Epidemie Liberia entlässt vorerst letzten Ebola-Patienten

Erleichterung in Liberia: Ärzte haben den bislang letzten Ebola-Patienten des Landes aus der Klinik entlassen. Vorbei ist die Epidemie in Westafrika aber noch lange nicht.

Plakatkampagne in Monrovia: Liberia könnte bald frei von Ebola sein
AFP

Plakatkampagne in Monrovia: Liberia könnte bald frei von Ebola sein


Monrovia - Der Countdown läuft, die Hoffnungen sind groß: Wenn in Liberia in den nächsten 30 Tagen kein neuer Ebola-Fall bestätigt wird, gilt das Land offiziell als frei von Ebola. Denn dann ist es insgesamt 42 Tage her, dass kein infizierter Patient mehr gemeldet wurde.

Am Donnerstag wurde eine 58-jährige Lehrerin aus einer Ambulanz bei Monrovia geheilt entlassen. Sie ist der vorerst letzte Patient, der in Liberia noch mit einer Infektion mit dem lebensbedrohlichen Virus im Krankenhaus lag.

"Ich bin heute einer der glücklichsten Menschen, die es gibt", sagte Beatrice Yardolo nach ihrer Entlassung der Nachrichtenagentur und dankte dem Ärzte- und Pflegerteam auf der Station.

Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte, seien in der Woche bis zum 1. März keine neuen Ebola-Fälle mehr in Liberia aufgetreten. Mehr als 9249 Menschen sind dort laut WHO seit dem Ausbruch der Seuche vor gut einem Jahr an dem Virus erkrankt. 4117 starben nach offiziellen Angaben an den Folgen der Krankheit.

Insgesamt haben sich in Westafrika fast 24.000 Menschen mit Ebola infiziert. Neben Liberia waren die Nachbarstaaten Sierra Leone und Guinea am stärksten von der Epidemie betroffen. Bisher hat die Epidemie insgesamt fast 10.000 Menschen das Leben gekostet, die Dunkelziffer gilt als hoch.

In Guinea beginnt laut WHO am Wochenende ein erster großangelegter Test eines Impfstoffs. Ähnliche Tests laufen in Liberia bereits seit einigen Wochen. Bisher gab es weder Medikamente noch Impfungen gegen die Viruserkrankung.

cib/AFP/dpa/Reuters

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Kismett 05.03.2015
1. Richtig - wie Grippe in Westeuropa
"Vorbei ist die Epidemie in Westafrika aber noch lange nicht." Grippe fordert jedes Jahr in Westeuropa im Schnitt 30.000 Tote und kommt immer wieder. Ebola hat 9.000 Tote in Westafrika gefordert und kommt auch immer wieder. Die Spanische Grippe in Westeuropa hat 1918 - 1920 über 50 Millionen Tote gefordert. Der Unterschied liegt allein im gewaltigen Medien-Rummel. Um Auflage zu verkaufen.
Tschirio 05.03.2015
2. Europäischer Zynismus
Zitat von Kismett"Vorbei ist die Epidemie in Westafrika aber noch lange nicht." Grippe fordert jedes Jahr in Westeuropa im Schnitt 30.000 Tote und kommt immer wieder. Ebola hat 9.000 Tote in Westafrika gefordert und kommt auch immer wieder. Die Spanische Grippe in Westeuropa hat 1918 - 1920 über 50 Millionen Tote gefordert. Der Unterschied liegt allein im gewaltigen Medien-Rummel. Um Auflage zu verkaufen.
Der Unterschied liegt in 10.000 Toten, wo die meisten nicht hätten sterben müssen, wenn Hilfen konzentrierter und zielgerichteter angegangen wären. Auch wenn Ebola nicht ganz so extrem ansteckend ist wie die Grippe, ist es doch sehr zynisch über die regionalen Verhältnisse und Folgen hinwegzusehen und so zu tun, als ob das Thema Hygiene und auch Traditionen keine Rolle spielen. Im nachinein kann man Ebola für Europa als handhabbar einschätzen. Aber halt nur für Europa. Wäre das Virus in andere arme übervölkerte Regionen gelangt, dann wäre das Ausmaß trotzdem ein anderes gewesen. In Europa mit seinen intakten medizinischen Strukturen und auch anderen kulturellen Traditionen und vor allem seiner milden Umwelt ist das alles als "easy" darzustellen und sehr leicht als Medienhype zu sehen. Andererseits muss man leider zugeben, dass ohne den "Hype" die Geschichte anders ausgegangen wäre. Siehe Deutschlands Schneckenreaktion. Nach dem Motto, nachdem andere Länder schon Ärzte geschickt hatten, die in miserablen Umfeld verreckt sind, bemüßigte sich Deutschland damit, mal etwas Material zusammenzustellen und darüber nachzudenken, dass mal ein paar Privatpersonen darunterjuckeln. Ganz ernsthaft, bei der "Spanischen Grippe" wäre das eine geniale Idee. Merkels Aussitzen zeigt hier sehr deutlich, dass ihre Vogel-Strauss-Strategie, die heute in vielen Fällen nur noch zum Kopf schütteln taugt, ein Unglück katastrophalen Ausmaßes verursachen würde.
Luscinia007 05.03.2015
3.
Zitat von Kismett"Vorbei ist die Epidemie in Westafrika aber noch lange nicht." Grippe fordert jedes Jahr in Westeuropa im Schnitt 30.000 Tote und kommt immer wieder. Ebola hat 9.000 Tote in Westafrika gefordert und kommt auch immer wieder. Die Spanische Grippe in Westeuropa hat 1918 - 1920 über 50 Millionen Tote gefordert. Der Unterschied liegt allein im gewaltigen Medien-Rummel. Um Auflage zu verkaufen.
Das Statistische Bundesamt in Deutschland ermittelte für die Zeit zwischen 1998 und 2007 jährlich zwischen 3 und 34 nachgewiesene Fälle (J10). Die Zahl nicht nachgewiesener Fälle (J11) lag zwischen 63 bis 330 jährlich.[29] Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik Österreich starben zwischen 1998 und 2007 zwischen 6 und 145 Menschen an der Grippe (J10-J11).[30] Gemäß dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz starben in der Zeit zwischen 1998 und 2006 zwischen 8 und 129 Menschen an der Grippe (J10-J11).[31] Wikipedia s.v.Grippe Die Behauptung, dass jedes Deutschland und Europa Zigtausende an Grippe sterben würden, ist ein Märchen, das vom Robert-Koch-Institut aufgrund nicht haltbarer Schätzmethoden erfunden wurde. Das RKI stellt dabei fest, dass in den Wintermonaten mehr Menschen sterben als in Sommermonaten. Und behauptet dann, dass die Ursache dieser "Übersterblichkeit" prinzipiell die Grippe sein muss. Und die Pharmaindustrie freut sich über diese Panikmache, die von den Medien immer wieder gerne zwecks Auflagensteigerung aufgegriffen wird. Und von leichtgläubigen Lesern weiterverbreitet wird.
yebo 05.03.2015
4. Ein Taschenrechner hilft gegen Verschwörungstheorien
Kurz mal nachgerechnet - und nachgedacht: Warum sollte sich die Pharma-Industrie über impfwillige Grippeängstliche freuen? Eine Grippeimpfung kostet 7 Euro. Die Preise für (fraglich sinnvolle) Erkältungsmedikamente fangen bei 13 Euro für 10 lumpige Schleimlöser-Brausetabletten an und enden bei zigtausenden Euro für intensivmedizinische Behandlung von Grippekomplikationen.
yebo 05.03.2015
5. Unterschied Grippe / Ebola
Egal, ob nun 300 oder 30.000 jährlich an Grippe sterben: Der wesentliche Unterschied zwischen Grippe und Ebola, der den "Hype" erklärt, liegt erstens in der Letalität (Ebola rund 40%, Grippe weit unter 0,5%) und zweitens in der grundsätzlichen Möglichkeit, einen Ausbruch einzudämmen. Ein Ebola-Ausbruch kann durch maximale Eindämmungsmaßnahmen wirkungsvoll begrenzt werden. Ein "Grippe-Ausbruch" passiert in jedem Winter, wird meist durch den Sommer limitiert und ist - bis auf historische Ausnahmen - einigermaßen berechenbar. Auch wenn an Ebola absolut weniger Menschen sterben, so ist die Notwendigkeit der Bekämpfung doch dringender, allein schon um die Einschleppung in andere Länder zu mindern. Oder noch einfacher formuliert: Wenn das Rote Kreuz 500 Ärzte nach Westafrika schickt, dann ändert das den Verlauf der Ebola-Epidemie entscheidend. Wenn das Rote Kreuz 500 Ärzte zur Bekämpfung der allwinterlichen Grippewelle in Europa entsendet, ändert das wenig. Aus diesem Grunde war der "Hype" gut, denn die Gefährlichkeit einer Krankheit wird nicht allein an der absoluten Zahl der Toten gemessen, sondern an ihren Übertragungswegen und an der Letalität und an dem Einfluss, den Hilfsmaßnahmen überhaupt haben könnten.
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