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22

BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

IBAN: DE26 2106 0237 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00

BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

cib/dpa/AFP

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Ruhrfred 24.10.2014
1. Geld
Als wenn man alles mit Geld regeln kann, dass - ja wann eigentlich - fließen "soll". In diesem Fall geht es doch um Handeln und nicht um Reden. Wo sind denn die Feldbetten und Zelte, die es dort braucht. Wo sind denn die Feldküchen? Sind die schon unterwegs? Ich habe darüber nichts gelesen. Aber für den Aufbau von Zelten und Betten auf der grünen Wiese braucht man ja Mediziner. Da reichen keine Soldaten oder auch Freiwillige. Selbst dann, wenn man das auch kann ohne Kontakt zu Einheimischen zu haben und damit auch kein Risiko einer Ansteckung. Wie kann man sowas als "Erfolg" verkaufen. Das ist Aussitzen ohne Handeln zu müssen.
ihawk 24.10.2014
2. Kostenkontrolle
Bei allem Willen helfen zu wollen und der Notwendigkeit präventiv handeln zu müssen, sollte m.E. genauso aufmerksam darauf geachtet werden, dass die "Gesundkeitsindustrie" die Notlage nicht schamlos ausnutzt und mit überhöhten Preisen und unnötiger Ausrüstung fette Gewinne einfährt. Die Schamlosigkeit mit der sich Kriesengewinnler die Taschen vollstopfen ist schon erschreckend.
Sackaboner 24.10.2014
3. Maßnahmen
Werden jetzt endlich alle Einreisenden aus den betroffenen Ländern wie in den USA 3 Wochen lang beobachtet, wozu zweimaliges Fiebermessen pro Tag gehört und ein Behördenbesuch, wenn das Fiebermessen versäumt wurde?
firenafirena 24.10.2014
4. Nachhaltigkeit wäre wichtig
Wie könnte es laufen? Die Gelder werden aufgestockt, Behandlungzentren werden eingerichtet und mit Unterstützung durch ausländisches Personal betrieben. Irgendwann wird dieser Ausbruch zuende sein, ohne dass es zum Ende der Welt kommt. Und danach? Die Helfer verlassen das Land, die Zentren stehen rum und es hat sich weder an der Infrastruktur, noch am Gesundheitssystem der Länder etwas geändert. Die westliche Welt bleibt nur solange dort, wie sie selbst in Gefahr ist. Das ist jetzt nicht besonders überraschend, sondern dieser Egoismus liegt in der Natur des Menschen. Damit die betroffenen Länder selbst auf die Beine kommen und zukünftige Ausbrüche (und die wird es geben) besser bekämpfen können, muss ein Gesundheitssystem etabliert werden. Sowas geht aber nur ohne Korruption, Bürgerkriege, Misswirtschaft, etc. Man kann keinem Land von aussen eine funktionierende Politik überstülpen. Sowas geht nur von innen heraus und da hat Europa keinen Einfluss. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass dies nicht der letzte Ausbruch war. Erfrischend wäre jedoch, wenn sich mit der Zeit eine sachliche Haltung durchsetzen würde und die Hysteriker und Verschwörungstheoretiker mit ihren Aluhüten zuhause blieben.
stahlfahrer 24.10.2014
5. Danke !
...sagt die Gesundheitsindustrie und lacht sich ins Fäustchen...;-) In D sterben jedes Jahr über 30.000 Menschen an Grippe und da regt sich keiner drüber auf. Ebola ist im Vergleich dazu weit weniger ansteckend...wie SPON neulich schrieb: "Ein Video aus den USA zeigt einen Mann ohne Schutzkleidung, der wenige Meter neben einem Ebola-Infizierten steht. Handelt dieser Mann nicht unverantwortlich? Solange er weder den Patienten berührt noch seine Pfleger, besteht keine Infektionsgefahr. Allein über die Luft ist eine Übertragung nach derzeitigem Wissensstand unmöglich - anders als etwa bei Influenzaviren. Ebolaviren werden nur durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Erbrochenem, Urin oder Fäkalien (teilweise auch durch Schweiß oder Tränenflüssigkeit) übertragen. Indem man sie berührt und sich anschließend zum Beispiel an Mund, Nase oder die Augen fasst, können die Viren über Schleimhäute in das Innere des Körpers gelangen. Verletzungen auf der Haut sind ebenfalls eine Eintrittspforte für die Viren. Man kann sich auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr infizieren." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!
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