WHO beruft Krisenausschuss ein Ebola-Helfer klagen über Anfeindungen im Kongo

Mehr als hundert Menschen sind im Kongo bereits an Ebola gestorben, Feindseligkeit und Rebellenangriffe gefährden die Arbeit der Helfer. Die WHO hat ihren Krisenausschuss einberufen.

Desinfektion eines Helfers, Aufnahme von Anfang September
AP

Desinfektion eines Helfers, Aufnahme von Anfang September


Wegen der zahlreichen Ebola-Fälle im Kongo hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Mittwoch den Krisenausschuss einberufen. Das teilte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Das Komitee soll entscheiden, ob es sich bei dem Ausbruch der Seuche nicht nur um einen nationalen, sondern um einen internationalen Gesundheitsnotfall handelt.

Der Ausschuss könnte außerdem Empfehlungen geben, mit welchen Mitteln die Verbreitung von Ebola eingedämmt werden soll. Aktuell fürchten Experten, dass sich die Infektionskrankheit jederzeit auf Uganda und Ruanda ausweiten könnte.

Bei dem Ausbruch im Osten des Kongo sind seit Anfang August rund hundert Menschen an Ebola gestorben. Weitere 35 Tote hatten wahrscheinlich ebenfalls Ebola, bei ihnen wurden jedoch keine Proben im Labor untersucht. Allein in der vergangenen Woche seien 33 neue Erkrankungen bestätigt worden, berichtet das Gesundheitsministerium. 24 der Patienten sind demnach gestorben. Unter den Infizierten ist auch ein Angestellter der Vereinten Nationen.

Großstadt Beni: Ebola-Leiche entführt

Der Ausbruch ist bereits der zehnte im Kongo seit der Entdeckung des Virus in den Siebzigerjahren. Da er eine Großstadt und ein Krisengebiet betrifft, ist die Situation jedoch besonders riskant. Erst am Freitag warnte die Weltgesundheitsorganisation, dass die feindselige Haltung von Teilen der Bevölkerung und anhaltende Rebellenangriffe große Risiken für die Bekämpfung des Virus darstellten.

Zuvor war in der Großstadt Beni die Leiche eines Erkrankten entführt worden. Gerade Leichen sind hoch ansteckend und müssen daher unter strengen Sicherheitsbedingungen begraben werden. Der Fahrer eines Leichenwagens änderte auf dem Weg zum Friedhof jedoch seine Route und brachte den Körper der Frau zum Grundstück ihrer Familie, wie das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte.

Sicheres Begräbnis in Beni, Aufnahme aus dem August
REUTERS

Sicheres Begräbnis in Beni, Aufnahme aus dem August

Jugendliche aus dem Stadtviertel kämpften anschließend gegen Sicherheitskräfte, die die Leiche zurückholen wollten. Die Familie brachte sie erst nach mehreren Stunden zum Friedhof. Die Familienmitglieder hätten sich anschließend gegen Ebola impfen lassen und beteuerten, dass niemand den Sarg oder den Leichensack geöffnet habe, so das Ministerium weiter.

Für viele Angehörige sind die strengen Auflagen für Ebola-Beerdigungen oft ein zusätzlicher Schmerz, da sie den örtlichen Traditionen widersprechen.

Rebellenattacken mit Macheten - Helfer mussten Arbeit unterbrechen

Rund um Beni sind außerdem zahlreiche Milizen aktiv, die unter anderem um Bodenschätze kämpfen. Ende September hatte die WHO ihre Arbeit vor Ort nach einem Rebellenangriff unterbrechen müssen. In der Stadt Beni waren mehrere Angreifer durch ein Viertel gezogen und hatten Bewohner mit Macheten attackiert. Unter den Opfern waren viele Zivilisten, auch Frauen und Kinder.

Der Einfluss der Regierung auf das Gebiet ist begrenzt, die Bevölkerung misstrauisch. Einzelne Politiker nutzen das offenbar aus, um die Regierung für die Ausbreitung des Ebolavirus verantwortlich zu machen. Weil die WHO und ihre Partner eng mit dem Gesundheitsministerium zusammenarbeiteten, werden oft auch Mitarbeiter der Hilfsorganisationen angefeindet.

Das Ebolavirus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Bei einer Epidemie 2014/2015 starben in Westafrika mehr als 11.000 Menschen. Infizierte Patienten können das Virus über Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut oder Erbrochenes übertragen. Mittlerweile existieren jedoch experimentelle Impfstoffe und Medikamente, die auch beim aktuellen Ausbruch im Kongo eingesetzt werden.

Video: Unser Kampf gegen Ebola

dbate.de

irb/dpa/Reuters



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gartenkram 16.10.2018
1. Wollen
die Menschen dort nicht verstehen, wie gefährlich das Virus ist? Und wenn die Leichen immer noch so gefährlich sind - auch im Boden überlebt das Virus, oder nicht? Warum werden die nicht verbrannt? Das ist wie Kämpfen gegen Windmühlen mit immer neuen Diskussionen und Aufklärungsversuchen. Dagegen ist abzuwägen, welche Konsequenzen drohen, wenn dem Virus nicht Einhalt geboten wird. Und im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung: drastische Maßnahmen, auch Verbrennen der Toten, wenn das hilft. Wie oft muss die Seuche dort noch ausbrechen?
hmueller0 16.10.2018
2. @1
Zitat von gartenkramdie Menschen dort nicht verstehen, wie gefährlich das Virus ist? Und wenn die Leichen immer noch so gefährlich sind - auch im Boden überlebt das Virus, oder nicht? Warum werden die nicht verbrannt? Das ist wie Kämpfen gegen Windmühlen mit immer neuen Diskussionen und Aufklärungsversuchen. Dagegen ist abzuwägen, welche Konsequenzen drohen, wenn dem Virus nicht Einhalt geboten wird. Und im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung: drastische Maßnahmen, auch Verbrennen der Toten, wenn das hilft. Wie oft muss die Seuche dort noch ausbrechen?
Wollen/können. Man darf nicht vergessen, dass nicht alle Teiler der Welt so "relativ" aufgeklärt sind, wie hier. Und auch hier hat es Jahrhunderte gedauert - diese Entwicklung hat andernorts nicht oder noch nicht stattgefunden. Kann man ja auch in anderen Zusammenhängen beobachten. Ist auch keine Wertung - man müsste es halt nur berücksichtigen, wenn man zB mal wieder Menschen "gegen ihren Willen" helfen will oder sie mal wieder von einem Regim befreien will - statt sich dann zu wundern, dass man zB keine Dankbarkeit bekommt. Und bei den ständigen Ausbrüchen dort, wundert mich die Diskussion noch - 100+ Tote? Was war hier für ein Aufstand als - weltweit - wieviel Menschen an der Geflügelgrippe oder Schweinegrippe gestorben sind? Lag die Zahl nicht darunter? Und das gilt ja nicht nur für Ebola - es gibt massenhaft Krankheiten, die man hier nicht mehr gewohnt ist - das sollte man evtl mal beim allseits beliebten Thema auch berücksichtigen...
darthmax 16.10.2018
3. Konfliktpotential
sicherlich wäre das Verbrennen der Leichen am besten, dagegen stehen aber: die Katholische Kirche, der Islam und das Brauchtum in den Ländern. Wohlhabende Tote werden sogar mit Ihrem Sarg einzementiert, damit niemand sie oder Teile stiehlt.
senapis 16.10.2018
4. Im Kongo nichts Neues...
Das hervorragend recherchierte und extrem packende Buch von Richard Preston (Hot Zone), herausgegeben 1995, beschreibt die Gefährlichkeit des Ebola-Erregers. Die Wirtstiere des Erregers sind immer noch nicht genau bekannt. Erschreckend langsam lernen die Verantwortlichen, dass diese schreckliche Krankheit nur durch entschlossenes Handeln halbwegs bekämpft werden kann. Diese Erreger haben das Potenzial, weite Teile der Menschheit hinweg zu raffen!
Sissy.Voss 16.10.2018
5. Fallzahlen
Während der Ebola-Epidemie 2014/15 gab es ca. 11.000 Tote; während der Grippe-Saison 2016/2017 gab es allein in Deutschland ca. 22.900 Tote (Robert-Koch-Institut). Faktisch stirbt also in Europa jährlich eine mengenmäßig weit größere Anzahl von Personen als an Ebola oder Marburgvirus, den großen, von Hominiden übertragenen hämorrhagischen Fiebererkrankungen. Das Problem bei Ebola ist die hohe Letalitätsrate (Tote nach Infektion, 50-90%) und der damit verbundene Aufwand für die Isolierung. Nur die mittelalterliche Pest hatte eine ähnliche Letalitätsrate (95%) und - zumindest in einigen Landstrichen - bei Pestsepsis einen dramatischeren Verlauf, mit Tod innerhalb von 3 Tagen. Der Chronist von Siena, Agnolo di Tura, klagte, dass sich keiner mehr fände, der die Toten begrübe, und er eigenhändig seine fünf Kinder habe beerdigen müssen. Bei all dem und den heute herrschenden Autokraten ist es nicht beruhigend, dass Pest-, Ebola- und Marburgvirus von der WHO als potentielle Kampfstoffe eingestuft werden. Wir können nur zu Gott beten, dass nicht ein vergleichbarer Schwachkopf der Meinung ist, dass "Biologische Kriege leicht zu gewinnen" sind.
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