Angst in Liberia Papa sagt, das ist kein Ebola

Im Dorf der kleinen Mary haben sich 20 Menschen mit Ebola infiziert, 16 sind gestorben. Den Vater des Kindes haben die Bewohner davongejagt - weil er die Krankheit eingeschleppt haben soll.

Chris de Bode/ Save the Children

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Die 15 Monate alte Mary* wird das Ebolafieber wahrscheinlich überleben. Noch ist das Kleinkind in einem Behandlungszentrum in Liberias Hauptstadt Monrovia. Dort geht es ihr von Tag zu Tag besser, bald wird sie wohl entlassen werden können. Mary ist eine von Tausenden Ebola-Infizierten in Westafrika.

Doch ihr Dorf in Bong County, in das Mary zurückkehren kann, wird ein anderes sein - vor allem für das Kind und seine nahen Verwandten.

Es war Marys Vater, der Ebola in den Ort gebracht hat.

Rund 250 Menschen lebten in dem abgelegenen Dorf, schildert Sabine Copinga von der Hilfsorganisation Save the Children. Sie hat Mary und ihre sechsjährige Tante Phoebe* gemeinsam mit dem Fotografen Chris de Bode eine Weile begleitet. Die meisten Menschen im Dorf leben von der Landwirtschaft, einige pendeln zum Arbeiten in umliegende Orte.

Trotz Quarantäne ins Dorf zurückgekehrt

Marys Vater, ein angesehener Mann im Ort, kehrte mit seinem erwachsenen Sohn aus Monrovia zurück. Die beiden hatten sich über eine Quarantäne hinweggesetzt. Als der Sohn erkrankte, beschwichtigte der Vater Familie und Nachbarn: Das ist nicht Ebola. Als der Sohn starb, wurde sein Leichnam gewaschen, gesalbt, die Verwandten verabschiedeten sich, wie es Brauch ist. Dabei sind an Ebola Verstorbene hochinfektiös.

Die Menschen wussten von der Gefahr durch die Krankheit, aber sie vertrauten dem Vater, der sagte: Es ist nicht Ebola. Nach der Beerdigung wurde schnell klar, welch ein Irrtum das war. Insgesamt erkrankten 20 Dorfbewohner, sagt Copinga, 16 sind gestorben. Marys Eltern überlebten, zwei Kranke sind noch in Behandlung.

Weil abgesehen von der Großmutter alle erwachsenen Verwandten erkrankt waren, brachte Save the Children Mary und Phoebe nach Monrovia. In eine Einrichtung, in der Ebola-Überlebende sich um Kinder kümmern. 21 Tage - nach dieser Zeit ist das Ebolafieber nach einer Ansteckung fast immer ausgebrochen - sollten beide Mädchen dort bleiben.

Sabine Copinga sagt, sie war selbst vor Ort, als Mary Fieber bekam: "Eben haben wir noch mit ihr gespielt, dann war sie plötzlich ganz heiß." Das Mädchen kommt in ein Ebola-Behandlungszentrum. Halbwaise Phoebe sah mit an, wie ihre kleine Nichte von Helfern abgeholt wurde, die in ihren Schutzanzügen wie Astronauten aussehen.

Marys Mutter wartet

Phoebe, deren Mutter an den Komplikationen einer Fehlgeburt starb, hat die 21 Tage Beobachtungszeit fast überstanden. Sie hat sich wohl nicht angesteckt. Zusammen mit Mary wird sie in ihr Heimatdorf zurückkehren können, wo Marys Mutter schon wartet. Marys Vater hat zwar die Krankheit überlebt, zu Hause auf seine Tochter warten wird er dennoch nicht: Die Gemeinschaft hat ihn fortgejagt, den Mann, der Ebola ins Dorf brachte.

Wenn sie Marys Mutter fragte, wie es ihr im Dorf jetzt gehe, sagte sie, alles sei in Ordnung, erzählt Sabine Copinga. Doch sie hat mitbekommen, dass die Familie jetzt einen schweren Stand im Dorf hat.

Auch ohne weitere Erkrankungsfälle leidet der gesamte Ort noch unter der Epidemie. Das Dorf steht seit Wochen unter Quarantäne. Die Bauern können nichts verkaufen, nichts kaufen. Alle, die in anderen Orten arbeiten, dürfen dort nicht hin und bekommen kein Geld. Essen ist knapp. Sie wisse von einer jungen Mutter, die ihr Kind nicht stillen konnte und ihm deshalb Wasser gegeben hat, sagt Copinga. Es gebe ja nichts anderes.

Viele essen das Fleisch von erlegten Wildtieren, sogenanntes Bushmeat. Man geht davon aus, dass das Ebolavirus auf diesem Wege überhaupt erst von Tieren zum Menschen gelangt ist. Ja, sie wüssten, dass es gefährlich ist, sagten die Dorfbewohner. Aber was sollen sie sonst essen?

21 Ebola-Fälle, 16 Todesfälle. Von 17.000 Erkrankungs- und rund 6000 Todesfällen. Die Weltgesundheitsorganisation geht nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer aus.

Hier sehen Sie die Geschichte von Mary und Phoebe in Bildern.

(*Namen geändert)

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 07.12.2014
1. ...
Die Menschen wussten von der Gefahr durch die Krankheit, aber sie vertrauten dem Vater, der sagte: Es ist nicht Ebola. Nach der Beerdigung wurde schnell klar, welch ein Irrtum das war. Soll man diese Menschen bedauern? Das Mitgefühl sagt ja, aber der Verstand sagt nein. Während des Schwarzen Todes im Mittelalter haben Familienmitglieder sich gegenseitig verlassen, weil sie wussten, daß ein Infizierter den sicheren Tod zu fürchten hat und jeder in seiner Nähe ebenso. Das ist nicht menschlich, nach moralischen Maßstäben, aber vielleicht doch sinnvoll. Immerhin kann man so die Krankheit stoppen und so auch andere davor bewahren, wenn man schon die eigenen Familienmitglieder nicht mehr retten kann. Die Ebola-Katastrophe zeigt, wie rückständig Afrika in jeder Beziehung ist. Das sind nicht nur Nachwirkungen des Kolonialismus. Diesem Kontinent fehlt eine Aufklärung, wie sie Europa hatte. Und der Mut, Mißständen selbst zu begegnen, statt auf Hilfe zu warten.
der_durden 07.12.2014
2.
Wie muss sich dieses kleine Mädchen gefühlt haben. Ohne Eltern, mit einem Fremden, in weiß eingepackten Menschen in eine fremde Umgebung verbracht zu werden... Grauenhaft. @Newspeak: Sie verklären die Tatsachen und machen es sich reichlich einfach. Dass Afrika in weiten Teilen nach wie vor rückständig ist, liegt auch in unserer Verantwortung. Erst war der Kontinent in europäische Kolonien aufgeteilt und wurde dabei bis heute ausgebeutet. Noch heute begegnet man diesem Land nicht auf Augenhöhe. wir karren unseren Abfall dorthin, fischen vor den Küsten und lassen die kostbaren Rohstoffe dort abbauen, die wir für niedrigsten Kosten abkaufen. Sie reden nun davon, dass Land solle sich endlich selbst helfen und nicht ständig auf Hilfe hoffen. Das ist wirklich zynisch. Ich behaupte nicht, dass die Schuld ausschließlich bei den wirtschaftsstarken Nationen liegt, wir aber haben lange Zeit nichts dafür unternommen, dass Afrika den elenden Status Quo durchbrechen konnte. Langsam setzt ein Umdenken ein, aber nicht aus der eigenen Erkenntnis heraus, sondern weil China Afrika als vollwertigen Handelspartner entdeckt hat. Auf einmal wurde auch in Europa von der Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen und man hat das billige Liefern von Reissäcken in Frage gestellt.
herkurius 07.12.2014
3. Schuld
Wenn Ebola durch unsere Abfälle nach Afrika gekommen sein soll, hätten wir die Seuche doch zuerst haben müssen. Und wenn die, wie gehabt, die Angehörigen von Hilfsorganisationen totschlagen, die dort über Seuchen informieren wollten, wieso ist das dann unsere Verantwortung, daß sie rückständig bleiben? Ich verstehe die Argumentation von der_durden einfach nicht.
der_durden 07.12.2014
4.
Wie kommen Sie darauf, dass meine Aussage wäre, die Seuche wäre durch unseren Abfall...? Sie haben es wirklich nicht im Ansatz verstanden. Vielleicht hilft es: Ich antworte auf den Beitrag von Newspeak.
Miere 08.12.2014
5. Dorf
Moment. Von den armen Kindern und Verstorbenen jetzt mal abgesehen: Das ist ein _Dorf_, in dem die meisten Einwohner von der _Landwirtschaft_ leben, ja? Und die essen jetzt Bushmeat? (Wie fängt man das, wenn man _im Dorf_ unter Quarantäne steht?) Diese Bauern essen also jetzt Bushmeat (also jene Stachelschweine, die zufällig durchs Dorf laufen, oder wie?), weil sie nichts anderes haben, solange sie nicht in der Stadt einkaufen können. Was wächst denn da auf den Feldern, was sie nicht essen können? Ich meine, es ist ja an sich möglich - Sisalagaven für europäische Einkaufstaschen oder sowas - aber auf den ersten Blick wirkt das so nicht ganz logisch, dass ausgerechnet Bauern nix zu essen haben, wenn sie zu Hause bleiben müssen.
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