Patient abgewiesen Was beim Ebola-Fall in Dallas schiefgelaufen ist

Obwohl er Körperkontakt mit einer Ebola-Kranken hatte, reist ein 40-Jähriger in die USA. Dann zeigen sich Symptome, ein Krankenhaus weist den Mann ab - er könnte andere Menschen angesteckt haben. Was sind die Folgen? Der Überblick.

Absperrung vor der Apartmentanlage in Dallas, in der der Ebola-Patient wohnte: "Das ist ein ernster Fall"
AP/dpa

Absperrung vor der Apartmentanlage in Dallas, in der der Ebola-Patient wohnte: "Das ist ein ernster Fall"

Von Cinthia Briseño


Wie hat sich der Ebola-Patient angesteckt?

Der 40-Jährige stammt aus Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Wie ein Korrespondent der "New York Times" aus Monrovia berichtet, hatte der Mann am 15. September direkten Kontakt zu einer Ebola-Kranken. Dabei handelte es sich um die 19-jährige Tochter seiner Vermieter, die im siebten Monat schwanger war. Der Mann half der Familie, die Tochter in ein Krankenhaus zu bringen. Doch weil die Kliniken vollkommen überlastet sind, wurde die Patientin abgewiesen. Der Mann half der Familie, die schwer kranke Tochter wieder ins Haus zu tragen und hatte dabei direkten Körperkontakt. Später in der Nacht starb die 19-Jährige.

Vier Tage später bestieg der Mann eine Maschine und flog nach Dallas, wo er am 20. September landete. Laut der "New York Times" leben in den USA sowohl sein Sohn als auch seine Schwester, die er besuchen wollte. Am 24. September entwickelte er die ersten Symptome. Etwa zur gleichen Zeit erkrankte der 21-jährige Bruder der jungen Frau in Monrovia. Er starb auf dem Weg in ein Krankenhaus. Inzwischen soll auch ihr Vater gestorben sein.

Wie viele Menschen kann der Ebola-Kranke angesteckt haben?

Personen, die sich mit Ebola infiziert haben, sind erst dann ansteckend, wenn sie Symptome zeigen. Dazu gehören unter anderem hohes Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall oder Erbrechen. Bei dem 40-Jährigen begann sich die Krankheit am 24. September zu zeigen. Am 28. September wurde er auf eine Isolierstation im Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas verlegt. Innerhalb dieser vier Tage hatte er nach aktuellsten Angaben Kontakt zu 12 bis 18 Personen. Unter ihnen sind seine Verwandten, bei denen er in einer Apartmentanlage wohnte, sowie fünf Schulkinder und mindestens drei Mitglieder des Ambulanzteams, das ihn ins Krankenhaus brachte.

Unklar ist, ob sich Personen auch über Ebrochenes des Infizierten angesteckt haben könnten: Berichten zufolge musste sich der 40-Jährige zwei Tage nach seinem ersten Krankenhausbesuch vor dem Apartmentkomplex übergeben. Eine Ansteckung kann aber nur dann erfolgen, wenn man mit Erbrochenen in direkten Kontakt kommt. Das dürfte in diesem Fall eher unwahrscheinlich sein.

Was ist in Dallas schiefgelaufen?

Wie amerikanische Medien berichten, suchte der Mann zwei Tage, nachdem er Fieber bekam und es ihm schlecht ging, das Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas auf. Dort diagnostizierten die Ärzte Fieber aufgrund eines "gewöhnlichen viralen Infekts", gaben ihm Antibiotika und schickten ihn wieder nach Hause. Abgesehen davon, dass Antibiotika bei viralen Infekten nicht wirken: Den Berichten nach hatte der Mann einer Krankenschwester gesagt, dass er aus Liberia komme. "Leider wurde diese Information nicht an das ganze Team kommuniziert", sagte ein Vertreter des Texas Health Presbyterian Hospitals.

Sollten sich die Berichte bestätigen, hieße das, dass das Krankenhaus nicht den Empfehlungen der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gefolgt ist. Nach Beginn der Ebola-Epidemie in Westafrika hatte die US-Seuchenbehörde Notfallpläne und Checklisten für medizinische Einrichtungen und Personal ausgegeben, was im Fall eines Verdachts zu unternehmen sei. In dem entsprechenden Papier heißt es: "Reisende aus westafrikanischen Ländern mit Symptomen sollten als Verdachtsfälle behandelt werden."

Wie werden die Kontaktpersonen beobachtet?

Die CDC hat nach eigenen Angaben zehn Experten nach Dallas geschickt, die den Fall näher untersuchen werden. Sie werden sämtliche Personen, mit denen der Mann innerhalb der vier fraglichen Tage Kontakt hatte, isolieren und regelmäßig auf Anzeichen von Symptomen überprüfen. Solange die Kontaktpersonen noch keine Symptome haben, sind sie selbst nicht ansteckend.

Nach einer Infektion mit dem Ebolavirus dauert es maximal 21 Tage, bis das Ebolafieber ausbricht. Zeigen die Kontaktpersonen innerhalb dieser Zeit keine Symptome, haben sie sich nicht infiziert. Kommt es bei ihnen doch zu Anzeichen von Fieber, werden sie sofort unter Quarantäne gestellt und behandelt. Zudem muss dann geklärt werden, mit welchen Personen sie Kontakt hatten, nachdem die Symptome aufgetreten sind. Dann wiederholt sich die Prozedur. Kritisch wird es, wenn die Kontaktpersonen des ersten Patienten nicht identifiziert und somit nicht beobachtet werden können. Dann ist eine weitere Ausbreitung des Virus möglich.

Wie amerikanische Medien berichten, sind die fünf Schulkinder ausfindig gemacht worden. "Die Kinder zeigen keine Symptome, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie irgendein Virus verbreiten", sagte ein Vertreter der örtlichen Schulbehörde. Sie wurden aber gebeten, in den nächsten Wochen nicht zum Unterricht zu gehen. Demnach stehen ebenfalls die betroffenen Schulen durch die örtlichen Behörden unter Beobachtung und werden zudem gründlich gereinigt. Auch der Rettungswagen, mit dem der Ebola-Patient in die Klinik eingeliefert worden war, ist laut den Behörden nicht mehr im Einsatz. "Das ist ein ernster Fall", sagte Rick Perry, der Gouverneur von Texas am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Aktualisierung: Inzwischen gaben die Gesundheitsbehörden in Texas bekannt, dass man sicherheitshalber auch jene Menschen unter Beobachtung gestellt habe, die in Verbindung zu den Kontaktpersonen des Mannes standen. Insgesamt handelt es sich um mehr als 80 Personen.

Wie hoch ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in den USA?

Im Grunde ist in Dallas genau das passiert, was in Westafrika derzeit Dutzende oder gar Hunderte Male täglich passiert: Ein Ebola-Erkrankter wird mit Symptomen wieder nach Hause geschickt - und ist somit eine Gefahr für andere. Der Unterschied: In den betroffenen westafrikanischen Ländern passiert das derzeit in den meisten Fällen nicht aus Unwissenheit, sondern weil die Kliniken und Behandlungszentren restlos überlastet sind und kaum Patienten aufnehmen können.

Im Gegensatz zu Westafrika sind die Behandlungsmöglichkeiten von Ebola-Patienten in den USA geradezu optimal. Auf einen Infizierten kommt eine beträchtliche Zahl von Ärzten und medizinischen Hilfskräften, und die Isolierstationen in den Krankenhäusern sind weitaus besser ausgestattet als die Behandlungszentren in Liberia, Guinea und Sierra Leone. Selbst wenn noch weitere der Kontaktpersonen in den USA an Ebola erkranken sollten, dürfte das Risiko eher gering sein, dass sie weitere Menschen angesteckt haben, weil sie relativ rasch ausfindig gemacht und unter Beobachtung gestellt werden konnten.

Zudem zeigt die Erfahrung in Westafrika: Je früher die Patienten behandelt werden, desto höher ist ihre Überlebenschance. Mehrere US-Helfer, die sich in Westafrika angesteckt hatten, sind seit Ausbruch der Epidemie in die USA ausgeflogen und behandelt worden. Bisher ist keiner der Betroffenen gestorben.

Die Flugroute des Ebola-Patienten in die USA
Kann der Ebola-Patient schon während des Flugs aus Liberia andere angesteckt haben?

Wer sich mit dem Ebolavirus infiziert hat, wird erst nach dem Auftreten von Krankheitssymptomen wie Durchfall, Erbrechen oder Fieber ansteckend. Der Erkrankte entwickelte erst vier Tage nach seiner Einreise in Dallas Symptome. Auf seinem Weg dorthin, auf dem er auch mehrere Stunden Zwischenstopp in Brüssel gemacht hatte, bestand daher laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin "keine Gefahr für andere Flugpassagiere".

DPA/ CDC

Mitarbeit: Heike Le Ker

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
vrdeutschland 02.10.2014
1. Alles wird gut
Gut daß der Mann nicht bei der Ankunft in Brüssel in der Warteschlange gehustetoder sonstwie geniest hat. Damit tritt das Problem nur isoliert in den USA auf. Kein Grund zur Panik... P.S.: Kann mit einer mal erklären warum überhaupt noch Flugzeuge aus Gefährungsgebieten hier ohne weiteres landen und deren Passagiere durchgeschleust werden ?
günterjoachim 02.10.2014
2. Schlimm...
Ein ganz schön verantwortungsloses Verhalten des 40 jährigen Patienten, ein ziemlicher Armleuchter...
Trainspotter 02.10.2014
3.
Es ist absolut fahrlässig, dass Leute aus den betroffenen Ländern frei reisen können. Denn selbst wenn sie beim Abflug noch keine Symptome zeigen, können diese dann am Zielort auftreten.
etemenanki 02.10.2014
4. Ganz schön bösartig ...
... Ihr Kommentar :-), wundert mich, dass er durch die Spon-Zensur gekommen ist. Hat der Praktikant, der das freigeschaltet hat, wahrscheinlich nicht kapiert. Obama als Sarg der Menschheitsgeschichte ... Egal, you made my day!
geirröd 02.10.2014
5. Kontakte zu 12- 18 Personen?
DAS ist eine Differenz von 6 Personen! Der Patient müsste doch wohl ziemlich genau aufzählen, zu wie vielen Personen er Kontakt hatte. Hinterher ist doch noch irgendwie jemand infiziert und dann heisst es: "Ach ja, den hatte ich ja ganz vergessen zu erwähnen - sorry".
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