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Ebola-Fälle in Spanien: Behörden wollen Hund der infizierten Pflegerin einschläfern

Mit allen Mitteln will Spanien die Ausbreitung des Ebola-Virus verhindern. In Madrid soll vorsorglich der Hund der infizierten Krankenpflegerin eingeschläfert werden - Zehntausende Menschen protestieren per Online-Petition.

In Madrid werden mittlerweile vier Menschen wegen des Verdachts auf eine mögliche Ebola-Erkrankung im Krankenhaus beobachtet. Nachdem sich eine Krankenpflegerin mit dem Virus bei einem Patienten angesteckt hatte, wurden nun auch ihr Ehemann und zwei Kolleginnen vorsorglich in das Krankenhaus eingewiesen und isoliert. Der vierte Verdachtsfall ist ein spanischer Ingenieur, der zuvor in Nigeria war.

Spanien will die weitere Ausbreitung des lebensgefährlichen Virus unbedingt verhindern. Deshalb soll nun auch der Hund der an Ebola erkrankten Pflegerin eingeschläfert werden. Die örtlichen Behörden haben einen entsprechenden Gerichtsbeschluss erwirkt - gegen den Willen der Krankenschwester und ihres Mannes.

Javier Limón startete im Internet einen verzweifelten Aufruf, um den Hund namens Excalibur zu retten. Mehr als 86.000 Menschen unterschrieben eine Petition, um gegen die Tötung des zwölf Jahre alten Mischlings zu protestieren. Auf Twitter wurde der Hashtag #SalvemosaExcalibur (Lasst uns Excalibur retten) innerhalb von wenigen Stunden zum Trending Topic in Spanien.

"Eine klare Überreaktion"

Tierschützer beklagen, dass die Behörden den Hund einschläfern wollen, ohne ihn auf Ebola zu testen oder ihn unter Quarantäne zu stellen. Ob Hunde überhaupt das Ebola-Virus übertragen können, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Unklar ist deshalb auch, wie lange ein Tier in Quarantäne bleiben müsste, um eine Erkrankung zweifelsfrei auszuschließen.

Hundebesitzer Limón ist verzweifelt. Der Hund sei genauso isoliert wie er und seine Frau, sagte er in einem Interview mit der Zeitung "El Mundo". "Er hat das ganze Haus für sich allein, mit einer offenen Terrasse, sodass er sein Geschäft erledigen kann." Er habe dem Hund große Vorräte an Wasser und Hundefutter hingestellt, die mehrere Wochen reichen würden. "Wollen die mich jetzt auch einschläfern?"

Peter Cowen, Experte für Infektionskrankheiten bei Tieren von der North Carolina State University, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Tötung des Hundes sei "eine klare Überreaktion". Statt das Tier einzuschläfern, solle man es lieber beobachten.

Screening an US-Flughäfen

Die US-Regierung hat unterdessen angekündigt, dass Flugzeugpassagiere auf US-Flughäfen künftig auf das Virus hin gecheckt werden sollen. "Wir arbeiten intensiv an einem Screening-Prozess, der vor dem Abflug und nach der Ankunft eingesetzt werden kann", sagte Thomas Frieden, Chef der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Wie ein solches Screening genau aussehen soll, werde man in den nächsten Tagen erklären.

Die "Washington Post" berichtet, in Westafrika würde die CDC bei Passagieren vor dem Abflug die Körpertemperatur messen und nach möglichen Ebola-Symptomen Ausschau halten. Zudem müssten alle Passagiere einen Fragebogen ausfüllen. Bisher seien 77 Menschen aufgrund dieser Tests der Zugang zum Flugzeug verwehrt worden. Man müsse aber auch realistisch sein, zitiert die Zeitung CDC-Chef Frieden: "Die Wahrheit ist, dass wir das Risiko nicht auf Null senken können, bis die Seuche in Westafrika unter Kontrolle ist."

Die Europäische Union hat angekündigt, eine Luftbrücke in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten einzurichten. Mit rund einer Million Euro sollen Flüge mit Hilfsgütern nach Sierra Leone, Liberia und Guinea finanziert werden. Die erste von drei Großraummaschinen vom Typ Boeing 747 werde am Freitag rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die sierra-leonische Hauptstadt Freetown bringen.

Mit weiteren drei Millionen Euro will die EU ein Evakuationssystem aufbauen, mit dem im Notfall infizierte internationale Hilfskräfte in weniger als 48 Stunden in europäische Krankenhäuser gebracht werden können. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen musste gerade erst ihr zentrales Versprechen an deutsche Soldaten und freiwillige Helfer im Kampf gegen die Seuche zurücknehmen: Der Bundeswehr fehlen die nötigen Transportmittel, um infizierte Helfer sofort auszufliegen.

vet/AP

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Genau das ist war mir Angst macht!
alexxa2 08.10.2014
Dummheit als Entscheidungsträger. Die reagieren nicht wenn jemand , der Ebola-Patienten pflegt, Fieber hat, aber wollen der Hund einschläfern...Dann müssen wir in d. Ebola-Länder alle Tiere einschläfern , oder wie ? Gott steh uns bei , aber ich glaube dass ER auch schon die Schnautze voll von uns hat.
2. Petition
buenders 08.10.2014
Falls jemand die Petition unterzeichnen möchte, hier der Link. https://www.change.org/p/a-los-que-sea-mínimamente-sensibles-poner-en-cuarentena-o-aislamiento-al-perro-de-la-auxiliar-infectada-por-ébola-en-lugar-de-sacrificarlo
3. bitte nicht die Freunde des Hundes vergessen
Zentrus 08.10.2014
vielleicht hatte der Hund ja Kontakt zu anderen Hunden, Katzen, oder deren Herrchen und Frauchen. Bite niemanden vergessen (lach)
4. Lektüre
xy01z 08.10.2014
Passende Lektüre zur aktuellen Situation: Die Pest von Albert Camus. Da steht eigentlich schon alles drin.
5.
der.tommy 08.10.2014
Meine Güte diese Tierschützer! Klar! Nicht schön den Hund einzuschläfern, ich würde das bei meinem Hund auch nicht wollen. Aber lieber etwas zu vorsichtig, als dann n großes Problem an der Backe. Ich möchte mal die Tierschützer stehen wenn sie plötzlich isoliert werden müssen weil Verdacht auf eine Infektion besteht und sich herausstellt, dass selbiger Hund es dann doch übertragen hat.
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