Epidemie in Westafrika Spanischer Geistlicher an Ebola gestorben

Sie haben ihn in sein Heimatland geholt, aber die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten: Ein spanischer Geistlicher ist in einer Klinik in Madrid an Ebola gestorben. Der 75-Jährige hatte sich in Liberia mit dem Virus infiziert.

DPA

Madrid - Der spanische Geistliche Miguel Pajares ist in einer Klinik in Madrid an Ebola gestorben. Der 75-Jährige hatte sich bei einem Aufenthalt in Liberia infiziert, als er den Direktor eines Krankenhauses in Monrovia gepflegt hatte. Auch dieser war später an Ebola gestorben.

Der Missionar ist der erste Ebola-Patient der aktuellen Epidemie, der in die EU ausgeflogen wurde. Nachdem ein Test seine Infektion bestätigt hatte, forderten Zehntausende Spanier in einer Internetpetition, ihn sofort in sein Heimatland zurückzubringen.

Die spanische Regierung schickte daraufhin am 6. August eine Maschine der Luftwaffe, mit der er unter strengsten Sicherheits- und Quarantänevorkehrungen nach Madrid geflogen wurde. Dort wurde er im Hospital Carlos III de Madrid mit dem experimentellen Medikament ZMapp behandelt. Doch der Antikörper-Cocktail konnte dem Missionar nicht mehr helfen.

Laut spanischen Medien litt Pajares unter Vorerkrankungen. Kurz vor seinem Abflug hatte er gesagt, er fühle sich in Liberia im Stich gelassen. "Ich würde gern nach Spanien, weil wir hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man hilft uns nicht", sagte er der spanischen Nachrichtenagentur Efe. Am Samstag starb auch eine Mitarbeiterin des Geistlichen, eine aus dem Kongo stammende Nonne, in Monrovia an dem Virus.

WHO berät über Einsatz des experimenteller Medikamente

Außer dem Geistlichen hatten ZMapp zuvor nur ein Arzt und eine Krankenschwester aus den USA erhalten, ansonsten wurde es bisher ausschließlich an Tieren getestet. Da es derzeit weder einen Impfstoff noch eine zugelassene Arznei gegen das Virus gibt, setzen die Behörden große Hoffnungen in das Medikament, das aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gewonnen wird.

Die Vorräte des Mittels sollen jetzt nach Liberia geschickt werden, allerdings sind diese sehr begrenzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berät momentan über den Einsatz von Präparaten wie ZMapp, die noch nicht hinreichend in klinischen Versuchen getestet und daher nicht zugelassen sind. Erste Ergebnisse werden am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Unterdessen hat sich der Verdacht auf eine Ebola-Infektion mit dem tödlichen Virus bei einem Medizinstudenten aus Deutschland nicht bestätigt. Das teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Dienstag mit. Der Medizinstudent hatte verdächtige Krankheitszeichen gezeigt. Da er sich zuvor in Liberia aufgehalten hatte, wo bereits Hunderte Opfer der Ebola-Epidemie wurden, war eine Infektion befürchtet worden.

Noch nie haben Ärzte einen so schlimmen Ebola-Ausbruch dokumentiert wie derzeit in Westafrika. Laut WHO ist die Zahl der Opfer der aktuellen Epidemie auf über 1000 gestiegen, mehr als 1800 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. 323 der Opfer stammen aus Liberia, 373 aus Guinea und 315 aus Sierra Leone. Auch in Nigeria gibt es mittlerweile zwei Todesfälle.

irb/dpa/Reuters

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Seite 1
rakatak 12.08.2014
1.
Zitat von sysopDPASie haben ihn in sein Heimatland geholt, aber die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten: Ein spanischer Geistlicher ist in einer Klinik in Madrid an Ebola gestorben. Der 75-Jährige hatte sich in Liberia mit dem Virus infiziert. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-spanischer-geistlicher-miguel-pajaresaus-gestorben-a-985647.html
Wäre es nicht am besten, wenn man in der Krisenregion in Afrika ein Krankenhaus in Rekordzeit auf höchsten Standard aufrüstet, um die europäischen und amerikanischen Helfer gleich vor Ort zu versorgen, anstatt sie in ihre Heimatländer zu bringen? Es heisst zwar, man passe auf, dass das Virus nicht unkontrolliert entfleuche, aber wie es immer so ist, uups, dann ist es eben doch passiert. Die Konsequenzen für alle wären fürchterlich.
Hilfskraft 12.08.2014
2. bisher ...
... waren Ebola & Co. das Problem der Schwarzen, der afrikanischen Menschen. Warum sich drum scheren? Kaum Forschungsgelder, kaum Engagement der Pharmariesen. Zu wenig Tote, zu wenig Abnehmer der unbezahlbaren Medikamente = lohnt nicht, lassen wir es bleiben ... war die logische Schlußfolgerung. Nun holt der Tod auch die von sich sooo überzeugte weiße "Elite-Weltbevölkerung". Nun ist "Holland in Not". Seit den Pest-Epidemien des Mittelalters also nichts hinzu gelernt ... Auch das ist Evolution: sich selbst aus Kommerzdenken und kurzsichtiger Blödheit ausrotten!
Lampenluft 12.08.2014
3. Unterschied der Kulturen
Teile der spanischen Bevölkerung fordern die Rückkehr ihrer Erkrankten nach Hause. In Amerika das Gegenteil, die Erkrankten werden gefürchtet und es wird gefordert, dass diese in der Ferne sterben sollen. Welch ein kultureller Unterschied.
darthmax 12.08.2014
4. Infektionsweg
Solang der Infektionsweg nicht klar ist, sollte man mit Aktionen:´´ bring Sie nach Haus´´ sehr vorsichtig sein. Da zu den Erkrankten viele Ärzte und klinisches Personal gehören, die sich sicherlich bei dem Kontakt zu Erkrankten besonders vorsehen, ist es sicherer die Epidemie durch Quarantäne vor Ort an der Ausbreitung zu hindern. Zu Mister Hilfskraft : Er sollte doch damit aufhören die Afrikaner als ´´Hilfsbedürftig´´ anzusehen, es gibt genug qualifizierte afrikanische Ärzte, die forschen können, wenn Ihre Staaten ihnen die Forschungsmittel zu Verfügung stellen würden. Haben die Deutschen einen Impfstoff gegen EHEC entwickeln können ? Die bösen US Amerikaner sind dabei ein Mittel gegen EBOLA und Malaria zu entwickeln, wobei Malaria mit Millionen Toten jedes Jahr sicherlich Vorrang hat.
Toll-s-toy 12.08.2014
5. Auch der Kirche sei dank.
Zitat von LampenluftTeile der spanischen Bevölkerung fordern die Rückkehr ihrer Erkrankten nach Hause. In Amerika das Gegenteil, die Erkrankten werden gefürchtet und es wird gefordert, dass diese in der Ferne sterben sollen. Welch ein kultureller Unterschied.
Sie haben Recht. Trotzdem gibt es mit Sicherheit viele viele Spanier, die AUCH ihr Bedenken hatten/haben. Angst macht keinen Halt, auch nicht bei den verschiedenen Mentalitäten. Der leider schon gestorbene Patient war ein katholischer Priester. Die Kirche hat alles in Bewegung gesetzt, um ihn nach Hause zu holen.
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