Feldversuch in Westafrika Neuer Impfstoff schützt vor Ebola

Es hatte keiner mehr zu hoffen gewagt: Forscher haben einen Impfstoff gefunden, der bei Versuchen in Westafrika zuverlässig vor Ebola-Infektionen schützt. Die WHO bezeichnet die Ergebnisse als "extrem vielversprechend".

Guinea: Frau wird mit einem experimentellen Mittel gegen Ebola geimpft
AFP

Guinea: Frau wird mit einem experimentellen Mittel gegen Ebola geimpft


Es könnte ein entscheidender Durchbruch im Kampf gegen Ebola sein: Bei einem großen Feldversuch in Guinea schützte ein neuer Impfstoff zuverlässig vor einer Ansteckung mit dem Virus. Es ist das erste Mal, dass eine derartige Wirkung nachgewiesen werden konnte.

Für ihre Studie reisten die Forscher nach Basse-Guinea - der einzigen Region Guineas, in der im April 2015 noch neue Ebola-Fälle diagnostiziert worden waren. Immer wenn neue Fälle bekannt wurden, versuchten die Forscher, die Kontaktpersonen des Erkrankten ausfindig zu machen. Anschließend boten sie allen Erwachsenen den Impfstoff an. Viele, aber nicht alle nahmen das Angebot an. Nur Schwangere und stillende Mütter waren vom Versuch ausgeschlossen.

Von den mehr als 2000 Personen, die sofort geimpft wurden, infizierte sich ab einem Zeitraum von zehn Tagen nach der Impfung keiner mehr mit der tödlichen Krankheit. Das Mittel VSV-ZEBOV bot demnach ab zehn Tagen einen hundertprozentigen Schutz, heißt es in der Studie. Unter den nicht sofort Behandelten gab es weiterhin Infektionen, wegen der Immunität der Geimpften aber deutlich weniger als üblich. Bei den Daten, die jetzt im im Medizinjournal "The Lancet" veröffentlicht wurden, handelt es sich allerdings nur um erste Zwischenergebnisse.

"Das ist eine extrem vielversprechende Entwicklung", sagte WHO-Chefin Margaret Chan. Die WHO war neben dem US-Pharmakonzern Merck und Co. an der Studie beteiligt. "Dies könnte endlich das Ende der Ebola-Epidemie in Westafrika einleiten und auch in Zukunft für die Bekämpfung dieser Krankheit nützlich sein", so auch Co-Autor Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM).

Es braucht noch weitere Belege

Dennoch: Ob der Impfstoff ein lizensiertes Mittel für den breiten Einsatz bei Ebola-Ausbrüchen wird, muss sich noch zeigen. "Es braucht weitere Belege, um die Sicherheit und Effizienz des Impfstoffs zu beurteilen, und ihn abseits von klinischen Studien zu nutzen", erklärte Studienautor Kollege John-Arne Røttingen von der Universität Oslo. Ein Problem für den Einsatz in tropischen Regionen könnte zudem sein, dass das Mittel kalt gelagert werden muss.

"Ich finde das Ergebnis großartig", sagte Stephan Becker von der Universität Marburg. Er war bereits an mehreren Ebola-Impfversuchen beteiligt, jedoch nicht an der neuen Studie. "Es hatte keiner mehr zu hoffen gewagt, dass man bei diesem Ausbruch in Westafrika die Wirksamkeit eines Impfstoffs noch überzeugend beweisen kann."

Bisherige Versuche hätten mit hlfe von Bluttests lediglich nachgewiesen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert, "aber ob dies tatsächlich ausreicht, um einen Menschen sicher vor Ebola zu schützen, das konnte man erst jetzt zeigen".

Obwohl die Neuansteckungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone seit Jahresbeginn stark zurückgegangen sind, ist das Virus noch nicht besiegt. Solange noch Menschen erkranken, könnte die Epidemie jederzeit wieder aufflammen. Bislang fehlen wirksame Impfstoffe und Medikamente. In Westafrika wurden seit Ende 2014 mehr als 11.200 Ebola-Tote registriert, mehr als 27.700 haben sich laut WHO infiziert.

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irb/AP/dpa/Reuters



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