Gipfel in Brüssel Ebola-Staaten fordern "Marshallplan"

Tausende Menschen sind in Westafrika an Ebola gestorben. Landesweit wurde der Schulbetrieb eingestellt. Die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme sind kollabiert. Nun geht es um den Wiederaufbau.

Bombali, Sierra Leone: Die fünfjährige Mari ist eine Waise, ihre Eltern sind beide an Ebola gestorben
obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Hermann-Gmeiner-Fonds/Daniel van Moll

Bombali, Sierra Leone: Die fünfjährige Mari ist eine Waise, ihre Eltern sind beide an Ebola gestorben


Brüssel - Die Präsidenten der drei westafrikanischen Ebola-Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone haben internationale Wiederaufbauhilfe gefordert. "Die Auswirkungen von Ebola auf unsere Wirtschaftssysteme gingen tief", deshalb brauche es "Strategien für eine wirtschaftliche Erholung", sagte Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Dienstag auf einer Konferenz in Brüssel. Noch sei die Krise nicht überwunden, warnte sie. Bei der Konferenz wird eine Zwischenbilanz zum Kampf gegen Ebola gezogen und das weitere Vorgehen abgestimmt.

Um die Wirtschaft der betroffenen Länder wiederanzukurbeln, seien beträchtliche Mittel nötig - "sogar ein Marshallplan", forderte Sirleaf in Anspielung auf das US-geführte Wiederaufbauprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg, das Europa und vor allem Deutschland zugute kam.

Guineas Präsident Alpha Condé kündigte einen Regionalplan für den Wiederaufbau an, den die drei Staaten im nächsten Monat Weltbank und Internationalem Währungsfonds vorstellen wollten. Laut dem Präsidenten von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, müssen vor allem die Gesundheits- und Bildungssysteme wieder aufgebaut werden.

Fast zehntausend Tote

Condé rief die internationale Gemeinschaft auf, es nicht bei Ankündigungen zu belassen, "sondern die versprochenen Hilfen zu übermitteln". Von den zugesagten 4,9 Milliarden US-Dollar (etwa 4,4 Milliarden Euro) für den Kampf gegen Ebola wurde nach Angaben der EU-Kommission bislang etwa die Hälfte ausgezahlt. Neue Finanzzusagen wurden bei der Konferenz in Brüssel nicht erwartet.

Ebola hat in Guinea, Sierra Leone und Liberia nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 9700 Todesopfer gefordert. Inzwischen ist die Zahl der Neuinfektionen zwar deutlich gesunken. Aber: "Es ist einfacher von hundert (Krankheitsfällen - d.Red.) auf zehn zu kommen, als von zehn auf null", sagte Staatschef Condé.

Auch die Bundesregierung warnt vor einem Nachlassen der internationalen Bemühungen. "Die Epidemie ist noch nicht beseitigt", sagte Staatssekretär Thomas Silberhorn vom Entwicklungsministerium. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, fordert zudem, Lehren aus dem anfänglich stockenden Kampf gegen die Ebola-Epidemie zu ziehen. Nur die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, so Lindner, habe rasch reagiert. Das Wichtigste sei, dass die internationale Gemeinschaft bei der nächsten Krise schneller reagiere.

Joanne Liu, die Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, sagte: "Wir dürfen auf keinen Fall einen vorzeitigen Erfolg vermelden. Wir können nicht zufrieden sein. Wir müssen engagiert, reaktionsfähig und entschlossen weitermachen."

wbr/AFP/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
p.donhauser, 03.03.2015
1.
es wird ja auch zeit das etwas für die konten dieser herren "präsidenten"was getan wird.
corsair28r 03.03.2015
2.
Ich hoffe das alle die nach einem Marshall Plan rufen auch verstehen das der zurueckgezahlt wird. Warum denke ich das dieses kleines Detail aber gerne vergessen wird ?
PU 2.1 03.03.2015
3. Rückzahlung
Zitat von corsair28rIch hoffe das alle die nach einem Marshall Plan rufen auch verstehen das der zurueckgezahlt wird. Warum denke ich das dieses kleines Detail aber gerne vergessen wird ?
Darf ich an dieser Stelle fragen, wie hoch Ihr Beitrag war, welcher Sie an die Rückzahlung des Marschall-Plans geleistet haben?
Bayrischer Michel 03.03.2015
4. Chronischer Hygienemangel
Ich höre immer " fordern". Hieß das nicht früher "bitten"?
corsair28r 04.03.2015
5. Rueckzahlung
Marshalplan ist voll zurueckgezahlt worden. Jeder erinnert sich an John F Kennedy Besuch in Berlin, wo er gesagt hat . ( If I would live in Berlin, I would be proud to say : ) Ich bin ein Berliner ... der Anlass dieses Besuchs war die letzte Rate der Rueckzahlung zu empfangen . Schone Gruesse aus den USA, wo dieses kleine aber doch wesentliches Detail auch nicht so allgemein bekannt ist.
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