Epidemie in Westafrika Sieben Helfer einer Ebola-Aufklärungskampagne getötet

In Guinea wurden sieben Journalisten und Vertreter einer Ebola-Aufklärungskampagne getötet. Anscheinend hatten Dorfbewohner Angst, die Besucher wollten sie töten.

Mediziner in Liberia mit Ebola-Patientin: Überfall in Guinea
DPA

Mediziner in Liberia mit Ebola-Patientin: Überfall in Guinea


New York - Im westafrikanischen Guinea haben Unbekannte sieben Mitarbeiter einer Ebola-Aufklärungskampagne überfallen und getötet. Ihre Leichen seien aus dem Abwassertank einer Grundschule in der Ortschaft Womé geborgen worden, sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die Helfer seien "kaltblütig ermordet" worden.

Nach Polizeiangaben hatten Dorfbewohner schon am Dienstag bei Protesten gegen die Aufklärungskampagne mehrere Helfer und Journalisten verschleppt. Demnach wurde der Zugang zum Dorf von den Bewohnern abgeriegelt. Die Dorfbewohner hätten die Aktivisten mit Steinen und Stöcken angegriffen, mindestens 21 Menschen seien dabei verletzt worden.

Die Demonstranten verdächtigten die Mitglieder des Aufklärungsteams demnach, die Dorfbewohner töten zu wollen. Ihrer Meinung nach sei "Ebola eine Erfindung der Weißen, um die Schwarzen zu töten", sagte ein Polizeibeamter. Der Gouverneur von N'zérékoré sagte hingegen am Donnerstagabend im Radio, Ebola sei "eine sehr gefährliche Krankheit, aber diejenigen, die glauben, Ebola existiere nicht, sind noch gefährlicher als die Krankheit selbst".

Malta verweigert Ebola-Krankem die Einreise

Die Verbreitung des Virus' in Westafrika führt immer wieder zu Wutausbrüchen in der Bevölkerung. Schon Ende August gab es in N'zérékoré Ausschreitungen mit mindestens 55 Verletzten, woraufhin eine Ausgangssperre verhängt wurde. Damals hatten Händler gegen ein Aufklärungsteam protestiert, das ihren Angaben zufolge ohne Vorankündigung Desinfektionsmittel auf ihrem Markt versprüht hatte.

Die Ebola-Krise in Westafrika hat auch Auswirkungen in Europa: EU-Mitglied Malta hat einem Frachtschiff aus Guinea mit einem Ebola-Verdachtsfall an Bord am Donnerstag den Zugang zu seinem Hafen verweigert. Die "Western Copenhagen" mit 21 Besatzungsmitgliedern habe trotz des medizinischen Notfalls keine Genehmigung zum Einlaufen erhalten, sagte Ministerpräsident Joseph Muscat. Zwar sei unklar, ob der Erkrankte wirklich an der Viruserkrankung leide. Das Risiko sei jedoch zu groß, weil die Seuche das Gesundheitssystem des Landes überfordern könnte. Die "Copenhagen" befinde sich nun nahe Sizilien und steuere wohl Italien an.

Zuvor hatte der Uno-Sicherheitsrat am Donnerstag Ebola als "Bedrohung für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit" eingestuft. Wegen des Ausmaßes der Epidemie forderte das Gremium in seiner Resolution mehr Nothilfen aus dem Ausland. Zuvor hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gesagt, dass sich die Zahl der Ebola-Infektionen mittlerweile alle drei Wochen verdopple. Die Uno wolle daher noch im September eine Sondermission zur Bekämpfung der Epidemie nach Westafrika schicken.

mxw/AP/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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Miere 19.09.2014
1. Beileid
Vielleicht wäre es wirklich besser, solchen Dörfern ihre selbstgewählte Quarantäne zu erlauben? Falls sie noch keinen Krankheitsfall haben, ist es ein sicherer Schutz. Oder falls schon wer krank ist, ändert es auch kaum was, denn die Krankenstationen sind ja dermaßen überlastet dass sie schon eindeutige Fälle wegschicken müssen.
smokky 19.09.2014
2. ohne worte
dann müssen sie halt sehen wie sie selbst mit dem virus zurechtkommen.. ich kann ja verstehen, dass die lage angespannt ist aber einfach ohne triftigen grund helfer ermorden ist bescheuert und zeugt von zu wenig hirn.
M. Michaelis 19.09.2014
3.
Man fragt sich ob es nicht besser wäre den Dingen ihren Lauf zu lassen. Man muss nicht um jeden Preis helfen. Man sollte zentrale Behandlungszentren einrichten, wer kommt wird behandelt, wer es meint besser zu wissen hat Pech gehabt.
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