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Ebola-Epidemie: WHO warnt vor katastrophalen Folgen

Ebola-Krise in Westafrika: WHO-Generaldirektorin Margaret Chan (Mitte) am Flughafen von Conakry, Guinea Zur Großansicht
AP/dpa

Ebola-Krise in Westafrika: WHO-Generaldirektorin Margaret Chan (Mitte) am Flughafen von Conakry, Guinea

Die Ebola-Epidemie breitet sich schneller aus als befürchtet. Laut Weltgesundheitsorganisation sind auch Dutzende Ärzte, Krankenschwestern und Helfer gestorben - was den Kampf gegen die Krankheit weiter erschwert.

Conakry - Präsidenten westafrikanischer Staaten und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beraten am Freitag in der Hauptstadt Guineas über konkrete Schritte, um die Eindämmung von Ebola stärker voranzutreiben. Die Uno-Behörde hatte am Donnerstagabend ein 100-Millionen-Dollar-Programm für den Kampf gegen Ebola angekündigt.

Am 6. August trifft sich ein WHO-Komitee in Genf, das berät, ob der Ausbruch eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" darstellt - wie etwa das Wiederaufflammen von Polio in mehreren Staaten.

"Das Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und die davon ausgehende Gefahr machen es notwendig, dass die WHO sowie Guinea, Liberia und Sierra Leone die Gegenmaßnahmen erheblich verstärken", sagte Generaldirektorin Margaret Chan in Conakry. "Der Ausbruch schreitet schneller voran als unsere Bemühungen, ihn zu kontrollieren." Falls sich die Situation verschlechtere, könnten die Konsequenzen katastrophal sein, weil es mehr Todesfälle geben werde, aber auch weil die Wirtschaft drastische Folgen spüren werde und weil sich die Krankheit in weiteren Ländern ausbreiten könne. "Das Treffen muss einen Wendepunkt bei der Eindämmung der Epidemie darstellen", sagte Chan.

Das Virus habe gezeigt, dass es sich über den Flugverkehr verbreiten kann, sagte Chan. Vergangene Woche war ein an Ebola Erkrankter am Flughafen der nigerianischen Stadt Lagos kollabiert. Er starb wenig später. Der Mann hatte sich zuvor in Liberia aufgehalten. Alle Mitreisenden und alle anderen Menschen, mit denen der Erkrankte in Lagos Kontakt hatte, stehen zurzeit unter Beobachtung. Zwei Menschen sind in Quarantäne. Ob sie an Ebola erkrankt sind, ist noch unklar.

Mehr als 60 Helfer an Ebola gestorben

Chan sprach an, dass mehr als 60 Ärzte, Krankenschwestern und andere Helfer an Ebola gestorben sind. Diese tragischen Todesfälle schwächten die Kapazitäten im Kampf gegen den Ausbruch erheblich.

Obwohl es keine Impfung oder Heilung gebe, könnten Ebola-Ausbrüche mit Sicherheit eingedämmt werden, sagte die WHO-Generaldirektorin. Die Basis dafür sei, Infizierte schnell zu entdecken und zu isolieren, die Menschen aufzuspüren, mit denen sie Kontakt hatten und strenge Maßnahmen gegen die Weiterverbreitung des Virus zu ergreifen. "Die Erfahrungen von fast vier Jahrzehnten in Afrika zeigen uns ganz deutlich, dass ein Ebola-Ausbruch gestoppt werden kann, wenn man die richtigen Maßnahmen ergreift."

Am Donnerstag hatte die WHO neue Daten zur Epidemie veröffentlicht. Demnach starben seit dem Beginn des Ausbruchs im Dezember 2013 insgesamt 729 Menschen. Binnen drei Tagen, zwischen dem 24. Juli und den aktuellsten Zahlen vom 27. Juli, registrierten die Behörden 57 weitere Todesfälle, 27 davon in Liberia, 20 in Guinea, 9 in Sierra Leone und einer in Nigeria. Die Zahl der Krankheitsfälle stieg auf 1323 - mehr als jeder zweite Betroffene stirbt in Folge der Infektion.

Schulen und Märkte geschlossen

Sierra Leone hat den nationalen Notstand erklärt, ganze Gebiete im Osten des Landes sollen unter Quarantäne gestellt werden. Das Nachbarland Liberia hatte bereits zuvor den Notstand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen - ebenso wie alle Schulen des Landes und viele Märkte. Das Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen, zum Beispiel bei der Pflege Betroffener ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen oder bei der Beerdigung von Ebola-Toten.

Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen nach Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Epidemie nicht absehbar, heißt es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums. Die medizinische Versorgung in den Staaten sei defizitär, eine Ausbreitung der Krankheit nicht auszuschließen. Am Donnerstag hatten die USA eine Reisewarnung für die drei afrikanischen Staaten herausgegeben.

irb/wbr/dpa

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1. Mangelnde Bildung
mike301243 01.08.2014
... führt zu den abstrusen Verhalten der betroffenen Angehörigen. Erkrankte werden versteckt, Verstorbene heimlich beerdigt. Diese Völker sollte man DRINGEND Bildungsmassnahmen zuführen und sie nicht islamistischen Führern "anvertrauen"
2. Außer Kontrolle?
esmeweatherwax 01.08.2014
Ob das Ganze noch zu kontrollieren ist?
3. Wenn Wissenschaftler das Wort
Sonia 01.08.2014
vermuten oft gebrauchen, wie bei den unvorstellbar aggressiven Viren von Ebola, wo sich der Mensch rasant u. grausam von innen nach außen bis auf das Skelett selbst auflõst, wo sogar die Kleidung von Infizierten noch infektiös ist, eine Inkubationszeit von 10 bis 20 Tagen besteht, ist schon eine Kontrolle am Flughafen unmõglich. Vorige Woche starb einer der Spezialisten selbst .daran, Dr. Kahn. In Europa angekommen, die Folgen wären verheerend. Helfer fliehen oder sterben selbst reihenweise trotz Schutzkleidung u. aller notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Alle Infektionswege sind bisher gar nicht bekannt. Die große Gefahr wird m.E. erst begriffen, wenn die ersten Fãlle in Ostafrika auftreten ..von dort zu uns ..ein Katzensprung.
4. Es ...
herrwestphal 01.08.2014
Zitat von mike301243... führt zu den abstrusen Verhalten der betroffenen Angehörigen. Erkrankte werden versteckt, Verstorbene heimlich beerdigt. Diese Völker sollte man DRINGEND Bildungsmassnahmen zuführen und sie nicht islamistischen Führern "anvertrauen"
... müsste heißen "DieseN VölkerN ...." Es ist wohl besser wenn nicht Sie diese Bildungsmaßnahmen durchführen. Mal wieder erstaunlich was alles so von den Moderatoren durchgelassen wird. Mein tiefempfundener Respekt für alle Helfer vor Ort die sich mit ihrer Arbeit in Lebensgefahr begeben. Ich hoffe deren Courage wird sich schlußendlich auszahlen.
5. Es ...
herrwestphal 01.08.2014
Zitat von mike301243... führt zu den abstrusen Verhalten der betroffenen Angehörigen. Erkrankte werden versteckt, Verstorbene heimlich beerdigt. Diese Völker sollte man DRINGEND Bildungsmassnahmen zuführen und sie nicht islamistischen Führern "anvertrauen"
... müsste heißen "DieseN VölkerN ...." Es ist wohl besser wenn nicht Sie diese Bildungsmaßnahmen durchführen. Mal wieder erstaunlich was alles so von den Moderatoren durchgelassen wird. Mein tiefempfundener Respekt für alle Helfer vor Ort die sich mit ihrer Arbeit in Lebensgefahr begeben. Ich hoffe deren Courage wird sich schlußendlich auszahlen.
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Epidemie: Westafrika kämpft gegen schwersten Ebola-Ausbruch

Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.

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