Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Studie: Ebola-Impfstoff zeigt in Tests gute Verträglichkeit

Arbeiten im Labor am Universitätsklinikum Tübingen: "Impfstoff-Test gegen Ebola vielversprechend" Zur Großansicht
DPA

Arbeiten im Labor am Universitätsklinikum Tübingen: "Impfstoff-Test gegen Ebola vielversprechend"

Er wird vom Menschen gut vertragen und regt die Bildung von Antikörpern an: Neue Tests mit einem Ebola-Impfstoff machen den Experten Hoffnungen. Möglicherweise könnte eine Zulassung in diesem Jahr noch gelingen.

Es wird immer stiller um die Ebola-Epidemie in Westafrika. Doch längst ist die Lage nicht unter Kontrolle. Zwar sinkt langsam die Zahl der wöchentlich gemeldeten Neuinfektionen, dennoch kommen die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie insbesondere in Guinea und Sierra Leone nur schwer voran.

Viele Experten setzen daher auch auf die jüngsten Erfolge bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Jetzt haben Tübinger Forscher einen weiteren, recht erfolgreichen Impftest im Kampf gegen Ebola vorgestellt. Die internationale Studie mit 138 Freiwilligen in Lambarene (Gabun), Kilifi (Kenia), Genf und Hamburg sei vielversprechend verlaufen, sagte Peter Kremsner, Koordinator der Studie und Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Mittwoch in Tübingen.

Der bereits zehn Jahre alte kanadische Wirkstoff rVSV-ZEBOV-GP (häufig auch als VSV-EBOV abgekürzt), der bisher noch keine Lizenz hat, werde vom Menschen recht gut vertagen. Zudem habe man auch nachweisen können, dass die Probanden Antikörper bilden, so Kremsner. Die Ergebnisse der Studie wurden im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht. Gleichwohl mahnte der Professor vor zu viel Euphorie: Es gebe eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass der Impfstoff auch wirksam sei - explizit nachgewiesen sei das aber noch nicht.

Zulassung noch in diesem Jahr?

Das Patent für den Impfstoff liegt Kremsner zufolge beim Pharmakonzern Merck. Die Experten hoffen, dass er möglicherweise im Laufe des Jahres noch zugelassen wird. Dann könnte er bei einem der nächsten Ebola-Ausbrüche zum Einsatz kommen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind beim aktuellen Ausbruch in Westafrika bisher mehr als 25.000 Menschen mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert worden. Mehr als 10.000 von ihnen sind bisher an den Folgen der Infektion gestorben.

Wie andere Ebola-Vakzine besteht rVSV-ZEBOV-GP im Prinzip aus harmlosen Viren, die genetisch verändert wurden, sodass sie ein bestimmtes Protein des Ebolavirus produzieren. Sie regen das Immunsystem an, Antikörper gegen dieses Protein herzustellen. Auf die Frage, warum der kanadische Impfstoff nicht schon längst marktreif ist, obwohl er schon seit zehn Jahren in der Erforschung ist, antwortet Kremsner: Er vermute, die Entwicklung der kanadischen Gesundheitsbehörde sei "irgendwann hängengeblieben". Das Interesse daran, eine marktreife Impfung zu entwickeln, sei erst mit dem außergewöhnlich dramatischen Ausbruch in Westafrika extrem gewachsen. "Es war eine Notfallsituation."

Impftests auch bei Kindern und Jugendlichen

Damit sei es auch zu erklären, warum die ganzen Verfahren nun vergleichsweise schnell verlaufen konnten. Aktuell würden in Gabun weitere Erwachsene geimpft, um die optimale Dosierung des Impfstoffs zu finden. Auch das Impfen von Jugendlichen und Kindern sei geplant. Die registrierten Nebenwirkungen wie Fieber oder Unwohlsein seien impfüblich, so Kremsner. Gelenkentzündungen, die bei elf Freiwilligen auftraten, seien rasch abgeklungen.

Dem Tübinger Forscher zufolge gibt es noch ein Dutzend anderer Impfstoffe. Nur zwei sind aber in ihrer Entwicklung so weit: Neben dem vorgestellten kanadischen Wirkstoff rVSV-ZEBOV-GP ist es einer namens cAd3-EBOZ. Dieser war von der britischen Firma GlaxoSmithKline (GSK) in Zusammenarbeit mit dem US-Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) entwickelt worden. Beide Testimpfstoffe hatten kürzlich unter anderem auch in großen Studien in Liberia positive Ergebnisse gezeigt.

cib/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. aha
Walther Kempinski 01.04.2015
Dann hat man also tausende Helfer und Ärzte aus Europa und indirekt auch uns, einer tödlichen Krankheit ausgesetzt, obwohl es schon längst einen wirksamen Imofstoff gibt? Ich mein wenn ich die Wahl hätte zwischen total ungeimpft und einem Beta-Test, würde ich die Impfung gern riskieren. Impfgegner sind ohnehin Irre...aber dieser Impfstoff zeigt erneut, wie gut es funktioniert...sofern man es mal verwendet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:


Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: