Epidemie Ebola-Infizierter könnte in Hamburg behandelt werden

Ein Mediziner, der sich in Westafrika mit Ebola angesteckt hat, wird möglicherweise zur Behandlung nach Hamburg geflogen. Um die Epidemie einzudämmen, hat Liberia seine Grenzen geschlossen.

Hamburger Uni-Klinik: Auf der Isolierstation könnten Ebola-Kranke behandelt werden
DPA

Hamburger Uni-Klinik: Auf der Isolierstation könnten Ebola-Kranke behandelt werden


Hamburg - Ein Ebola-Patient aus Westafrika könnte möglicherweise in Deutschland behandelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) angefragt, ob der Mitarbeiter einer Gesundheitsorganisation dort betreut werden könnte, sagte UKE-Sprecherin Christine Trowitzsch am Montag. "Wir haben daraufhin den Hamburger Seuchenstab aktiviert und in Abstimmung mit allen zuständigen Behörden und öffentlichen Einrichtungen unsere grundsätzliche Bereitschaft erklärt, den Patienten aufzunehmen und zu behandeln."

Ob es aber tatsächlich dazu kommt, dass der Patient nach Hamburg ausgeflogen wird, ist nach Darstellung der Hamburger Gesundheitsbehörde ungewiss: "Ob dieser Patient jemals ankommt, ist höchst fraglich", sagte Behördensprecher Rico Schmidt. So müsse der Erkrankte etwa transportfähig sein. Einen Zeitplan für eine mögliche Ankunft in Hamburg gebe es nicht. Die entsprechende Anfrage der WHO sei bereits in der vergangenen Woche eingegangen.

Drei Behandlungszimmer mit Schleusen

Am UKE befindet sich eine Spezialabteilung, die auf die Behandlung von Patienten mit hochansteckenden Krankheiten eingerichtet ist. Das UKE und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin haben bei der Therapie von solch hoch ansteckenden Erkrankungen einen hervorragenden Ruf. Die Einrichtung sei von der übrigen Patientenversorgung im UKE baulich getrennt, betonte Trowitzsch. Die drei Behandlungszimmer mit insgesamt sechs Betten haben den Angaben zufolge einen eigenen Schleusenbereich und eine spezielle Raumlufttechnik. Ärzte und Pflegepersonal seien speziell in der Versorgung von Infektionskrankheiten geschult.

Das Behandlungszentrum habe die nötige Kompetenz, sagte Behördensprecher Schmidt. Das gelte auch für die Hamburger Feuerwehr, die den Transport des Patienten unter den erforderlichen Sicherheitsbedingungen übernehmen würde. Die Szenarien seien eingeübt, die Vorbereitungen der Klinik und der Behörden angelaufen.

Die Sicherheitsvorkehrungen seien so hoch, dass es für Mitarbeiter und Öffentlichkeit keinen Grund zur Sorge gebe, betonte UKE-Sprecherin Trowitzsch. Auch ein Feuerwehrsprecher sagte: "Eine Gefährdung für andere ist ausgeschlossen."

Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" soll es sich bei dem Mann um einen "wichtigen Mediziner" handeln, der im Kampf gegen Ebola in Sierra Leone viel bewegt habe. Auch das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ist demnach in den Fall eingebunden.

Nach Darstellung des UKE wäre es das erste Mal, dass ein Ebola-Patient mit bestätigter Diagnose in Hamburg behandelt wird. Zuletzt war in Hamburg 2009 eine Wissenschaftlerin mit Verdacht auf Ebola behandelt worden. Die Forscherin hatte sich bei einem Laborunfall im Bernhard-Nocht-Institut durch drei Paar Handschuhe mit einer leeren Spritze gestochen, in der zuvor Proben des Ebola-Virus waren.

Daraufhin wurde die Betroffene weltweit erstmals mit einem Impfstoff behandelt, der zuvor nur an Tieren erprobt worden war. Nach Ablauf der Inkubationszeit von 21 Tagen - das ist die Zeit zwischen einer Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome - stellte sich aber heraus, dass sich die Frau nicht mit dem Virus infiziert hatte.

Liberia schließt seine Grenzen

Seit Februar sind in den westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone mindestens 660 Menschen an Ebola gestorben. Nigeria meldete am 25. Juli einen Todesfall in der Finanzmetropole Lagos. Vor wenigen Tagen hatte sich in Liberia auch ein 33-jähriger Arzt aus den USA mit dem Virus infiziert, der für eine Hilfsorganisation tätig ist.

Verbreitung von Ebola in Westafrika (für Gesamtansicht bitte klicken)
SPIEGEL ONLINE

Verbreitung von Ebola in Westafrika (für Gesamtansicht bitte klicken)

Als Reaktion auf die verheerende Ebola-Epidemie in Westafrika hat Liberia am Sonntag die meisten seiner Grenzübergänge zu den Nachbarstaaten geschlossen. Ausgenommen seien nur die wichtigsten Einreisepunkte, sagte die Präsidentin des westafrikanischen Landes, Ellen Johnson Sirleaf. Dort würden jedoch Test-Zentren eingerichtet. Zudem würden an den Übergängen vorbeugende Maßnahmen peinlich genau eingehalten. Auch an den Flughäfen würden ankommende wie ausreisende Passagiere von den Behörden in Augenschein genommen. Zudem wurden öffentliche Versammlungen wie Märsche und Demonstrationen untersagt.

Alle Schutzmaßnahmen haben die Ebola-Epidemie in Westafrika bisher nicht stoppen können. Die Wahrscheinlichkeit, an der mit inneren und äußeren Blutungen einhergehenden Krankheit zu sterben, liegt je nach Erregerstamm bei 50 bis 90 Prozent. Medikamente oder eine Impfung gibt es nicht.

Die Chronologie der Ebola-Epidemie in Westafrika
21. März: Ausbruch in Guinea
Guinea informiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 21. März 2014 über einen Ausbruch im Süden des Landes. Es habe bis zu diesem Zeitpunkt 49 Krankheitsfälle und 29 Tote gegeben. Woher das Virus ursprünglich kam, ist laut dem Berliner Robert-Koch-Institut nicht abschließend geklärt. Am wahrscheinlichsten stammt es von Flughunden.
27. März
Am 27. März werden vier Erkrankungsfälle in der Hauptstadt Conakry an der Küste bestätigt. Die WHO warnt vor Reisen in die Region.
30. März: Erste Infizierte in Liberia
Es gibt die ersten Ebola-Infizierten im benachbarten Liberia. Das Land richtet eine nationale Taskforce ein in Zusammenarbeit mit der WHO, dem Internationalen Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen. In Guinea ist die Zahl der Erkrankten auf 112 gestiegen, 70 Menschen sind gestorben.
April
Im April gibt es mehrere Verdachtsfälle in Sierra Leone und Mali, die aber nicht bestätigt werden. Die Zahl der Erkrankten in Guinea beträgt Ende April 224, 143 sind an der Infektion gestorben.
28. Mai: Ebola in Sierra Leone
In Sierra Leone gibt es die ersten bestätigten Ebola-Infektionen. Mehrere internationale und lokale Aktivitäten sollen die Situation unter Kontrolle bringen. Die WHO setzt ein Notfallteam vor Ort ein.
4. Juni
79 Krankheitsfälle in Sierra Leone, 328 in Guinea.
23. Juni: Die Situation ist "außer Kontrolle"
Ärzte ohne Grenzen warnt, die Situation sei außer Kontrolle. Seit Beginn der Epidemie gab es laut WHO 528 Infektionen und 337 Tote.
26. Juni
Die WHO fordert drastischere Maßnahmen und veröffentlicht aktuelle Zahlen: Seit Jahresbeginn gab es 635 Infektionen und 399 Tote.
1. Juli
759 Ebola-Kranke, 467 Tote.
2./3. Juli: WHO-Gipfel mit afrikanischen Gesundheitsministern
Sondergipfel im ghanaischen Accra mit den Gesundheitsministern aus elf Staaten.

wbr/dpa/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
humpalumpa 28.07.2014
1.
Ist das ein Scherz? Lasst den bitte dort, wo er ist! Der Mann stirbt eh zu 90% daran, jetzt mal ehrlich. Und wenn Irgendwas schief geht, haben wir uns diese Seuche auch noch selbst eingeflogen! Wie dumm kann man eigentlich sein, sowas nur in Erwägung zu ziehen?
Malshandir 28.07.2014
2.
Es ist ein spaeter Schritt, die Grenzen zu schliessen. % Monate zu spaet. Daneben ist so ein Transport ueberhaupt nicht sicher. Es besteht immer das Risiko eines Flugunfalsl oder beim Transport vom Flughafen ins Krankenhaus, bei dem die Bevoelkerung gefaehrdet wird. Es ist falsch den Erreger nun einzuschleppen. Der richtige Weg ist eine vollstaendige Quarantaene der betroffenen Laender. Notwendige Versorgung kann durch Luftabwurf geschehen. Es gibt keine Heilung, also muessen wir uns schuetzen.
ProbeersEinfach 28.07.2014
3.
Zitat von MalshandirEs ist ein spaeter Schritt, die Grenzen zu schliessen. % Monate zu spaet. Daneben ist so ein Transport ueberhaupt nicht sicher. Es besteht immer das Risiko eines Flugunfalsl oder beim Transport vom Flughafen ins Krankenhaus, bei dem die Bevoelkerung gefaehrdet wird. Es ist falsch den Erreger nun einzuschleppen. Der richtige Weg ist eine vollstaendige Quarantaene der betroffenen Laender. Notwendige Versorgung kann durch Luftabwurf geschehen. Es gibt keine Heilung, also muessen wir uns schuetzen.
Verstehe auch nicht wieso er eingeflogen werden muss. Allerdings nur aus kostengründen. Sicherheitstechnisch ist das doch kein Problem, zudem ist Ebola jetzt wirklich nichts vor dem man sich fürchten müsste in unseren entwickelten Ländern.
crimesceneunit 28.07.2014
4. oh je, wenn ich die beiden...
Kommentare meiner Vorredner lese, dann stelle ich fest, dass beide ein Leben in Angst führen! wenn ein Flugunfall passiert, Epidemie einschleppen, etc. wenn dem Mann nur hier geholfen werden kann, dann holt ihn. das nennt sich Nächstenliebe! ich hoffe die beiden haben das schon mal gehört! und wenn wir gerade dabei sind, Edward Snowden gehört auch hierher! gebt ihm endlich Frieden und eine neue HEIMAT! er hat es verdient...
Ogami Itto 28.07.2014
5. Ehrlich???
Zitat von ProbeersEinfachVerstehe auch nicht wieso er eingeflogen werden muss. Allerdings nur aus kostengründen. Sicherheitstechnisch ist das doch kein Problem, zudem ist Ebola jetzt wirklich nichts vor dem man sich fürchten müsste in unseren entwickelten Ländern.
Was machen sie wenn dieser Virus auf den Gedanken kommt das es vieleicht ganz nett wäre so einfach wie ein Schnupfen übertragbar zu werden und dann fröhlich und guten Mutes mutiert und dann auch noch aus der Isolierstation entfleucht? Naja, um hohe Mietpreise muß man sich aufgrund des Leerstandes, so man überlebt, dann keine Sorgen mehr machen. Hat ja alles seine Vorteile, oder? So man zu denen gehört die sich nicht anstecken oder zu den 10% die den Spaß überleben. Nö. Lasst den mal schön da wo er ist. Zu 90% stirbt er eh und so man wirklich helfen will, kann man ja ein mutiges Expertenteam schicken.
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