Westafrika Experten befürchten Scheitern von Ebola-Impfstudien

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird zurückgedrängt, deutlich weniger Menschen stecken sich mit dem gefährlichen Virus an. Ein Dilemma für die in Kürze anlaufenden Impfstudien: Nach SPIEGEL-Informationen zweifeln die Hersteller bereits an deren Erfolg.

Ebola-Zentrum in der Nähe von Freetown, Sierra Leone: Zahl der Neuinfektionen sinkt
REUTERS

Ebola-Zentrum in der Nähe von Freetown, Sierra Leone: Zahl der Neuinfektionen sinkt


In Westafrika sinkt die Zahl der Ebola-Neuinfektionen deutlich, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine gute Nachricht, die die Impfstoffhersteller allerdings vor ein Problem stellt: In den nächsten Wochen laufen große Impfstoff-Studien in den Ebola-Epidemiegebieten an - doch bereits jetzt ist fraglich, ob sie aussagekräftige Ergebnisse bringen werden.

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In den Studien soll untersucht werden, wie viele geimpfte Menschen sich im Vergleich zu den Ungeimpften noch mit Ebola infizieren. Wenn sich nur noch wenige anstecken, wird es schwierig, einen solchen Unterschied nachzuweisen. "Es ist deshalb absolut entscheidend, dass die Studien jetzt schnell anlaufen", sagt Jeremy Farrar, Direktor der britischen Stiftung Wellcome Trust, die die Ebola-Impfstoff-Forschung mit mehreren Millionen Euro unterstützt. "Es wäre unverzeihlich, wenn wir es nicht schaffen würden, jetzt einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln." Selbst wenn die Zahl der Neuinfektionen in den nächsten Wochen weiter sinke, könne es sein, dass sich die Epidemie nur mit einem Impfstoff endgültig beenden ließe.

Die Pharmahersteller bezweifeln jedoch, dass der Wirksamkeitsnachweis mit den Studien gelingen kann. "Wir arbeiten da parallel", sagt Mark Feinberg, beim Pharmakonzern Merck verantwortlich für Impfstoffe, dem SPIEGEL. "Einerseits versuchen wir, die Studie so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen - andererseits denken wir über Alternativen nach für den Fall, dass die Infektionszahlen noch weiter sinken." So könnten zum Beispiel die Ergebnisse mehrerer Studien miteinander kombiniert werden. Oder man kehrt zurück zum Konzept der "Animal Rule", dem Prüfungsverfahren, das die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ursprünglich für Ebola-Impfstoffe vorgesehen hatte.

Dabei wird die Wirksamkeit des Impfstoffs bei Primaten nachgewiesen und dann gezeigt, dass die Immunreaktion des Menschen auf den Impfstoff derjenigen der Tiere gleicht. Solche Daten ließen sich auch mit Studienergebnissen aus den Seuchengebieten kombinieren.

Nach Angaben der WHO haben sich sich Beginn der Epidemie mehr als 21.000 Menschen mit Ebola infiziert, mehr als 8400 sind am Ebolafieber gestorben. Am stärksten betroffen sind die westafrikanischen Staaten Sierra Leone, Liberia und Guinea.



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