Westafrika Neuer Ebola-Fall in Liberia

Gut zwei Monate galt Liberia als Ebola-frei - nun ist ein zehnjähriger Junge an dem Virus erkrankt. Wo er sich angesteckt hat, ist bislang unklar.

Temperaturkontrolle: Eine Angehörige des Erkrankten wird vorsichtshalber untersucht
AP/dpa

Temperaturkontrolle: Eine Angehörige des Erkrankten wird vorsichtshalber untersucht


Der Kampf gegen Ebola in Westafrika hat einen Rückschlag erlitten: Aus Liberia wurde ein neuer Fall der lebensgefährlichen Viruserkrankung gemeldet - mehr als zwei Monate, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das westafrikanische Land für Ebola-frei erklärt hatte. "Dieser neue Fall ist bestätigt worden", sagt WHO-Sprecher Tarik Jasarevic.

Nach Angaben des liberianischen Gesundheitsministeriums wird der betroffene Patient in einer Isolierstation in der Hauptstadt Monrovia behandelt. Offenbar handelt es sich um einen zehn Jahre alten Jungen. Die Suche nach Kontaktpersonen sei eingeleitet worden, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Francis Kateh im Radio. Er rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren.

Liberia war am 3. September bereits zum zweiten Mal für Ebola-frei erklärt worden, nachdem in der von der WHO gesetzten Frist von 42 Tagen keine neuen Fälle festgestellt worden waren. Dem Ebolavirus sind allein in Liberia mehr als 4800 Menschen zum Opfer gefallen. Dort sowie in Sierra Leone und Guinea sind seit Ausbruch der Seuche insgesamt mehr als 28.100 Menschen erkrankt, mehr als 11.300 starben.

Das Virus ist längst nicht besiegt. Sierra Leone gilt zwar derzeit als Ebola-frei. In Guinea wurden noch im Oktober zwei neue Fälle gemeldet. Derzeit wird niemand behandelt, die 42 Tage-Frist, bis das Land als Ebola-frei gilt, hat aber gerade erst vor wenigen Tagen begonnen. Zudem kämpfen viele Überlebende mit den Folgen der Erkrankung.

Ebolaviren oder Bestandteile von ihnen können offenbar einige Zeit unbemerkt im Körper erhalten bleiben, zum Beispiel in Spermien oder im Auge. Forscher hatten daher kürzlich zur Vorsicht gemahnt: Männer könnten nach einer überstandenen Ebola-Erkrankung noch mindestens neun Monate Bestandteile des Erregers in der Samenflüssigkeit haben. Der Nachweis von Ebola-Erbgut heiße aber nicht, dass auch infektiöse Viren vorhanden seien, schrieben die Autoren im "New England Journal of Medicine".

jme/dpa/Reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.