Weltgesundheitsorganisation Ebola-Ausbruch in Westafrika noch schlimmer als gedacht

Mehr als tausend Menschen sind bislang in Westafrika an Ebola gestorben. Tatsächlich dürfte die Zahl jedoch weit höher sein, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation. Viele Opfer wurden anscheinend gar nicht gemeldet.


Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet, dass die Ebola-Epidemie in Westafrika schwerwiegender ist als gedacht. Mitarbeiter hätten in den betroffenen Gebieten Hinweise dafür gefunden, dass die Zahl der gemeldeten Todesfälle und Erkrankten nicht die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegele, so die WHO. Bei der Organisation sind bislang 1975 Fälle in den vier von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria erfasst, 1069 Menschen starben daran. Die Zahlen müssen nun wohl nach oben korrigiert werden.

Die WHO rechnet damit, dass sich die Epidemie in den kommenden Wochen noch weiter ausbreitet. Die Ebola-Seuche war vor einer Woche zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt worden. WHO-Chefin Margaret Chan traf sich am Donnerstag mit mehreren Uno-Botschaftern, um über ein Nothilfeprogramm für die betroffenen Länder zu beraten.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Mittwoch alle deutschen Staatsbürger, die nicht als Ärzte oder Botschaftsmitarbeiter vor Ort sind, zur Ausreise aus den westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia aufgefordert. Die USA gehen noch einen Schritt weiter: Sie ziehen die Mitarbeiter der US-Botschaft in Sierra Leone ab.

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Ebolaviren: Tödliche Erreger
In allen vier von Ebola betroffenen Ländern ist der Gesundheitsnotstand ausgerufen worden. In Liberia droht wegen der Epidemie inzwischen eine Lebensmittelknappheit. Auch andere lebenswichtige Güter können das Land kaum noch erreichen, nachdem das Nachbarland Elfenbeinküste den Schiffsverkehr aus den betroffenen Ländern durch seine Gewässer verboten hat.

Auch der Luftverkehr aus und nach Liberia nimmt immer weiter ab. Die Gesellschaften Air France, British Airways, ASky und Arik haben ihre Flüge nach Monrovia bereits eingestellt. Die amerikanische Delta kündigte an, der letzte Flug der Gesellschaft starte am 27. August.

Von Ebola war erstmals im März aus Guinea berichtet worden, erste Erkrankungen gab es in der Region aber wohl schon im Dezember. Das Virus hatte sich schnell nach Liberia und Sierra Leone ausgebreitet. Es handelt sich um die erste Ebola-Epidemie in Westafrika und den schlimmsten Ausbruch der Krankheit, der bisher registriert wurde.

vet/dpa/afp

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Ronnyrichard 15.08.2014
1. Wohl unterschätzt!
Der Ausbruch von Ebola ist wohl schlimmer als gedacht! Die Spanische Grippe 1918/1919 hat auch mehr Menschen getötet, als es der Erste Weltkrieg vermochte. Das Augenmerk der Weltgemeinschaft sollte mehr auf Ebola gerichtet sein!
Gudrun 15.08.2014
2. Wie wäre es denn,
Wenn unsere Bundesregierung Hilfsgüter dort hin schickt, anstatt in den Irak? Wir sind medizinisch doch sehr weit entwickelt...
rkinfo 15.08.2014
3. Problem: Ignorieren der modernen Medizin vor Ort
Eine rationale Bekämpfung von Ebola ist vor Ort erschwert denn viele Menschen leben in okkulten Vorstellungen wie bei uns die Homöopathie oder Impfgegner. Dies hat den Verlauf der Erkrankungen stark negativ beeinflusst und vermutlich sogar das Ausmaß und viele unnötige Todesfälle verursacht. Somit müssen WHO und Ärzte nicht nur gegen Erreger sondern auch gegen finstere irrationale Denkstrukturen bei Erkrankten und sozialem Umfeld angehen - sehr schwierige Situation.
-fezi- 15.08.2014
4. Zynismus pur -
Zitat von sysopAFPMehr als tausend Menschen sind bislang in Westafrika an Ebola gestorben. Tatsächlich dürfte die Zahl jedoch weit höher sein, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation. Viele Opfer wurden anscheinend gar nicht gemeldet. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-in-guinea-sierra-leone-liberia-nigera-zahlen-sind-falsch-a-986207.html
in Afrika sterben Menschen in großer Zahl, hingerafft von einer schrecklichen Seuche. Statt medizinisches Gerät usw. in diese Region zu liefern, liefern wir den gleichen Kram lieber in eine Kriegsregion um der Bevölkerungsgruppe zu helfen, die dieses mal Opfer ist, nächstes mal aber vielleicht schon wieder zu den Täter gehört. Unverständlich.
nickleby 15.08.2014
5. Epidemie Ebola
Die vielen bisher nicht gemeldeten Opfer sind wahrscheinlich nur der Anfang einer beispiellosen Schlamperei in der Moderne. Es ist höchst bedenklich, dass Europäer und Amerikaner sich für die Menschen dort aufopfern, weil diese Afrikaner bekanntlich Flughunde essen. Man weiß, dass diese Tiere sowie Affen Überträger der Seuche sind. Man kann sich nur wundern, dass die Behörden es bisher noch nicht geschafft haben, ihren Bürgern zu verdeutlichen, dass man keine Flughunde und Affen essen darf. Das hat nichts mit Kultur zu tun, sondern ist leichtsinnig und brisant für die Welt. Diese Länder müssen sollten versuchen, mit ihren Mitteln und Aufklärung die Seuche zu bekämpfen. Warum soll eine europäischer Helfer (Arzt, Pfleger) dort sein Leben riskieren, weil die Einwohnert nicht von Flughunden und Affen lassen können
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