Ebola-Nachwirkungen Geheilt heißt nicht gesund

Rund 13.000 Menschen überlebten im Verlauf des katastrophalen Ebola-Ausbruchs die Krankheit. Doch gesund sind die wenigsten von ihnen, berichten Experten der Weltgesundheitsorganisation: Die Nachwirkungen sind erheblich.

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Liberia: Ein Mädchen führt seinen erblindeten Vater. Augenschäden und chronische Schmerzen sind die häufigsten Nachwirkungen der aktuellen Epidemie
DPA

Liberia: Ein Mädchen führt seinen erblindeten Vater. Augenschäden und chronische Schmerzen sind die häufigsten Nachwirkungen der aktuellen Epidemie


Noch ist die bisher größte Ebola-Epidemie, die Ende 2013 im westafrikanischen Guinea ihren Ausgang nahm, nicht völlig eingedämmt. Rund die Hälfte der bis heute circa 28.000 Infizierten starb an der Seuche.

Inzwischen aber ist die Zahl der Neuinfektionen gering und die Helfer kommen dazu, Bilanz zu ziehen. Bei einer Tagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Sierra-Leone trugen sie erstmals konkrete Zahlen zusammen - und erfassten auch Nachwirkungen der Seuche, die bisher wenig bekannt waren. Jetzt offenbart sich das Leid der Überlebenden.

Frühere Ausbrüche der Krankheit waren stets örtlich eng begrenzt, die Fallzahlen gering. Bei einzelnen Ausbrüchen starben zudem bis zu 90 Prozent der Infizierten. Bisher gab es deshalb nur wenige Überlebende, die Rückschlüsse auf Nachwirkungen ermöglicht hätten.

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Ebola in Guinea: Die Zeugen
Das ist nun anders: Rund 13.000 Menschen überlebten bisher die Infektion. Mehr als die Hälfte von ihnen muss weiterhin als krank gelten, erkannten Ebola-Helfer und Experten der WHO auf dem Treffen in Sierra Leone.

Bisher wusste man, dass es bei manchen Ebola-Überlebenden zu Schäden an den Augen kommt, sich bei anderen eine Hepatitis anschließt. Bekannt waren auch Rückenmarksentzündungen, die im Extremfall bis zur Querschnittslähmung führten. Dazu kamen bei vielen Patienten erhebliche psychische Traumata - sei es durch die eigene Schädigung, sei es durch den Verlust ihrer Familien.

Doch all das erfasst noch nicht das ganze Leid, erkannten die Experten inzwischen. Fast die Hälfte der Überlebenden leidet nach Abklingen der Infektion weiter unter teils erheblichen Schmerzen der Gelenke. Auch permanente Kopfschmerzen, Depressionen und anhaltende Erschöpfungszustände werden von vielen Patienten berichtet. Viele sind trotz ihrer vermeintlichen Heilung nicht mehr arbeitsfähig.

Das gilt auch für die rund 25 Prozent der Patienten, die bleibende Schäden ihrer Augen davontragen. Das Spektrum reicht von Regenbogenhautentzündungen bis zur Erblindung.

Daniel Bausch, Mediziner im Nothelfer-Team der WHO, sprach von einem "Notfall im Notfall". Und Anders Nordstrom, WHO-Beauftragter für Sierra Leone, warnte davor, zu glauben, mit dem Ende der Epidemie sei Ebola ausgestanden: Die betroffenen Länder stünden vor einem sehr langen Weg, bevor sie sich von dieser Seuche erholten.



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