Ebola-Infizierter in Hamburg "Der Patient ist in einem Zustand, der hoffen lässt"

Von der Anfrage der WHO bis zur Reaktion der deutschen Behörden verstrichen nur vier Stunden: Am Morgen hat ein Ebola-Infizierter die Hamburger Uni-Klinik erreicht. Sein Zustand lässt die Ärzte hoffen.


In Hamburg wird erstmals ein Patient behandelt, der sich in Westafrika mit dem Ebola-Virus angesteckt hat. "Der Patient ist in einem Zustand, der hoffen lässt", sagte Stefan Schmiedel, betreuender Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), auf einer Pressekonferenz. Derzeit sei nicht geplant, experimentelle Therapien bei der Behandlung des Patienten einzusetzen. "Wir glauben, dass die Basismaßnahmen ausreichen", so Schmiedel.

Der senegalesische Epidemiologe war für die Weltgesundheitsorganisation WHO in Sierra Leone im Einsatz. Nach Bekanntwerden seiner Infektion hat die WHO kurzfristig alle Helfer aus dem Labor in Kaihalun abgezogen.

Zu seiner Therapie gehört jetzt, Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Fieber zu behandeln, Schmerzen zu therapieren und den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren. Ein zugelassenes Ebola-Medikament gibt es bisher nicht. Bei seiner Ankunft in Hamburg konnte der Patient - zum Teil gestützt von Medizinern - selbstständig in den Isolierrettungswagen steigen.

Entscheidung innerhalb von vier Stunden gefallen

Die Bitte der WHO, den Senegalesen nach Deutschland zu holen, ging laut Aussage auf der Pressekonferenz bereits am Samstagabend in Hamburg ein. Innerhalb von vier Stunden wurden demnach alle zuständigen Behörden verständigt und hatten eingewilligt.

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Ebola-Patient in Hamburg: So sieht die Isolierstation aus
Ob ein Ebola-Patient in Deutschland behandelt werden kann, wird über mehrere Stufen entschieden: Zunächst hatte die WHO beim UKE angefragt, ob es bereit sei, den erkrankten Mitarbeiter aufzunehmen. Darüber diskutierten anschließend die zuständigen Behörden in Hamburg, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit.

Dies geschehe in enger Abstimmung mit den Bundesbehörden, die unter anderem zuständig sind für Visum oder Landeerlaubnis. In den Prozess eingebunden sind neben dem Auswärtigen Amt auch das Bundesinnenministerium sowie - in Kooperation - das Robert Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium.

Keine Gefahr für Deutschland

Laut den Experten besteht keine Gefahr, dass der Patient in Deutschland weitere Menschen mit dem Virus infiziert. "Ein Ansteckungsrisiko ist ausgeschlossen", sagte Rico Schmidt, Sprecher der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, über den Transport des Patienten vom Flugzeug ins Krankehaus. Der Senegalese liegt jetzt auf einer Intensivstation in einem hermetisch abgeriegelten Gebäudeteil der Klinik.

"Das Ausbrechen von Erregern scheint unmöglich", sagte auch der behandelnde Mediziner Schmiedel. Die Ärzte und Pfleger seien so gut trainiert, dass die Behandlung des Patienten für sie keine zusätzliche psychische Belastung darstelle, wohl aber eine körperliche. Das medizinische Personal muss beim Behandeln des Patienten spezielle Schutzanzüge tragen, die jeden Kontakt mit Körperflüssigkeiten verhindern.

Laut Schmiedel bietet die Spezialstation am UKE insgesamt Platz für sechs Personen. Wann immer die WHO anfrage, gebe es die Bereitschaft, noch Patienten aufzunehmen, sagte der Arzt auf der Pressekonferenz. Auf der Station arbeiten 50 Pflegekräfte, 30 Ärzte, Techniker und Sicherheitskräfte, die alle speziell ausgebildet sind.

Andere Patienten im Ausland erhalten experimentelle Therapien

Es sind bereits mehrere Ebola-Patienten aus Westafrika im Ausland behandelt worden. Bei allen bekannten Fällen handelt es sich um Helfer. In ihren Heimatländern Großbritannien, USA und Spanien wurden sie mit dem noch nicht zugelassenen Medikament ZMapp behandelt.

Ein britischer Krankenpfleger wurde in der Nacht zum 25. August aus Sierra Leone nach London gebracht, wo er das experimentelle Medikament ZMapp erhalten hat. Er befindet sich noch in Behandlung. Zwei erkrankte Amerikaner - ein Mediziner und seine Mitarbeiterin - kamen Anfang August in die USA. Rund drei Wochen später wurden sie als geheilt erklärt. Beide hatten ZMapp bekommen. Ein spanischer Geistlicher starb - nach ZMapp-Therapie - am 12. August in Madrid. Er litt allerdings schon vor der Ebola-Infektion an Typhus, Nieren- und Herzkrankheiten.

Die französische Regierung hat ihren Landsleuten angesichts der Epidemie empfohlen, die betroffenen Länder Sierra Leone und Liberia zu meiden. Dabei rief sie auch ihre Fluggesellschaft Air France dazu auf, Flüge in die Hauptstadt Sierra Leones, Freetown, einzustellen. Verbindungen nach Nigeria und Guinea könnten aber aufrechterhalten werden.

irb/tst/dpa/Reuters

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karend 27.08.2014
1. Alles Gute!
Hoffentlich kann der Patient geheilt werden! Wird er auch das Medikament ZMapp erhalten? Ein Detail des Bildes erstaunt mich: Wieso tragen nicht alle Personen Schutzkleidung?
wulf.d 27.08.2014
2. viel Glück
Denke grundsätzlich, gibt es bei den richtigen Verhaltensmaßnahmen keine Gefahr für eine weitere Verbreitung des Ebola Viruses in Deutschland. Es macht mich aber stutzig, wie auf den Bildern zu sehen, das einige Helfer keine Schutzkleidung am Kopf haben, nicht mal einen Mundschutz, geschweige Handschuhe, obwohl sie direkt am Rettungsfahrzeuges der Feuerwehr sind, und diesen auch ungeschützt anfassen.
t-h-u-r-i-n 27.08.2014
3.
Der Patient hat selbst einen Schutzanzug an. Man kann den Patienten ja nicht einfach auf eine Trage legen und wie jeden anderen Patienten behandeln. Die Krankenwagen und das Flugzeug dürfen nicht kontaminiert werden. Den Anzug hat er schon vor dem Abflug angezogen. Da kommt nix raus... Die Helfer mit den Schutzanzügen werden den Patienten auf die Isolierstation begleiten und tragen deshalb einen. Der Kerl ohne Anzug kommt nicht mit ins Gebäude, sondern hat den Wagen gefahren (?) Ebola ist bei weitem nicht so ansteckend wie die Grippe. Nur die direkte Aufnahme von Körperflüssigkeiten durch Schleimhäute oder Wunden kann zur Infektion führen. Und das kann man verhindern! Theoretisch kann man ungeschützt neben einem Ebolapatienten stehen und die selbe Luft atmen (theoretisch!) Machen würd ichs trotzdem nicht ;)
ancoats 27.08.2014
4.
Zitat von wulf.dDenke grundsätzlich, gibt es bei den richtigen Verhaltensmaßnahmen keine Gefahr für eine weitere Verbreitung des Ebola Viruses in Deutschland. Es macht mich aber stutzig, wie auf den Bildern zu sehen, das einige Helfer keine Schutzkleidung am Kopf haben, nicht mal einen Mundschutz, geschweige Handschuhe, obwohl sie direkt am Rettungsfahrzeuges der Feuerwehr sind, und diesen auch ungeschützt anfassen.
Weil a) der Patient einen Schutzanzug an hat, und b) weil er offensichtlich noch nicht in einem Zustand ist, bei dem er ansteckende Körperflüssigkeiten verteilen könnte (da wäre er auch nicht mehr in der Lage, eigenhändig aus dem Flugzeug steigen). Und da sich Ebola nur über direkten Kontakt verbreitet, bei dem infiziertes Material etwa durch Wunden, den Mund, die Augen oder die Schleimhäute in andere Körper gelangen kann, besteht null Ansteckungsrisiko für die Helfer. Und genau deshalb sind die Ängste und Sorgen mancher Foristen zwar grundsätzlich verständlich, aber eben auch einfach unbegründet.
nasodorek 27.08.2014
5.
Zitat von wulf.dDenke grundsätzlich, gibt es bei den richtigen Verhaltensmaßnahmen keine Gefahr für eine weitere Verbreitung des Ebola Viruses in Deutschland. Es macht mich aber stutzig, wie auf den Bildern zu sehen, das einige Helfer keine Schutzkleidung am Kopf haben, nicht mal einen Mundschutz, geschweige Handschuhe, obwohl sie direkt am Rettungsfahrzeuges der Feuerwehr sind, und diesen auch ungeschützt anfassen.
Weil offensichtlich der Patient in einem Anzug mit Mundschutz steckt. Die Ansteckung mit Ebola ist nur durch Übertragung von Körperflüssigkeiten möglich.
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