Ebola "Kampf gegen den Ausbruch wird kein Sprint, sondern ein Marathon"

672 Menschen sind in Westafrika bislang an Ebola gestorben, auch Ärzte und Helfer haben sich angesteckt. Vorurteile und Misstrauen erschweren den Kampf gegen den bisher größten Ausbruch der Epidemie.

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Meistens kommt erst das Fieber. Die Kopf- und Gliederschmerzen. Das Schwächegefühl. Symptome, die auch für eine Grippe typisch sind. Dann aber folgen Erbrechen, Durchfall, Ausschlag. Ebola beeinträchtigt Leber und Nieren. Bei einigen Betroffenen kommt es schließlich zu den gefürchteten inneren und äußeren Blutungen - Hämorrhagien. Deshalb spricht man auch vom hämorrhagischen Fieber.

Je nach Typ des Ebola-Virus sterben 50 bis 90 Prozent der Infizierten. Impfungen gegen Ebola befinden sich noch im frühen Entwicklungsstadium. Ein Heilmittel existiert nicht. Die Überlebenschancen der Betroffenen können lediglich durch eine medizinische Behandlung erhöht werden: indem den Patienten, die durch Erbrechen und Durchfall ausgetrocknet sind, Flüssigkeit zugeführt wird.

1201 bestätigte Ebola-Infektionen meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO bis zum 27. Juli. 672 Menschen sind daran gestorben. Die Epidemie hat sich seit März von Guinea ausgehend nach Sierra Leone und Liberia verbreitet. In der Millionenstadt Lagos in Nigeria starb ein Mann, der mit dem Flugzeug angereist war. Nachdem er während des Flugs von Liberia heftige Symptome entwickelt hatte und nach der Landung am Flughafen kollabiert war, wurde er sofort in eine Klinik gebracht und isoliert. Die Hilfe kam zu spät.

"Die Epidemie ist beispiellos"

Bei der Epidemie in Westafrika handelt es sich um den bisher größten bekannten Ebola-Ausbruch der Geschichte. Die medizinischen Helfer, Gesundheitsorganisationen und Behörden vor Ort sind teils restlos überfordert. Ärzte ohne Grenzen schlagen Alarm: "Diese Epidemie ist beispiellos, sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle, und die Situation verschlechtert sich immer weiter", sagte Einsatzleiter Bart Janssens einer belgischen Zeitung.

Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.
Bisher konnte das grassierende Virus nicht gestoppt werden. Nun sind weitergehende Maßnahmen gefragt, um die Lage in den Griff zu bekommen: Zwei afrikanische Fluggesellschaften haben beschlossen, die Hauptstädte von Liberia und Sierra Leone nicht mehr anzufliegen.

Zu Beginn der Epidemie muss das Ebola-Virus mindestens einmal von Tier zu Mensch gesprungen sein, der Erreger findet sich unter anderem in Flughunden. Seither, so vermuten Experten, passierten die allermeisten Übertragungen von Mensch zu Mensch. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen vergehen im Schnitt acht bis zehn Tage - während dieser Inkubationszeit sind Betroffene nicht ansteckend.

Gelangen Körperflüssigkeiten eines Erkrankten auf die Schleimhäute oder in Wunden eines anderen Menschen, ist eine Ansteckung möglich. Über kontaminierte Oberflächen wie etwa dreckige Bettwäsche kann sich jemand ebenfalls infizieren, sofern die Viren über Schleimhäute oder Verletzungen in den Körper gelangen. Laut WHO fanden sich bei einem Mann, der die Ebola-Infektion überstanden hatte, allerdings noch 61 Tage später Viren in der Samenflüssigkeit.

Ein großes Problem: In Westafrika führen auch Beerdigungszeremonien, bei denen Trauernde den Toten berühren, dazu, dass sich Ebola derzeit in einem nie gekanntem Ausmaß ausbreitet. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften berichtet von Bemühungen, diesen Übertragungsweg zu versperren: Junge Männer, die im Osten Sierra Leones ihr Geld normalerweise als Taxifahrer oder Bauarbeiter verdienen, kümmern sich in voller Schutzkleidung um Verstorbene - gerade auch um jene, die in ihrem Zuhause dem Virus erlegen sind.

Ärzte und Helfer erkrankt

Aber auch jene, die vor Ort den Kranken helfen, geraten zunehmend in Gefahr: In den vergangenen Wochen infizierten sich einige Ärzte und medizinisches Personal mit Ebola. Am Dienstag meldete Ärzte ohne Grenzen den tragischen Verlust von Sheik Umar Khan, einen der führenden Ärzte im Kampf gegen Ebola in Sierra Leone, der an den verheerenden Folgen der Infektion starb und seither als nationaler Held verehrt wird. Vor wenigen Wochen starb auch ein Arzt aus Uganda in Liberia, und zwei US-amerikanische Helfer steckten sich ebenfalls mit dem Virus an. Wie sie sich infiziert haben, ist nicht bekannt.

Einige Zeit bestand offenbar noch Hoffnung für Sheik Umar Khan, die Infektion zu überstehen: Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wurde angefragt, ob dort zwei Ebola-Infizierte, darunter Khan, behandelt werden könnten. Die Klinik verfügt zwar über entsprechende Einrichtungen und Schutzmaßnahmen. Ob aber jemals ein Ebola-Kranker nach Deutschland verlegt wird, ist ungewiss, da die Erkrankten in vielen Fällen kaum transportfähig sein dürften.

Vorbehalte der Bevölkerung

Das medizinische Personal vor Ort kämpft nicht nur ums Überleben der Patienten, sondern vielerorts auch gegen Vorurteile und fehlendes Vertrauen der Bevölkerung. Die meisten, die in ein Behandlungszentrum gingen, verließen es in einem Leichensack, sagt der US-Arzt Billy Fischer der "Washington Post". Das Misstrauen sei deshalb nicht völlig unbegründet.

Die größte Schwierigkeit bleibe die Skepsis der Menschen gegenüber den Ärzten, sagt auch die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, Katherine Mueller. Menschen mit Ebola-Symptomen wendeten sich oft an traditionelle Heiler statt an die Gesundheitszentren. Viele Westafrikaner seien der Auffassung, dass Ebola gar nicht existiere.

Das Auswärtige Amt warnt derzeit Reisende aus Deutschland und rät "von nicht notwendigen Reisen nach Guinea, vor allem in die betroffenen Regionen und die betroffenen Grenzgebiete zu Liberia und Sierra Leone ab", auch wenn wissenschaftlicher Einschätzung und offiziellen Berichten derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit bestehe.

Bis der Ebola-Ausbruch in Westafrika unter Kontrolle ist, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnten bald weitere Länder betroffen sein, warnte Janssens von Ärzte ohne Grenzen. Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen große Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus.

Auch die US-amerikanische Seuchenbehörde CDC erwartet in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Fälle. Stephan Monroe, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten der CDC malt ein düsteres Szenario: "Der Kampf gegen diesen Ausbruch wird kein Sprint, sondern ein Marathon."

Mit Material von dpa und AFP

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
A_E_Neumann 30.07.2014
1. Bildung
Bei einer gut ausgebildeten Bevölkerung kann man die Verbreitungswege doch beschreiben und damit die Seuche eindämmen. Wieviel wurde denn hier gemacht? Selbst wenn man heute anfängt, jedes Kind zwingend zur Schule zu schicken, dann ernten wir die Früchte in vielleicht 40 Jahren. Aber das ist ein anderes Thema. Was mich beunruhigt, ist die Gefahr, dass sich der Erreger anpasst. Wer kann dazu etwas beitragen? Besteht die Gefahr, dass er sich zum "schlummern" entwickelt und erst nach drei Jahren ausbricht? Oder könnte er sich durch Luft übertragen? Danke für fachkundige Antworten.
laurahoffmann86 30.07.2014
2.
ich finde es schlimm, dass es im Jahr 2014 noch solche Krankheiten gibt und die Menschen Krieg führen! Hoffe man kann es bald stoppen
limubei 30.07.2014
3. Dummheit Überbevölkerung Ignoranz
Dagegen ist kein Kraut gewachsen. So schlimm das Ganze ist. Wir können nur zuschauen und evtl Grenzen dicht machen. Ich möchte sehen, wie sich der Bundesdeutsche verhält, wenn er eingeschränkt wird in seinem normalen Bewegungsprofil. Da wird das Geschrei gross werden. Zu letzt hilft nur noch Militär, Gewalt und abgrenzen. Personen die sich nicht fügen wollen sind dann dumm dran. Das was am meisten fehlt auf diesem Planeten, ist die wirkliche Nutzung von Intelligenz sowie soziale Kooperation.
limubei 30.07.2014
4. Bürgerkriege, Boko Haram etc
Zitat von A_E_NeumannBei einer gut ausgebildeten Bevölkerung kann man die Verbreitungswege doch beschreiben und damit die Seuche eindämmen. Wieviel wurde denn hier gemacht? Selbst wenn man heute anfängt, jedes Kind zwingend zur Schule zu schicken, dann ernten wir die Früchte in vielleicht 40 Jahren. Aber das ist ein anderes Thema. Was mich beunruhigt, ist die Gefahr, dass sich der Erreger anpasst. Wer kann dazu etwas beitragen? Besteht die Gefahr, dass er sich zum "schlummern" entwickelt und erst nach drei Jahren ausbricht? Oder könnte er sich durch Luft übertragen? Danke für fachkundige Antworten.
Was wollen sie eindämmen und wer soll in die Schule geschickt werden und von wem? Schön wärs. Nigeria - Boko Haram - lesen sie den Wikieintrag zu Nigeria, dann wird ihnen übel. Wenn sie vor Ort wären, würde ihnen noch übler. Despoten, Bürgerkriege, Überbevölkerung, Armut, keinerlei Bildung, religiöser Wahnsinn etc. Da ist kein Kraut gegen gewachsen. Lesen sie auf Wiki zum Erregertypen. Anpassen kann sich natürlich jeder Erreger. Aber es gibt keinen Grund zur Panik, denn diese Erreger haben in Afrika immer wieder lokale Ausbrüche gehabt und sind dann nach einiger Zeit wieder verschwunden. Jetzt ist der Ausbruch halt etwas grösser. Affenfleisch gilt auch als Überträger. Bei SARS wars ein katzenartiges Tier welches als Delikatesse verzehrt wurde/wird in Südchina. Da hat sich dann jemand beim Schlachten infiziert und so gings los. Und dann weiter von Mensch zu Mensch.
alraschid 30.07.2014
5. Sterblichkeitsrate
dürfte höher sein, als das Verhältnis Gestorbene / Infizierte wegen des Zeitraums, der zwischen Infiziert und tot liegt. Wie hoch die Sterblichkeit hier ist, kann man aus diesen Zahlen allein nicht ableiten
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