Tote in Guinea Rotes Kreuz fürchtet weitere Angriffe auf Ebola-Helfer

Aus Helfern wurden Opfer: Nach dem tödlichen Angriff auf ein Ebola-Aufklärungsteam in Guinea warnt das Rote Kreuz vor weiteren Gewalttaten. Indien verschiebt wegen der Seuche eine Konferenz ins kommende Jahr.

Rot-Kreuz-Mitarbeiter (in Liberia): "Frustration und Angst vor der Krankheit"
AFP

Rot-Kreuz-Mitarbeiter (in Liberia): "Frustration und Angst vor der Krankheit"


Genf/Conakry - Nach der Ermordung von Ebola-Helfern in Guinea hat das Internationale Rote Kreuz eindringlich dazu aufgerufen, weitere Gewalttaten zu verhindern. "Angriffe wie diese - hervorgerufen aus Frustration und Angst vor der Krankheit - sind nicht akzeptabel", mahnte die Organisation in Genf. Jede Aktion, die Hilfe erschwere, trage zur Verbreitung der Krankheit bei. In Orten, wo medizinische Hilfe nicht möglich sei, habe die Zahl der Ebola-Fälle zugenommen.

Insgesamt sind dem Virus in Westafrika seit Anfang des Jahres 2630 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten davon in Liberia. Experten gehen davon aus, dass es in Wahrheit noch erheblich noch mehr Tote sind.

Am Freitag war bekanntgeworden, dass eine Gruppe aufgebrachter Dorfbewohner in Guinea eine Delegation aus Regierungsvertretern, Medizinern und Journalisten angegriffen und mindestens sieben Menschen getötet hatte - darunter auch Helfer des Roten Kreuzes. Die Hilfsdelegation war in der Region um Womey im Südosten des Landes unterwegs, um über die Gefahren durch das Virus zu informieren. Sechs Tatverdächtige wurden nach offiziellen Angaben festgenommen.

Indien sagt Gipfeltreffen ab

Unterdessen hat die Epidemie auch außerhalb Afrikas zunehmend Auswirkungen. So verschob die indische Regierung den dritten Indien-Afrika-Gipfel. Das für den 4. Dezember geplante Wirtschaftsforum werde in Absprache mit der Afrikanischen Union (AU) auf das Jahr 2015 verlegt, sagte ein Sprecher des indischen Außenministeriums. Das Gipfeltreffen sei angesichts der Richtlinien für die öffentliche Gesundheit "logistisch" schwer zu bewerkstelligen.

Zwar begannen bereits im August an den indischen Flughäfen umfangreiche Kontrollen für aus Westafrika einreisende Passagiere. Gesundheitsminister Harsh Vardhan sprach von "fortschrittlichsten Überwachungs- und Erkennungssystemen". Dennoch haben Experten Zweifel an den Kapazitäten des indischen Gesundheitssystems, sollte Ebola einmal in dem Land mit mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern auftauchen. Sie bezweifeln, dass die Behörden in der Lage wären, schnell Quarantänemaßnahmen einzuleiten und Behandlungszentren zu errichten.

Aus Sorge vor einer Ausbreitung von Ebola verlängerte der Afrikanische Fußballverband ein Verbot von Spielen in Guinea, Liberia und Sierra Leone auf unbestimmte Zeit. Damit müssen Guinea und Sierra Leone Qualifikationsspiele für den African Nations Cup zum wiederholten Mal ins Ausland verlegen. Guinea musste eine Partie gegen Togo bereits in Marokko abhalten. Die Teams der Länder dürfen zudem nur noch nach strengen Kontrollen für Spiele in andere afrikanische Länder einreisen.

Die Vereinten Nationen wollen am Montag Vorausteams einer Sondermission zur Bekämpfung der Epidemie nach Westafrika entsenden. Das kündigte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an. Die Teams sollen im Hauptquartier der Mission in Ghana sowie in Guinea, Liberia und Sierra Leone tätig werden. Die Sondermission soll selbst noch in diesem Monat nach Westafrika geschickt werde.

Steinmeier weist Kritik zurück

Für die Bundesregierung wies Außenminister Frank-Walter Steinmeier(SPD) erneut Kritik an den deutschen Hilfsbemühungen zurück. "Diese kritischen Stimmen sollten auch berücksichtigen, dass wir mit Blick auf Syrien, Nordirak, die Ostukraine sowie die Flüchtlingsströme im Libanon und Jordanien mit mehreren humanitären Großkrisen gleichzeitig konfrontiert sind", sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag" laut einer Vorabmeldung.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte der Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug zur Bekämpfung der Ebola-Seuche zu leisten. So sei zum Beispiel der angekündigte Transport einer Krankenstation in das Krisengebiet ohne zugehöriges Personal wirkungslos. Der Vorstandsvorsitzende der Organisation, Tankred Stöbe, erneuerte die Kritik am Samstag im Radiosender NDR Info. Er sei "beschämt, was ich hier von unserer Regierung erlebe".



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insgesamt 14 Beiträge
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mork101 20.09.2014
1. Bitter
Das traurige ist doch auch, dass eigentlich recht simple hygienische Maßnahmen ausreichen würden, um eine weitere Ausbreitung des Ebolavirus zu verhindern, welches ja - anders als Vogelgrippe, SARS und MERS - nicht durch die Atemluft übertragen wird. Es ist schockierend, was den Helfern, die selbstlos Kopf und Kragen riskieren, dort angetan wurde. Warum können nicht einheimische Helfer die Aufgabe übernehmen, ihre Mitmenschen über die erforderlichen Hygienemaßnahmen aufzuklären? Ihnen würde vielleicht weniger brutales Misstrauen entgegenschlagen.
Thunder79 20.09.2014
2. krass,
wenn man das hier so liest. Das Ganze kann tierisch ins Auge gehen. Ich kann die Bevölkerung in Afrika verstehen, leider sind es zumeist ungebildete Menschen, die nicht verstehen, woher dieser Virus kommt und denken, dass dies ein Spuk der Weißen Menschen ist. Schwierig, Herr über die Lage zu werden.
praetor300 20.09.2014
3. Nicht über die Atemluft übertragbar?
Schön wäre es, aber ganz richtig ist das nicht: "There is considerable misunderstanding concerning the potential for aerosol transmission of filoviruses. The data on formal aerosol experiments leave no doubt that Ebola and Marburg viruses are stable and infectious in small-particle aerosols, and experience of transmission between experimental animals in the laboratory supports this [49, 56–63]. Indeed, during the 1989–1990 epizootic of the Reston subtype of Ebola, there was circumstantial evidence of airborne spread of the virus, and supporting observations included suggestive epidemiology in patterns of spread within rooms and between rooms in the quarantine facility, high concentrations of virus in nasal and oropharyngeal secretions, and ultrastructural visualization of abundant virus particles in alveoli [17, 50]. However, this is far from saying that Ebola viruses are transmitted in the clinical setting by small-particle aerosols generated from an index patient [64]. Indeed patients without any direct exposure to a known EHF case were carefully sought but uncommonly found [65]. The conclusion is that if this mode of spread occurred, it was very minor." http://jid.oxfordjournals.org/content/179/Supplement_1/ix.full
lalito 20.09.2014
4. konkret
Alleine die Resonanz in den Foren zu Ebola zeigt anhand des geringen Interesses - verglichen mit weit irrelevanteren Themen - das Wegschauen und Nihilieren angesichts einer aufkommenden Seuche. Im Text wurden nun einige der wenigen konkreten Aussagen bestätigt. Scheinbar wird es der Weltgemeinschaft nunmehr langsam klar, dass dieser Ausbruch sie in ihrer Gesamtheit betrifft. Meine Hochachtung vor den Menschen, die seit Ausbruch den Mut besitzen in dieser Situation und unter den gegebenen Umständen helfen zu wollen und dies auch tun. Gedenken an die, die es taten und daran zugrunde gehen mussten. Der Artikel und die genannten Hintergründe lassen die Entsendung von 3000 Soldaten aus den Vereinigten Staaten nachvollziehbar und die Perspektiven duster erscheinen. Houston, oder wer immer uns hört - wir haben da ein Problem!
kolejnik 20.09.2014
5. @praetor300
Nein, Ebola is NICHT über die Luft übertragbar. Die vielzitierete Studie von 2012 zeig nunmal eben nicht das das Virus über die Luft übertragbar ist. Zwar wurde das Virus von Schweinen auf Affen übertragen, über einen Weg von 50cm aber es gab keine Übertragen von Affe zu Affe, obwohl die Käfige direkt nebeneinander standen. Und zum Thema, ob das virus so mutieren kann, das es über die Luft übertragbar ist, hat Vincent Racaniello Ph.D., Professor of Microbiology & Immunology in the College of Physicians and Surgeons of Columbia University, einen schönen Beitrag geschrieben: http://www.virology.ws/2014/09/18/what-we-are-not-afraid-to-say-about-ebola-virus/
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