Lebensgefährliche Infektion So wurde der Ebola-Patient in Hamburg wieder gesund

Extremer Flüssigkeitsverlust, gefolgt von einer Blutvergiftung und schweren Lungenproblemen: Die Ärzte des Ebola-Patienten in Hamburg haben jetzt erstmals berichtet, wie sie den Mann retten konnten.

Isolierstation im Hamburger UKE (Archivbild): Ebola-Patient ist wieder gesund
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Isolierstation im Hamburger UKE (Archivbild): Ebola-Patient ist wieder gesund


Hamburg - Der erste Ebola-Patient in Deutschland ist ohne den Einsatz experimenteller Mittel wie ZMapp genesen, berichtet das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der 36-jährige WHO-Mitarbeiter hatte allerdings mit schweren Komplikationen zu kämpfen, schreibt das Team von Ärzten und Infektiologen im "New England Journal of Medicine". Neben einem schweren Flüssigkeitsmangel entwickelte er eine bakterielle Blutvergiftung, seine Atmung versagte, er litt unter Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen.

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Heft 43/2014
Wie der Kapitalismus unser Vermögen gefährdet

Der Mann aus dem Senegal war fünf Wochen auf der Sonderisolierstation der Klinik behandelt worden, Anfang Oktober wurde er gesund entlassen. Mitarbeiter des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) für Tropenmedizin und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZI) veröffentlichten nun die Erkenntnisse aus seiner Therapie.

Der Mann hatte als Epidemiologe in einem Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone gearbeitet. Dort infizierte er sich höchstwahrscheinlich bei einem Kollegen. Zehn Tage später brach die Krankheit bei ihm aus. Weitere zehn Tage später kam er nach Hamburg.

"Der Flüssigkeitshaushalt des Patienten war stark gestört, das Verdauungssystem angegriffen", erklärte UKE-Arzt und Erstautor Benno Kreuels. Flüssigkeit und Elektrolyte hätten ausschließlich über Infusionen gegeben werden können: In den ersten Tagen benötigte der Patient teilweise mehr als zehn Liter pro Tag. An diesen Tagen verlor er durch Durchfälle zwischen vier und achteinhalb Liter täglich.

Schwere Komplikationen

Die typischen Ebola-Symptome wie Durchfall und Erbrechen waren schon nach wenigen Tagen abgeklungen, die Viruslast des Patienten nahm ab. Doch wegen einer Blutvergiftung (Sepsis) verschlechterte sich der Zustand des Patienten vom 13. Krankheitstag an. Zudem seien die Bakterien gegen verschiedenste Antibiotika resistent gewesen. Der Mann hatte ausgeprägte Bewusstseinsstörungen und eine zunehmend eingeschränkte Lungenfunktion. "Nur die intensivmedizinische Betreuung rettete unseren Patienten", sagt Tropenmediziner Stefan Schmiedel. Unter anderem musste der Mann mehrere Tage beatmet werden.

Die Ärzte vermuten, dass die Sepsis erheblich dazu beiträgt, dass Ebola-Patienten in Westafrika sterben. Durch die infolge der Ebola-Infektion extrem entzündete Darmschleimhaut kann es wahrscheinlich leicht zu einer Blutvergiftung kommen.

Der Hamburger Patient wurde am Tag 40 nach dem Ausbruch der Krankheit entlassen - seit mindestens 20 Tagen waren in Blut, Speichel, Schweiß, Stuhl, Urin, Tränenflüssigkeit und Bindehautabstrich keine infektiösen Ebolaviren mehr festgestellt worden. Die Mediziner hätten viel über das Virus und den Krankheitsverlauf gelernt, sagt Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Tropenmedizin am UKE.

UKE-Arzt hilft bald im Krisengebiet

Die Behandlungskosten könnten sich laut SPIEGEL-Informationen insgesamt auf rund zwei Millionen Euro summieren. Den direkten Behandlungsaufwand hatte die Klinikleitung ursprünglich auf rund 300.000 Euro geschätzt, es kamen jedoch unerwartete Mehrausgaben dazu. Die WHO hatte nach dem Transport des Patienten nach Hamburg zugesichert, für die Behandlungskosten aufzukommen.

Tropenmediziner Schmiedel wird bald selbst im Krisengebiet in Westafrika helfen. Er werde am Mittwoch für die Organisation Ärzte ohne Grenzen für drei Wochen nach Sierra Leone reisen, sagte er am Donnerstag - in ein Krankenhaus, das mitten im Hauptendemiegebiet liegt. Dort seien die Behandlungsbedingungen wegen der Personalknappheit äußerst limitiert. Er mache sich aber keine Sorgen, mit dem hochgefährlichen Ebolavirus infiziert zu werden: "Ich hab überhaupt keine Angst, weil ich weiß, wie man sich davor schützen kann."

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

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Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

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BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

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BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

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BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

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BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

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BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

wbr/dpa

insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
static2206 23.10.2014
1. Ganz schöne Summe
selbst wenn es bei 300.000€ pro Patient bleiben würde
CancunMM 23.10.2014
2.
Zu erst einmal Anerkennung an die Kollegen in Hamburg, dass sie den Patienten trotzdem retten konnten ! Sicher hilft dieser Fall bei der Rettung weiterer Patienten.
puyumuyumuwan 23.10.2014
3. 1,5 Mio. Menschen sterben jährlich an Tuberkulose.
Auch eine heilbare Krankheit. Und: "Ich hab überhaupt keine Angst, weil ich weiß, wie man sich davor schützen kann." Ja, durch die ganz normalen Sauberkeitsregeln, die sich offenbar in den USA und in Spanien beim Krankenhauspersonal noch nicht rumgesprochen haben. Woher kam diese Hysterie um Ebola? Eine nicht sonderlich gefährliche Art einer Sommer-Virusgrippe in Westafrika, die fast jedes Jahr dort grassiert. Ich gehe davon aus, dass es wieder einmal eine "gesponserter" PR-Aktion der WHO war. Zwecks Zulassung eines Produktes eines US-Herstellers, der ohne diese Hysterie und den dadurch ausgelösten Druck keine Zulassung wegen der erheblichen Nebenwirkungen bekommen hätte. Die WHO ist eine Organisation der UN, die noch nicht einmal in der Lage ist, ihre Aufgabe in der Bekämpfung von Tuberkulose nachzukommen und auch sonst ständig versagt. Für Tuberkulose und 1.5 Mio. Tote jährlich gibt es kein Medieninteresse. Denn das scheint der eigentliche Grund der Aktivitäten der WHO zu sein. In den Medien zu erscheinen, sich wichtig zu tun und dabei die Hand aufzuhalten.
MobelpreisMedizinPhysik 23.10.2014
4. Keine Viren mehr??? Aber im Sperma noch Monatelang!
Da wo gesucht wurde, also im Blut, Schweiß etc. wurden wohl keine Viren gefunden. Aber ich verstehe nicht, daß ähnliche Ergebnisse seit Jahrzehnten von früheren Ebola-Ausbrüchen bekannt sind, wobei aber jedesmal, wenn geprüft, selbst nach 101 Tagen die Viren noch in Spermien vorhanden waren. Wie will man hier die Weiterverbreitung durch Geheilte verhindern? BEsteht hier nicht enormer Nachholbedarf? ´Bisher gibt es wohl keinen einzigen Bericht, wonach die Viren im Sperma jemals verschwinden, denn der Hoden ist ein immunologisch privilegiertes Organ, d.h. normalerweise kommen da keine Immunabwehrzellen rein.
tempus fugit 23.10.2014
5. Kompliment den Mediziner,...
..der dankbar ist und diese dort einsetzt, wo immune Menschen notwendig sind, andere Leben zu retten! Die Menschlichkeit, Solidarität und Mitgefühl sind noch keine leeren Phrasen!
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