Kommentar zur Ebola-Krise in Westafrika Schauen Sie hin!

Durch das Ebolavirus droht keine unmittelbare Gefahr für Europa. Deshalb ist uns die Epidemie egal. Ein Fehler.

Szene in Monrovia, Liberia: Ein Mann, der wahrscheinlich an Ebola erkrankt ist, liegt auf der Straße
AP/dpa

Szene in Monrovia, Liberia: Ein Mann, der wahrscheinlich an Ebola erkrankt ist, liegt auf der Straße

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Sie erinnern sich bestimmt an die Ice Bucket Challenge. Die US-amerikanische ALS Association sammelte durch den weltumspannenden Trend des Eisduschens innerhalb weniger Wochen mehr als hundert Millionen Dollar Spenden. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene Krankheit, aber eine, die den Menschen nahegeht, wenn sie erst einmal davon gehört haben. Die Betroffenen verfallen schrittweise einer vollständigen Lähmung, gefangen im eigenen Körper. Die Kollegin kann es ebenso treffen wie den Nachbarn. Oder einen selbst. Da ist die Solidarität groß.

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Heft 39/2014
Die entfesselte Seuche

Fast parallel zur Challenge mehrten sich die Ebola-Schreckensmeldungen aus Westafrika. Bilder von Todkranken, die vor überfüllten Behandlungszentren ausharren. Von Menschen, die dort gestorben sind, weil die wenigen Helfer vor Ort keine Kapazitäten mehr haben.

Warum berichtet ihr so ausführlich über ein paar Tausend Tote in Afrika, fragen uns Leser. Sterben da nicht jedes Jahr mehr Menschen an Malaria? Warum sollte uns Ebola kümmern?

Westafrika ist weit weg

Sierra Leone, Guinea und Liberia sind weit weg - gefühlt noch ferner als Mexiko. Als dort 2009 die Schweinegrippe ihren Anfang nahm, war man hierzulande deutlich besorgter. Die Weltgesundheitsorganisation WHO änderte sogar ihre Richtlinien, um den Ausbruch der Schweinegrippe zur Pandemie erklären zu können.

Ein neuartiges Grippevirus, hochinfektiös, bedroht im Prinzip Menschen auf der ganzen Welt. Die Kollegin kann es ebenso treffen wie den Nachbarn. Oder einen selbst.

Ebola ist anders als die Grippe. Zum einen sterben etwa 70 Prozent der Erkrankten. Zum anderen: "So ein Ausbruch würde in Europa und Nordamerika schnell wieder eingedämmt werden", sagt der Entdecker des Ebolavirus, Peter Piot, im Gespräch mit dem SPIEGEL. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC hat vorgerechnet, dass die Epidemie in Westafrika schnell vorbei wäre, wenn nur 70 Prozent der Erkrankten so behandelt würden, dass sie niemanden anstecken. 70 Prozent.

In Deutschland wäre das ein leichtes Unterfangen. In den betroffenen Ländern ist es das Gegenteil. Laut WHO stehen in Sierra Leone und Libera rund 1600 Betten jetzt oder in Kürze für Ebola-Patienten zur Verfügung. Nötig wären 2100 mehr. Jetzt. Die Zahl der Infizierten steigt rasant - im weit entfernten Westafrika. Die Kollegin wird es sicher nicht treffen oder den Nachbarn. Oder einen selbst.

Aus Tausenden können schnell Hunderttausende werden

Das macht es einfach, die Krankheit zu ignorieren. Anstatt zum Beispiel für Ärzte ohne Grenzen zu spenden, die seit Monaten gegen die Epidemie kämpfen. Oder sich gar Eiswasser über den Kopf zu schütten, um Freunde zur Spende zu animieren.

Die Ebola-Epidemie aber wird sich immer schneller ausbreiten, wenn nicht umgehend Hilfsmaßnahmen anlaufen. Schon jetzt ist es auch eine humanitäre Katastrophe. Und jeder Tag Verzögerung bedeutet mehr Infizierte, die noch mehr Menschen anstecken. Aus ein paar Tausend Toten können binnen weniger Monate Hunderttausende werden, prognostiziert die CDC - und das ist keine Schwarzmalerei, sondern eine wissenschaftlich fundierte Rechnung.

Und ja, dabei steigt das Risiko, dass sich die Ebolaviren besser an den Menschen anpassen und viel leichter übertragbar werden. Dann könnte es auch die Kollegin treffen, den Nachbarn. Oder einen selbst.

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60

BIC: BYLADEM1001

Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22

BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

IBAN: DE26 2106 0237 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00

BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
kastenmeier 26.09.2014
1.
Wie sinnvoll ist es, auf eine humanitäre Katastrophe aufmerksam machen zu wollen, und dabei erstmal den Generalverdacht, es sei uns scheißegal, was mit den Menschen passiert, in den Raum zu stellen, Frau Weber? Sagen Sie uns einfach, was wir tun können, um erstens den Menschen zu helfen und zweitens Ihnen, damit Sie sich nicht länger genötigt sehen, in Ihren Landsleuten nur Soziopathen zu sehen, deren Hilfsbereitschaft da endet, wo die Vorstellungskraft nicht ausreicht, dass man sich selbst als potentiell Betroffener sieht, Frau Weber. Ihr Text ist m. E. einer dieser, die aus dem Bauch heraus verfasst, sich in sich schlüssig und nachvollziehbar anhören, solange man die Aussagen nicht mit der Wirklichkeit vergleicht. Auf Letzteres zu verzichten ist oberflächlich, aber Ihre Sache. Dass das zu oben beschriebenem Vorwurf führt, den Sie sich anmaßen, einfach mal so hinauszuposaunen, ist einfach nur unverschämt und damit m. E. nicht nur "Ihre Sache".
t dog 26.09.2014
2. Ok
Wir fühlen uns jetzt betroffen. Was kann Deutschland jetzt unternehmen um effektiv helfen zu können? 400.000 sehr gut ausgebildete Helfer und 4000 Feldlazarette von der Kapazität eines Kreiskrankenhauses wären wichtig. Wir könnten alle Flugzeuge der EU konfesszieren und sie für Versorgungsflüge einsetzen. Alles andere greift zu kurz und ist daher nur gut gemeint, aber nutzlos.Das Überspringen des Virus auf weitere Länder zu stoppen wäre eher etwas was wir leisten vielleicht leisten könnten. Um einer Mutation vorzubeugen muss die Anzahl der Infizierten dringend stark reduziert werden, wenn wir nicht auch zu 80% alle sterben wollen. Lasst uns gemeinsam überlegen wie man das schnell, effektiv und kostengünstig hinbekommen kann. Mir fällt nur eine Möglichkeit ein, die behalte ich aber lieber für mich.
Hinrich7 26.09.2014
3. bitte keine
Allgemeinplätze, sondern konkrete Vorschläge: was wird gebraucht, wer wird gebraucht, wo können wir helfen ? und weitere Fragen ergeben sich: was können wir tun , damit Spendengelder (wie auch immer gesammelt) nicht bei korrupten Menschen, oder Organisationen versickern? Wer kontrolliert die Vergabe der Spenden? Erst wenn diese Fragen geklärt sind wären eine Vielzahl von Menschen, Firmen, Organisationen bereit zu helfen - Afrika ist nicht so weit weg wie uns die Autorin suggeriert - wir sind einfach nur desillusioniert. Auch in Afrika gibt es unendlich reiche Menschen, was tun diese Menschen um zu helfen?
gruenisteineschoenefarbe 26.09.2014
4. Wir von Aragua danken allen Spender_innen
Denn es gibt sie, diejenigen die Spenden und uns dabei unterstützen mutigen und engagierten lokalen Kräften in Monrovia den Rücken frei zu halten und benötigte Materialen in die Hände. https://www.betterplace.org/de/projects/22139-ebola-verhindern-familiensets-zur-desinfektion-in-liberia
dkoedo 26.09.2014
5.
Sehr geehrte Frau Weber, da es sich bei ihrem Beitrag um einen Kommentar handelt, darf der sicher provozierend sein. Bis zu einem gewissen Grad. Die absolute Verallgemeinerung durch die Verwendung des Personalpronomen "uns" betrachte ich allerdings als mehr als nur eine Provokation. Inhaltlich will ich nur auf ein Argument eingehen: wer einigermassen mitdenkt, erkennt relativ einfach, dass die Aussage, ein Ausbruch könne in Europa und Nordamerika relativ leicht eingedämmt werden, nur ein Placebo sein kann. Zudem ist es verwerflich, die Risiken eines Massenausbruchs in Asien zu ignorieren. Je mehr Infektionen es weltweit gibt, desto grösser wird das Risiko, dass das Virus sich auch hier ausbreiten kann. Nachdem sich innerhalb weniger Tage für einen freiwilligen Einsatz im Kampf gegen Ebola mehrere tausend Deutsche gemeldet haben, ist die Verwendung des allgemeinen "uns" nicht wirklich gerechtfertigt. Diese Freiwilligen dürften sich darüber klar sein, dass das Risiko eiener Infektion relativ gering ist, wenn man sich ständig an alle verfügbaren und sinnvollen Schutzmassnahmen hält. Ein Restrisiko bleibt dennoch, 100% Prozent Sicherheit gibt es nie. Und dem "Normalbürger" darf man Verdrängung zum Teil zugestehen. ALS verläuft zwar auch tödlich, aber zum Einen nicht so schnell, zum Anderen ist es nicht ansteckend. Zum Schluss noch eine Frage: warum haben Sie nicht Forschungsinstitutionen benannt, an die man für den Kampf gegen Ebola spenden kann?
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