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Sierra Leone: Der Tod reist mit

Aus der Ebola-Region berichtet Musa Mewa

Ebola-Epidemie: Ausnahmezustand in Sierra Leone Fotos
REUTERS

Ebola hat das Leben der Menschen in Westafrika verändert. Man gibt sich nicht mehr die Hand, Familien schotten sich ab, Ebola-Gegenden werden gemieden. Das hilft, die Seuche einzudämmen - und schafft neue Probleme.

ZUM AUTOR
  • Musa Mewa, 32, hat Geschichte und Politik studiert und ist Journalist und Rechtsanwalt in Freetown, Sierra Leone. Er berichtet für lokale Medien insbesondere über das politische und soziale Geschehen in dem westakfrikanischen Land. Zuletzt analysierte er das Medienrecht in Sierra Leone. Für SPIEGEL ONLINE reiste Musa Mewa in die Stadt Kenema, wo er viele Menschen traf, deren Angehörige an dem Ebola-Fieber gestorben sind.
Als Amie Besuch von ihrer Schwester Messie bekommt, ahnt sie nicht, dass Messie ihr den Tod bringt. In Daru, der knapp 6000 Einwohner großen Hauptstadt des Kommunalvolksgebiets Jawei in Sierra Leone, ist Madam Amie Kallon eine sehr bekannte Persönlichkeit: Sie ist die Frau von Musa Ngoumbu Klah Kallon, dem Stammeshäuptling von Jawei.

Messie war aus einem Ort etwa hundert Kilometer nördlich von Daru gekommen. Es ist ein sehr kleines Dorf, weniger als hundert Menschen leben dort - 37 davon sind bisher an den Folgen des gefürchteten Ebola-Virus gestorben. Und Messie hatte die Seuche in die größere Stadt Daru eingeschleppt. Auch ihre Schwester Amie starb am hämorrhagischen Fieber.

Tragische Schicksale wie dieses sind es, die von der Ausbreitung der Ebola-Epidemie erzählen. Die Menschen fahren von Ort zu Ort, auch wenn sie erste Anzeichen von Fieber, Gliederschmerzen oder Durchfall haben, und stecken andere an. Für Hunderte Menschen in Westafrika bedeutete das den Tod.

"Wir müssen die Reisen der Menschen durch das Land einschränken. Bis wir das Virus gestoppt haben. Ebola ist zwar ansteckend, aber es ist nicht durch die Luft übertragbar", sagt Sheku Tamu, Chef des Ahmadiyya Muslim Hospital in Kenema, im Südosten von Sierra Leone. Kenema ist ein wichtiges Handelszentrum und die drittgrößte Stadt im Land. Immer wieder kommen Menschen aus den ländlichen Regionen in die Stadt, und so blieb auch sie nicht von der Ausbreitung der Ebola-Seuche verschont.

Am Freitag erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Lage in Westafrika zum internationalen Gesundheitsnotfall und stellte damit einen Maßnahmenkatalog vor, den die betroffenen Staaten zur Eindämmung der Epidemie umsetzen sollen. Dabei stehen insbesondere die Landesgrenzen im Fokus der Behörde: An internationalen Flughäfen, Häfen sowie größeren Grenzübergängen sollen alle Menschen genau kontrolliert und mindestens deren Temperatur gemessen werden. Gibt es Anzeichen für eine Infektion, sollte ihnen die Ausreise untersagt werden. In Liberia hat die Regierung fünf Landkreise unter Quarantäne gestellt.

Es sei aber nicht nur die freie Bewegung der Menschen, die man kontrollieren müsse, sagt Tamu. Der Arzt, der seit gut zwanzig Jahren im Muslim Hospital arbeitet, kennt die Ängste der Bevölkerung: Seit dem Ausbruch kämen die meisten Infizierten nicht mehr in die Krankenhäuser - aus Angst vor einer Ebola-Diagnose. "Jene, die erste Symptome aufweisen, werden von ihren Angehörigen sogar versteckt", erzählt der 65-Jährige. "Sie kümmern sich zu Hause um die Betroffenen - und stecken sich dabei selbst an." Am gefährlichsten sei die Ansteckungsgefahr, wenn Mitglieder der Gemeinden die Toten für das Begräbnis vorbereiteten.

"Wir müssen die Menschen aufklären und ihnen sagen, dass sie ihre Verwandten, Freunde und Bekannte mit Ebola-Symptomen in medizinische Einrichtungen bringen müssen." Immerhin, sagt Tamu, habe sich die Einstellung inzwischen etwas gebessert. Es gelinge nach und nach, die Bevölkerung für die drohende Gefahr zu sensibilisieren. Im Kenema Hospital nehme die Zahl jener Bürger zu, die Fieber oder schwere Kopfschmerzen haben und sich freiwillig testen lassen.

Zugleich, so erzählt es Ibrahim Kuyateh, Mitarbeiter des Bürgermeisters von Kenema, habe der Ebola-Ausbruch zu einer Wagenburgmentalität der Bevölkerung geführt. Familien und Nachbarn schotteten sich von den anderen ab. Viele hätten Angst, in andere Orte zu fahren. Jene Dörfer, von denen man wisse, dass dort jemand an Ebola gestorben ist, würden gemieden.

"Die Menschen fürchten sich auch davor, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln durch Kontakt mit anderen Personen anzustecken", sagt Kuyateh. Die Angst der Bürger habe die kommerziellen Aktivitäten in der Stadt massiv beschränkt, Kenema drohe in wirtschaftliche Not zu geraten.

Zwar hat die US-Medikamentenbehörde FDA inzwischen die Beschränkungen für ein neues, noch nicht zugelassenes Medikament gelockert, um die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika zu stoppen. Doch für die meisten Experten steht fest: Nur mithilfe effizienter Vorsorgemaßnahmen und strenger Kontrollen werde man in der Lage sein, die Seuche einzudämmen. Auch das Gesundheitsministerium in Sierra Leone legt den Schwerpunkt darauf.

Dennoch fürchtet die WHO, dass sich die Lage in Westafrika noch weiter verschlimmern wird. "Wir sind darauf vorbereitet, dass das Ausmaß der Epidemie noch einige Monate auf diesem hohen Niveau bleiben wird", sagte Keiji Fukuda, WHO-Leiter der Abteilung für Gesundheitssicherheit, am Freitag. "Es ist wahrscheinlicher, dass die Situation zunächst noch schlimmer wird, bevor sie sich verbessert." Für die Regierung in Sierra Leone gleicht das einem Worst-Case-Szenario. Ein Fortdauern der Seuche könnte für die schon jetzt in Schrecken versetzte Bevölkerung verheerende Folgen haben.

Das Leben in dem Land - seit dem Ausbruch ist es ein anderes geworden. Auf Plakaten, in Broschüren, den Medien und in medizinischen Einrichtungen: Überall erfahren die Bürger, dass sie anderen nicht die Hand schütteln und jeglichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten vermeiden sollen. Öffentliche Versammlungen sind verboten. Vor Banken, Polizeistationen, Gerichtsgebäuden, aber auch in Privathäusern oder Büros stehen Sicherheitsbeamte. Sie kontrollieren jeden, der hineinmöchte und weisen ihn dazu an, sich die Hände mit Desinfektionsmittel zu waschen. Selbst Bankmitarbeiter nehmen Bargeld nur noch mit Handschuhen entgegen.

Mitarbeit und Übersetzung: Cinthia Briseño

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Ebola nicht hoch stilisieren
b5200 09.08.2014
der Artikel beleuchtet auch etwas ueber die allgemeinen Hintergruende/Bedingungen vor Ort. Sicher ist Ebola gefaehrlich und die Sterblichkeitsrate hoch. Dass sich Ebola so gut ausbreiten kann, liegt auch (vielliecht so gar vor allem) an den Bedingungen: schlechte Infrastruktur, unhygienische Verhaeltnisse im allgemeinen, verbreiteter Aberglaube/Vodoo usw. Viele Menschen dort, vor allem die aermeren, sind koeperlich sowieso geschwaecht und damit auch deren Immunsystem. Das alles zusammen genommen ergibt dann, dass es Krankheiten, nicht nur Ebola, einfacher haben sich auszubreiten.
2.
Tiananmen 09.08.2014
Zitat von sysopREUTERSDer Ebola-Ausbruch hat das Leben der Menschen in Westafrika verändert. Man gibt sich nicht mehr die Hand, Familien schotten sich ab, Ebola-Gegenden werden gemieden. Das hilft, die Seuche einzudämmen - schafft aber neue Probleme. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-in-sierra-leone-behoerden-versuchen-das-virus-zu-stoppen-a-985152.html
Schön, dass die Leute mehr Verstand haben als ihre Regierenden. Sie meiden gefährliche Orte. Im pestgeplagten Venedig des *14. Jhs.* war es städtische Verordnung, dass Neuankömmlinge die Serenissima erst 30 oder 40 Tage nach einer Internierung auf der Laguneninsel Lazaretto Nuovo betreten durften. Dass Quarantäne persönliche Unannehmlichkeiten mit sich bringt, dürfte nachvollziehbar sein. Das Lamento über die sozialen Nachteile von Abschottung und Vorsicht gegenüber anderen ist mir nicht verständlich. Die Alternative kann der Tod sein. Da ist man dann erst recht alleine.
3. @b5200
kraichgau12 09.08.2014
Voodoo/Aberglaube???? Die Ahmdiyya von denen die Klinik im Bericht betrieben wird,sind muslims. Zum muslimischen Glauben gehört die rituelle Totenwaschung zwingend dazu...zwingend! denke,google oder wiki hilft da weiter. Und aufgrund dieser Tatsache ist die Sache noch eine Weile nicht ausgestanden,denn diese sitte wird nur unter zwang nicht vollzogen
4. @kraichgau12
koelner_dom 09.08.2014
Voodoo und Aberglaube sind in Westafrika noch sehr weit verbreitet. Auch in den Metropolen.
5. Afrika als ganzes
b5200 15.08.2014
Zitat von kraichgau12Voodoo/Aberglaube???? Die Ahmdiyya von denen die Klinik im Bericht betrieben wird,sind muslims. Zum muslimischen Glauben gehört die rituelle Totenwaschung zwingend dazu...zwingend! denke,google oder wiki hilft da weiter. Und aufgrund dieser Tatsache ist die Sache noch eine Weile nicht ausgestanden,denn diese sitte wird nur unter zwang nicht vollzogen
Habe mich nicht auf die Ahmdiyya im speziellen sondern auf Afrika als ganzes bezogen. Dass es regionale Unterschiede gibt ob und wieviel Voodoo/Aberglaube vorhanden/praktiziert wird, ist mir durchaus bewusst. Ebenso, dass es auch eine Frage der Bildung ist.
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Ebolaviren: Tödliche Erreger
Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.

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