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Behandlung auf Isolierstation: Ebola-Patient in Frankfurt gelandet

In die Frankfurter Uni-Klinik ist ein Ebola-Kranker eingeliefert worden. Der Mann hatte sich offenbar in Sierra Leone infiziert. In den USA versuchen Experten mit allen Mitteln, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Frankfurt am Main/Dallas - Seit Freitagmorgen wird ein zweiter Ebola-Patient in einer deutschen Isolierstation behandelt. Mit einem nächtlichen Ambulanzflug ist der Mitarbeiter einer Hilfsorganisation zum Frankfurter Flughafen transportiert worden. Von dort wurde der Mann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in die Isolierstation der Universitätsklinik Frankfurt gebracht. Ende August war bereits ein Ebola-Patient aus Westafrika in der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf behandelt worden. Über seinen Zustand gibt es bisher keine Auskunft.

Nach der Landung herrschten strenge Sicherheitsmaßnahmen. Feuerwehr und Polizei eskortierten das Spezialfahrzeug, mit dem der Kranke in die Klinik eingeliefert wurde. Am rückwärtigen Eingang der Isolierstation begleiteten ihn mehrere Helfer in Ganzkörperschutzanzügen.

Angaben zur Nationalität des Mannes und zu seinem Einsatz im Ebola-Epidemiegebiet gab es zunächst nicht. Im Laufe des Freitags sollen aber Einzelheiten mitgeteilt werden. Am Donnerstag hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass es sich um einen belgischen Kinderarzt handle, der in Sierra Leone gearbeitet hatte. Zunächst hatten die Organisatoren des Flugs noch gebangt, ob der Zustand des Patienten überhaupt einen Transport nach Deutschland zulassen würde.

Seit Monaten breitet sich die Ebola-Epidemie in Westafrika aus. Bis zum 28. September haben sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell 7178 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert, 3338 von ihnen sind bisher gestorben.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND

Wie der Sender NBC News derweil mitteilte, erkrankte auch ein in Liberia für den US-Sender arbeitender Kameramann an Ebola. Der aus den USA stammende Freiberufler werde zur Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht, hieß es. NBC News zufolge war der Mann am Dienstag für Dreharbeiten in der Hauptstadt Monrovia engagiert worden.

Die übrigen NBC-Mitarbeiter würden ebenfalls in die USA ausgeflogen und dort zunächst für drei Wochen unter Quarantäne gestellt, teilte die Chefin des Senders, Deborah Turness, mit. Liberia gehört zu den am stärksten von der Ebola-Epidemie in Westafrika betroffenen Ländern.

In dieser Woche war erstmals auch ein Ebola-Infizierter jenseits von Afrika diagnostiziert worden: Im US-Bundesstaat Texas wird derzeit ein Mann behandelt, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte und anschließend am 19. September in die USA gereist war. Vier Tage nach seiner Ankunft in Dallas erkrankte der Mann. Als er am 26. September erstmals ärztliche Hilfe in einem Krankenhaus aufsuchte, wurden die Ebola-Symptome nicht als solche erkannt. Die Ärzte schickten ihn wieder nach Hause - so könnte er weitere Menschen angesteckt haben. Nur Menschen, die Symptome wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen haben, können andere mit dem Ebolavirus infizieren.

CDC-Checkliste: So werden die Kontaktpersonen überprüft (bitte klicken) Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE (deutsche Übersetzung)

CDC-Checkliste: So werden die Kontaktpersonen überprüft (bitte klicken)

Die US-Gesundheitsbehörden versuchen mit allen Mitteln, die Gefahr einzudämmen. Sämtliche Personen, die direkten oder indirekten Kontakt zu dem 40-Jährigen hatten, werden derzeit aufgespürt, befragt, untersucht und gegebenenfalls isoliert. Vier enge Verwandte des Mannes stehen bisher unter Quarantäne. Die US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) kann weitere Erkrankungen nicht ausschließen.

"Es kann weitere Fälle geben, aber es wird keine Ausbreitung geben", sagte der Chef der Behörde CDC, Tom Frieden. Etwa 100 Menschen aus dem Umfeld des Kranken sollen untersucht werden. Nach Angaben der texanischen Gesundheitsbehörden zeigen die vier unter Quarantäne gestellten Personen bisher keine Anzeichen einer Ebola-Erkrankung. "Sie zeigen keine Symptome, sie haben kein Fieber, und alle sind wohlauf. Aber wir müssen sie beobachten, das gebietet die Gefährlichkeit der Krankheit." Der Kranke sei sehr gut betreut und sehr gut isoliert. "Wir werden dafür sorgen, dass niemand dem Erreger ausgesetzt wird." Auch Frieden zeigte sich zuversichtlich: "Wir haben sehr viel Erfahrungen mit Epidemien, und wir können schnell reagieren."

In Liberia habe der Mann keine Symptome gezeigt. "Er wurde vor seiner Abreise untersucht und hatte eine Körpertemperatur von 36,3 Grad, also ganz normal. Er hat auch während der Reise keinerlei Symptome gezeigt." Erst nach Tagen habe er Fieber bekommen. Den Zustand des Mannes bezeichnete er als "nach wie vor ernst".

Dem Mann droht Ärger, wenn er wieder nach Hause nach Liberia kommt. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf sagte in einem Interview des kanadischen Senders CBC, sie sei "sehr verärgert" darüber, dass der Mann in dem Bewusstsein in die USA gereist sei, zuvor Kontakt mit Ebola-Infizierten gehabt zu haben. Dies sei unentschuldbar. CNN sagte sie, sie wolle mit Rechtsanwälten besprechen, was zu tun sei, wenn er wieder nach Hause komme.

In Westafrika sind die Möglichkeiten, Ebola-Infizierte vor ihrer Reise an den Flughäfen herauszufiltern, aber ohnehin begrenzt. Zwar wird bei allen Passagieren, bevor sie an Bord gehen, die Körpertemperatur gemessen. Zudem müssen sie einen Fragebogen ausfüllen und angeben, ob sie in den vergangenen 21 Tagen Kontakt zu Ebola-Kranken hatten oder ob sie sich krank fühlen. Bei dieser Methode ist man allerdings auf die Ehrlichkeit der Reisenden angewiesen.

Der Mann hatte geholfen, eine 19-jährige Schwangere, die an Ebola erkrankt war, in ein Krankenhaus in Monrovia zu bringen. Wegen Überlastung wurde die Kranke jedoch abgewiesen und musste wieder zurück nach Hause gebracht werden. Der Mann half, sie aus dem Taxi zu tragen. Die Frau starb später.

cib/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Hat der Ersteller der Checkliste Angst gehabt?
wo_st 03.10.2014
Der diese Checkliste gemacht hat ist schlicht unfähig. Solche Ja/Nein Diagramme sind normalerweise nur logisch aufgebaut und in logischen Untergruppen geteilt.
2. Fehlerquote in Deutschland zu hoch
MobelpreisMedizinPhysik 03.10.2014
In Deutschland gibt es zwar tolle Vorschriften, jedoch funktionieren sie leider nicht im Krankenhaus, wo Menschen meist überarbeitet und unterbezahlt sind. Selbst die motiviertesten Ärzte, Pfleger, Schwestern - und das Desinfektions- und Putzpersonal machen Fehler. Seibst beim "einfachen" MRSA (resistenter Keim) werden Überträger-Patienten manchmal erst nach Tagen identifiziert und aus dem Dreibettzimmer isoliert, wo zuvor die ganzen Familien, Kinder etc. der anderen Patienten herumgetollt haben. Meist geht es doch um Forschungsgelder und Karrieren, denn wer die ersten Patienten bei Ebola versorgen kann, kann als erster publizieren - mit Gefährdung der Allgemeinheit.
3. Allgemeine Virenlage in deutschen Kliniken
spon_2890198 03.10.2014
Vielleicht sollte man in einer ruhigen Stunde einfach mal über die allgemeine Virenlage und Infektionsgefahr in deutschen Krankenhäuser meditieren. Und das soll bei Ebola anders sein?
4. Wie war das noch einmal mit der Ansteckungsgefahr?
godfather58 03.10.2014
Praktisch nich erzählen die Behörden. Nur bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten (Blut, Kot, Erbochenes wird oft genannt., Schweiss oft nicht). Und dann wird ein Erkrankter mit derart martialischem Aufwand transportiert?!
5. Warum in Deutschland?
nightwarrior 03.10.2014
Wieso müssen Menschen, die sich im Ausland mit Ebola infiziert haben, in Deutschland behandelt werden? Inbesondere, wenn sie dafür erst nach Deutschland geholt werden? Haben wir hier nicht genug Probleme, auch im Gesundheitswesen?
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