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Ebola: Sierra Leone ruft Notstand aus, Liberia schließt alle Schulen

REUTERS

Um die Ebola-Epidemie einzudämmen, greifen die betroffenen Länder zu harten Maßnahmen: Sierra Leone ruft den Notstand aus und stellt Ausbruchsgebiete unter Quarantäne. Liberia schließt alle Schulen.

Monrovia/Freetown - Das Ebola-Virus in Westafrika fordert von den betroffenen Ländern härtere Maßnahmen. Zwei afrikanische Fluggesellschaften fliegen bereits die Hauptstädte von Liberia und Sierra Leone nicht mehr an. Jetzt hat die Regierung in Liberia angeordnet, alle Schulen im Land vorübergehend zu schließen.

Die Maßnahme gelte, bis das Bildungsministerium neue Anweisungen erteile, sagte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Mittwoch. Bis auf Weiteres geschlossen würden auch alle Märkte in Grenzregionen. Außerdem sollen alle abkömmlichen Staatsbediensteten in einen 30-tägigen Zwangsurlaub gehen. Freitag wurde nach den Worten der Staatschefin zum Ferientag erklärt, an dem alle öffentlichen Gebäude desinfiziert würden.

Öffentlicher Notstand

Der Präsident von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, hat den öffentlichen Notstand ausgerufen und eine Reihe von drastischen Maßnahmen angekündigt. Unter anderem sollen Polizei und Militär die Zentren der Epidemie unter Quarantäne stellen. Zudem sollen sie dafür sorgen, dass die Ärzte sicher ihrer Arbeit nachgehen können. Aktive Überwachung und Hausdurchsuchungen sollen sicherstellen, dass alle Ebola-Infizierten gefunden und in Behandlungszentren gebracht werden. Öffentliche Versammlungen sind nur erlaubt, wenn es dabei ums Vermitteln von Informationen über Ebola geht.

Am Mittwoch hatte die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm geschlagen. Einsatzleiter Bart Janssens bezeichnete die Epidemie in der Zeitung "Libre Belgique" als beispiellos. Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnte die Seuche bald weitere Länder erreichen. Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen große Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus. Helfer vor Ort berichten, dass das Misstrauen der Bevölkerung die Eindämmung der Epidemie erschwert. Es herrsche eine große Skepsis gegenüber Ärzten, Betroffene wendeten sich oft traditionellen Heilern zu. Manche Menschen würden nicht akzeptieren, dass Ebola überhaupt existiere.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich beim aktuellen Ausbruch 1323 Menschen mit Ebola infiziert, 729 von ihnen starben. Betroffenen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria. Medikamente gegen Ebola gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung der Symptome die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten. (Mehr dazu finden Sie hier.)

Unterdessen teilte das US-Friedenscorps mit, dass Hunderte Freiwillige aus Guinea, Liberia und Sierra Leone wegen der Ebola-Epidemie abgezogen würden. Eine Peace-Corps-Sprecherin sagte, zwei Freiwillige seien mit Ebola in Berührung gekommen, nachdem sei mit einem inzwischen verstorbenen Infizierten Kontakt gehabt hätten. Sie seien aber bislang symptomfrei und stünden in einer Isolierstation unter medizinischer Aufsicht. Das Peace Corps ist eine unabhängige US-Behörde, die zur Verständigung zwischen US-Bürgern und Bürgern anderer Länder beitragen soll.

cib/wbr/AFP/Reuters

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1. ***
vonwoderwestwindweht 31.07.2014
Im selben Zeitraum (März bis Juli) sind in Deutschland wahrscheinlich um die 10 000 Menschen am sogenannten "Krankenhauskeim" gestorben. Es gibt Leute, die nicht mehr nach Afrika fahren wegen Ebola, aber sich ohne Not in einem deutschen Krankenhaus operieren lassen würden. Was ist riskanter?
2. Jede getroffene Maßnahme sollte in ihrer Wirkung soweit möglich geprüft werden
neanderspezi 31.07.2014
Es ist tatsächlich kein gutes Zeichen, wenn die Erhebung von Daten zur Aktualisierung der Statistik Ebola betreffend ab einer bestimmten Größe eingefroren wird, was gegenwärtig an den Zahlen zu Todesfällen und Erkrankungsraten in den westafrikanischen Ländern seit geraumer Zeit zu beobachten ist. Die Zahl der Infizierten und der an Ebola Gestorbenen wurde auf 1201 bzw. 672 festgezurrt und dies dürfte beim gegenwärtigen Ausbreitungsgeschehen von Ebola nicht zutreffen, es sei denn, die Seuche ist inzwischen voll im Griff der Ärzte ohne Grenzen, der Behörden und der Quarantänestationen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Kontrollmaßnahmen und die Versuche zur Seucheneingrenzung an vielen Brennpunkten nicht greifen und dass inzwischen von erheblichen Dunkelziffern bei den am Virus Erkrankten und den Verstorbenen ausgegangen werden muss. Ganze Regionen eines Landes unter Quarantäne zu stellen, könnte sehr bald zu gefährlichen Unruhen führen, besonders dann, wenn Teile der betroffenen Bevölkerung dies als eine Stigmatisierung oder gar Freiheitsberaubung ansehen, vielleicht auch für die Gefährlichkeit des Virus kein Verständnis aufbringen und die getroffenen Maßnahmen falsch interpretieren. Zur Aufwiegelung der so behandelten Menschen sind dann viele Pforten geöffnet, was im schlimmsten Fall der Seucheneingrenzung entgegen wirken kann. Ein Verbot für den Verkauf und den Genuss von Bushmeat könnte auf die Eindämmung von Ebola vielleicht ebenfalls einen günstigen Einfluss zeigen.
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Epidemie: Westafrika kämpft gegen schwersten Ebola-Ausbruch
Das Ebolavirus
Ebolafieber
Die Erkrankung beginnt wie eine Erkältung: Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen sind meistens die ersten Symptome. Hinzu kommen Übelkeit und, nach fünf bis sieben Tagen, schwere Schleimhautblutungen im Magen-Darm- und Genitaltrakt. Die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombozyten) sind bei vielen Patienten stark verringert, die Patienten drohen innerlich zu verbluten. Später versagen die Nieren ihren Dienst, schließlich das Herz-Kreislauf-System. Eine Heilung gibt es bislang nicht, 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sterben.
Virus
Die Viren stammen vor allem aus Afrika und Südostasien. Sie gehören zu den sogenannten Filo-Viren, von denen bislang drei Stämme bekannt sind (Ebola-, Marburg- und Reston-Virus). Vor allem Ebola- und Marburg-Virus ähneln sich stark und lassen sich anhand der Symptome beim Menschen nur schwer unterscheiden. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Antigenstrukturen.
Ansteckung
Die Übertragung der Ebolaviren von Mensch zu Mensch findet durch infizierte Körpersekrete statt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Ist von einer Infektion noch nichts bekannt, können sich die Viren innerhalb eines Krankenhauses immer dann ausbreiten, wenn Hygienemaßnahmen nicht streng verfolgt werden. Zur Vermeidung von Ansteckungen muss das Krankenhauspersonal engen Kontakt zum Infizierten meiden und ihn isolieren. Vor allem mit Blut und anderen Sekreten kontaminiertes Material muss fachgerecht entsorgt werden.

In Deutschland gibt es in neun Städten Sonderisolierstationen: in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Würzburg, Stuttgart und Saarbrücken.
Nachweis
Um eine Infektion mit Ebolaviren zu diagnostizieren, muss ein Labor entweder die Viren selbst, Bestandteile oder spezifische Antikörper gegen die Erreger nachweisen. Es besteht Meldepflicht.
Epidemien
Häufig gehen Epidemien beim Menschen von infizierten Menschenaffen aus, der Hauptwirt des Virus ist jedoch noch nicht bekannt.

2000 erkrankten in Uganda 425 Menschen bei ein Epidemie, mehr als die Hälfte (53%) starb.

2003 breitete sich das Virus in Kongo-Brazzaville aus, 140 Menschen erkrankten, 123 starben.

2007 war wieder Uganda betroffen: Laut Weltgesundheitsbehörde WHO erkrankten 121 Menschen, 35 fielen der Infektion zum Opfer.

2009 war die Demokratische Republik Kongo betroffen: Von 36 Betroffenen starben nach Angaben der WHO zwölf.

Seit Dezember 2013 grassiert das Ebolavirus in Westafrika. Es ist der bisher größte bekannte Ausbruch. Bis Mitte August 2014 starben mehr als 1000 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Zu weiteren Ausbrüchen kam es im Sudan, Gabun und an der Elfenbeinküste.


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