Ebola-Hysterie in den USA Würdeloses Durcheinander

In einigen US-Bundesstaaten müssen alle Reisende aus Westafrika in Quarantäne, die Kontakt mit Ebola-Patienten hatten. Eine Krankenschwester kritisierte das Vorgehen der Behörden scharf. Sie sei am Flughafen Newark wie eine Kriminelle behandelt worden.

Kontrolle am Flughafen von Chicago: Angst vor Ebola
DPA

Kontrolle am Flughafen von Chicago: Angst vor Ebola


Bamako/New York - Nach dem ersten Ebola-Fall in New York wächst in den USA die Angst vor dem Virus - aber auch die Hysterie. Eine Krankenschwester, die von einem Hilfseinsatz in Sierra Leone in die USA zurückkehrte, hat das Verhalten der US-Behörden nun scharf kritisiert.

Am Flughafen Newark in New Jersey sei sie stundenlang festgehalten und ausgefragt worden, als sei sie "eine Kriminelle", schrieb Kaci Hickox in einem Beitrag für die Zeitung "The Dallas Morning News". Sie wünsche solch eine Situation niemandem und sorge sich um ihre Kollegen, die künftig aus Ebola-Gebieten heimkehrten.

Am Freitag hatten die Bundesstaaten New York und New Jersey ihre Einreisebestimmungen für alle verschärft, die aus Westafrika in die USA zurückkehren. Wer mit Ebola-Patienten Kontakt hatte, muss nun 21 Tage lang in Quarantäne. Doch offenbar hapert es bei der Umsetzung der neuen Sicherheitsvorkehrungen.

Hickox schrieb, sie habe am Flughafen ein "wahnsinniges Durcheinander" erlebt. Niemand habe sich verantwortlich gefühlt und ihr gesagt, wie es weitergehe. Schließlich sei sie eskortiert und von acht Polizeiautos ins Krankenhaus gebracht worden, wo ein erster Ebola-Bluttest negativ ausfiel.

"Wir brauchen mehr medizinisches Personal im Kampf gegen die Epidemie in Westafrika", schrieb Hickox. "Die USA müssen die Pflegekräfte bei ihrer Heimkehr mit Würde und Menschlichkeit behandeln." Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen, für die die Krankenschwester in Sierra Leone arbeitete, zeigte sich besorgt angesichts der mit den neuen Quarantäne-Regeln verbundenen "Unklarheit".

Ein US-Experte kritisierte die verschärften Maßnahmen jedoch. Die Quarantäne könne ungeahnte Folgen haben, sagte Anthony Fauci vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases. Das Vorgehen der Bundesstaaten halte Helfer davon ab, Ebola in Westafrika zu bekämpfen. Als Arzt und Wissenschaftler hätte er diesen Schritt nicht empfohlen.

Eine mit Ebola infizierte Pflegeschwester aus Dallas hat die Krankheit indes überstanden. Das Virus sei bei ihr nicht mehr nachweisbar, teilte die US-Gesundheitsbehörde mit.

Zahl der registrierten Ebola-Fälle steigt auf mehr als 10.000

Die Zahl der registrierten Ebola-Fälle erreichte unterdessen ein neues Hoch. Bis Donnerstag seien 10.141 Ansteckungen registriert worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Die Zahl der Toten sei auf 4922 gestiegen. Die Dunkelziffer liege aber höher.

In Mali war am Donnerstag erstmals das Ebolavirus entdeckt worden - bei einem zwei Jahre alten Mädchen. Das Kind sei kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben, teilte der Direktor des Hospitals dem französischen Sender RFI mit. Das Mädchen war zuvor im Nachbarland Guinea gewesen, das stark von der Seuche betroffen ist. Mali wollte die Grenze zu dem Land dennoch offen halten. Das benachbarte Mauretanien entschied sich hingegen, die Grenze zu Mali zu schließen.

Die amerikanische Uno-Botschafterin Samantha Power reiste derweil in das Ebola-Gebiet in Westafrika, um für mehr Unterstützung im Kampf gegen die Seuche zu werben. Sie wolle sich ein Bild vor Ort machen und die Erkenntnisse dazu nutzen, andere Länder aufzufordern, mehr zu tun, sagte Power.

US-Arzneimittelbehörde gibt neue Tests frei

Die US-Arzneimittelbehörde FDA gab mittlerweile zwei neue Tests frei. Es sei wichtig, dass das Virus möglichst schnell diagnostiziert werden könne, teilte die Behörde mit. Die beiden Tests von BioFire könnten Ebola innerhalb von einer Stunde in Blut- oder Urinproben feststellen. Derzeit dauere es 24 bis 48 Stunden, bis Ergebnisse vorlägen. Das Verfahren könne in allen Krankenhäusern mit Laborausrüstung von BioFire angewandt werden, die Proben müssten nicht mehr in spezialisierte Labore geschickt werden. Davon würde auch das Bellevue Krankenhaus profitieren, in dem der infizierte New Yorker Arzt Craig Spencer behandelt wird.

gam/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 117 Beiträge
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robbyy 26.10.2014
1. Es passt zur traurigen Realität...
Jede Gesellschaft kriegt die Krankheit die zu ihr passt. Und so ist die aggressive schnelle Verbreitung von Ebola ein Synonym für unseren schnellen aggressiven Kapitalismus.... und die Panikreaktionen tragen sicherlich nicht zur Beruhigung und Bekämpfung der Lage bei....
ossian 26.10.2014
2. ich finde es vollkommen normal das
auch Pflegepersonal das aus diesen Gebieten anreist besonders sorgfältig untersucht und gegf. in Karantäne kommt. Was gibt es da zu kritisieren? Nur in Deutschland wird dies nicht durchgeführt. Warum nicht !!!!
ofelas 26.10.2014
3. Land of the Fee
"Sie sei am Flughafen Newark wie eine Kriminelle behandelt worden" und damit ganz normal bei der Einreise in die USA, aber sie sollte sich mal anschauen wir "Auslaender" und Muslime gehandelt werden, da gibt es noch eine Steigerung
Lankoron 26.10.2014
4. Muss dann Frau
Power bei ihrer Rückkehr auch 21 Tage in Quarantäne? Nichts gegen diese Quarantäne, nur sollte man sie dann auch richtig vorbereiten und anwenden. Offensichtlich hat man aber wie so oft bei Politikern erst den Mund weit aufgerissen und nicht die Folgen bedacht. Ach ja...was ist eigentlich mit den Mitreisenden der Krankenschwester.....hat man die auch alle getestet und eingesperrt? Die Flugbegleiter? Wie ist das, wenn man z.B in Kanada umsteigt, oder in Europa, bekommen die US-Grenzer dann die mögliche Gefährdung überhaupt mit?
p2c2e 26.10.2014
5. .....
"Die amerikanische Uno-Botschafterin Samantha Power reiste derweil in das Ebola-Gebiet in Westafrika ..." Ob die Dame bei ihrer Rueckkehr genauso behandelt wird wie die Krankenschwester?
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