Schweiz 120 Freiwillige testen Ebola-Impfstoff

Erstmals wird ein Ebola-Impfstoff an einer größeren Gruppe Freiwilliger getestet: In Lausanne startet eine Studie mit Probanden, die später auch als Helfer in Westafrika zum Einsatz kommen sollen.

Infektionsmediziner Blaise Genton: Zwei Ebola-Impfstoffe sind aus Expertensicht aussichtsreiche Kandidaten
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Infektionsmediziner Blaise Genton: Zwei Ebola-Impfstoffe sind aus Expertensicht aussichtsreiche Kandidaten


Lausanne/Canberra/Washington/Berlin - Die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic hat grünes Licht gegeben: In Lausanne starten in dieser Woche klinische Studien mit einem der vielversprechendsten potenziellen Impfstoffe gegen Ebola. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag mitteilte, sollen insgesamt 120 freiwillige Probanden den Impfstoff erhalten. Zuständig für die Durchführung der Studie ist demnach das Universitätsspital Lausanne (CHUV).

Wie die Swissmedic in einer Presseerklärung mitteilte, werden sowohl die Sicherheit des Impfstoffs als auch seine Wirksamkeit geprüft. Bei der Vakzine handelt es sich um eine Entwicklung der Firma GlaxoSmithKline (GSK) namens cAd3-EBO, die auf einem gentechnisch veränderten Virus beruht und das Immunsystem dazu anregt, Antikörper gegen ein bestimmtes Protein von Ebolaviren zu produzieren.

Der Impfstoff ist bereits zuvor an kleineren Probandengruppen in England, den USA und Mali getestet worden. In Lausanne startet nunmehr die erste Phase-I-Studie mit einer größeren Gruppe an Testpersonen. Von den 120 Probanden soll ein Teil ein Placebo erhalten, also einen Scheinwirkstoff. Zudem wird der Impfstoff in zwei verschiedenen Gruppen verabreicht: Die erste Gruppe aus freiwilligen Helfern wird in die Ebola-Regionen in Westafrika reisen, die zweite bleibt in der Schweiz.

Studienleiter Blaise Geton vom CHUV sagte bei der Vorstellung der Studie, er sei zuversichtlich, dass sie noch vor Weihnachten abgeschlossen sein werde. Verschiedene Hilfsorganisationen seien für die erste Probandengruppe angefragt worden, aus der Schweiz hätten sich bereits zahlreiche Personen für die Studie angemeldet. Die Studienergebnisse sollen als Grundlage für weitere Studien mit mehreren tausend Menschen dienen.

In Westafrika haben sich inzwischen mehr als 10.000 Menschen mit Ebola angesteckt, fast 5000 davon sind an den Folgen der Ebola-Infektion gestorben. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Bisher gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch ein Gegenmittel. Die WHO schätzt, dass eine umfassende Impfkampagne frühestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres gestartet werden kann. Größere Impfstudien könnten in Westafrika bereits Januar 2015 beginnen.

In den USA soll unterdessen die Krankenschwester Amber Joy Vinson gesund aus der Klinik entlassen werden. Die 29-Jährige hatte sich ebenso wie die Krankenschwester Nina Pham bei der Behandlung des Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan in Dallas mit dem Ebolavirus infiziert. Am 15. Oktober war Vinson zur Behandlung in das Emory University Hospital nach Atlanta gebracht worden.

Vinson war schon in der vergangenen Woche für frei von Ebolaviren erklärt worden, dennoch musste sie noch einige Tage in der Spezialklinik bleiben, um sich von der Erkrankung vollständig zu erholen. Am Freitag hatte ihre Kollegin Pham ebenfalls eine Klinik nahe Washington gesund verlassen.

Duncan starb am 8. Oktober an Ebola. Noch ein weiterer Ebola-Patient ist im Krankenhaus, der Arzt Craig Spencer. Er wird in einer Klinik in New York behandelt. Spencer hatte für Ärzte ohne Grenzen in Westafrika gearbeitet, am 14. Oktober kehrte er aus Guinea über Brüssel nach New York zurück. Etwa eine Woche später entwickelte er Symptome.

Aus Angst vor Ebola hatten die USA die Vorsichtsmaßnahmen verschärft. Die US-Regierung ordnete an, dass Soldaten, die aus Ebola-Gebieten zurückkehren, zunächst isoliert werden. Auch verschiedene US-Bundesstaaten haben Zwangsquarantäne für Helfer angeordnet, die aus Einsätzen in den westafrikanischen Ebola-Gebieten nach Hause kommen.

Zwangsquarantänen sind jedoch umstritten. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon kritisierte die Restriktionen. Damit würden vor allem die Helfer besonders belastet, sagte ein Sprecher in New York.

Am Montag hatte die US-Seuchenschutzbehörde CDC ebenfalls neue Richtlinien im Umgang mit Rückkehrern aus den Ebola-Gebieten veröffentlicht. Hochgefährdete Menschen wie etwa Pflegemitglieder mit oder ohne Symptome sollen demnach öffentliche Verkehrsmittel und größere Ansammlungen von Menschen meiden und 21 Tage lang zu Hause bleiben.

Auch Australien hat angesichts der Ebola-Epidemie seine Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Als erstes westliches Land will die Regierung in Canberra vorübergehend keine Visa für Reisende aus den drei vom Ausbruch betroffenen westafrikanischen Ländern mehr ausstellen. Einwanderungsminister Scott Morrison sagte am Dienstag, dass Anträge aus Guinea, Sierra Leone und Liberia nicht mehr bearbeitet würden. Menschen mit einem Dauervisum sollten 21 Tage unter Quarantäne gestellt werden, bevor ihnen die Einreise nach Australien erlaubt werde. Bislang hat sich in Australien niemand mit Ebola angesteckt.

In Deutschland müssen sich zurückkehrende Helfer nach Auskunft des Gesundheitsministeriums beim Gesundheitsamt melden. Dieses könne Beschränkungen der beruflichen Tätigkeit anordnen. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfehle Heimkehrern, 21 Tage Kontakte zu anderen Menschen zu meiden und in dieser Zeit auch ihrem Beruf nicht nachzugehen.

Möglicherweise könnte es aber Änderungen in der Zukunft geben: "Die zuständigen Bundesländer erarbeiten derzeit zusammen mit den Hilfsorganisationen und unterstützt durch das RKI eine Handreichung zum Umgang mit Rückkehrern aus den betroffenen Gebieten", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Dies könne auch als Orientierungshilfe für die örtlichen Gesundheitsbehörden der Bundesländer dienen.

cib/AFP/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Tubus 28.10.2014
1.
Die wichtigste Maßnahme bei der Bekämpfung von Seuchen ist, Infektionsketten zu unterbrechen. Das gelingt am einfachsten durch Isolierung. Das war immer so und bleibt auch so. Seuchenbekämpfung ist deshalb weniger medizinisches als polizeiliches Handeln. Je schneller und entschiedener das geschieht um so besser. Die übliche Reaktion von Behörden ist aber zu spät, zu wenig und zu schlecht.
zauselfritz 28.10.2014
2.
Woran sollen sie deiner Laienmeinung nach denn sterben? Am nicht lebenden Impfstoff? Wohl kaum. Auch tödliche Nebenwirkungen sind bei Versuchen an Menschen zwar nicht ausgeschlossen aber wenig wahrscheinlich. Übrigens, den Impfschutz den du und wir alle für viele andere schlimme Krankheiten seit Jahrzehnten geniessen, verdankst du ebenfalls "Dummen" die sie auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet haben. Oder glaubst du, sowas wächst fix fertig an Sträuchern?
zauselfritz 28.10.2014
3.
Zitat von TubusDie wichtigste Maßnahme bei der Bekämpfung von Seuchen ist, Infektionsketten zu unterbrechen. Das gelingt am einfachsten durch Isolierung. Das war immer so und bleibt auch so. Seuchenbekämpfung ist deshalb weniger medizinisches als polizeiliches Handeln. Je schneller und entschiedener das geschieht um so besser. Die übliche Reaktion von Behörden ist aber zu spät, zu wenig und zu schlecht.
Die Infizierten isolieren sich aber nicht selbst, sie müssen isoliert und gepflegt werden - durch Menschen. Und für eben diese Menschen ist dieser Impschutz in aller erster Linie gedacht. Freilich kann man auch ungeschützt helfen, aber wer will das schon wenn die Aussicht auf einen Impfschutz besteht?
segr 28.10.2014
4.
Viren leben generell nicht. Soviel zum Thema Laienmeinung ;)
bjbehr 28.10.2014
5. Ahnungslos
An alle, die meinen, Aspirin oder Nasentropfen seien vom Himmel gefallen: Es gibt kein einziges Meidikament, keine Hals-, Nasen- und/oder Ohrentropfen - und auch nicht Aspirin -, das vorher nicht 1. im Labor, 2. am Tier und 3. in menschlichen Studien erprobt worden und von einer europaeischen Ethikkommission auf den Markt erlaubt worden ist. Sollten Sie also eines dieser Arzneien jemals in Ihrem Leben brauchen oder gebraucht haben, urteilen sie doppelmoralisch und sollten beim naechsten Mal - besser schweigen.
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