Liberia Streik verschärft das Elend der Ebola-Kranken

Nur wenige Ebola-Kranke finden in Liberia einen Behandlungsplatz, jetzt streikt auch noch das Pflegepersonal. Die Helfer fordern eine Risikozulage. Derweil wollen die europäischen Minister über strengere Einreisekontrollen diskutieren.

Trauer: Eine Frau weint um ihre an Ebola gestorbene Schwester
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Trauer: Eine Frau weint um ihre an Ebola gestorbene Schwester


Monrovia - Die Behandlung von Ebola-Patienten ist gefährlich. Das gilt vor allem in Westafrika, wo es häufig an einer guten Ausbildung und Schutzausrüstung fehlt. Jetzt haben die Pflegekräfte in Liberia, dem Land mit den bislang meisten Infizierten, ihre Arbeit niedergelegt. Der Streik verschlimmert die Situation der todkranken Patienten, die oft nur mit Mühe einen Behandlungsplatz gefunden haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO existieren in Liberia nur für 21 Prozent der Infizierten überhaupt Betten in speziellen Isolierstationen.

Gewerkschaftschef Joseph Tamba sagte am Montag, ein in der Hauptstadt Monrovia begonnener Streik sei auf das ganze Land ausgeweitet worden, um die Zahlung von Risikoprämien sowie unbefristete Anstellungen durchzusetzen. Der Streikaufruf betreffe "alle Krankenhäuser und alle Gesundheitszentren einschließlich der Ebola-Behandlungszentren", sagte der Chef der Spartengewerkschaft der Pflegekräfte im Gesundheitsdienst.

Im Rundfunk beklagte sich ein Patient, dass sich in der Island-Klinik niemand um sie gekümmert habe. In der Nacht zum Montag seien mehrere Kranke gestorben. Wer noch laufen könne, versuche, die Absperrungen zu überwinden, um zu entkommen.

Nach Angaben der Gewerkschaft erhalten viele Angestellte in der Pflege nicht die zugesagten Lohnzahlungen von umgerechnet 270 bis 600 Euro monatlich. Einige Pfleger gingen trotz des Streikaufrufs weiter ihrer Arbeit nach.

EU: Gespräche zu Einreisekontrollen geplant

Angesichts der Gefahr einer Ausbreitung der Ebola-Epidemie setzte die EU für Donnerstag Gespräche der europäischen Gesundheitsminister an, an denen auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) teilnehmen soll. Bei dem Meinungsaustausch gehe es um mögliche Kontrollen von Reisenden, die nach einem Aufenthalt in westafrikanischen Ebola-Gebieten nach Europa kommen, teilte die italienische Ratspräsidentschaft mit.

Die USA habe bereits verschärfte Kontrollen an Flughäfen beschlossen. Auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen werden Reisende aus von der Ebola-Epidemie betroffenen Ländern inzwischen auf mögliche Symptome untersucht. Die vier anderen großen US-Flughäfen sollten folgen. In Europa hingegen gibt es bislang keinen Konsens in der Frage, ob Reisende bei der Ankunft in Europa systematisch kontrolliert werden sollen.

Laut EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg müssen die EU-Mitgliedstaaten über die Einführung von Kontrollen entscheiden. "Es wäre aber gut, ein Minimum an Koordinierung in der Frage zu haben." Als einziges EU-Mitglied hat Großbritannien vergangene Woche vorbeugende Gesundheitskontrollen an großen Flughäfen und Bahnhöfen eingeführt. Vergleichbares ist in Deutschland bislang nicht vorgesehen - es gibt allerdings auch keine direkten Flugverbindungen in die Ebola-Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea.

Auch die WHO empfiehlt bisher nur Abflugkontrollen in Westafrika, das System hat jedoch Lücken. Beispielsweise kann es bis zu drei Wochen dauern, bis Betroffene nach einer Ebola-Infektion erste Symptome wie Fieber entwickeln. Selbst wenn nur Menschen ohne erhöhte Körpertemperatur ins Flugzeug steigen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass manche das Virus in sich tragen. Ansteckend sind sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

"Den Mut zu bedingungsloser Solidarität"

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation haben sich bislang rund 8400 Menschen mit dem Virus angesteckt, mehr als 4000 von ihnen sind gestorben. Noch ist nicht absehbar, wann die Epidemie unter Kontrolle gebracht werden kann. Momentan reichen die Hilfsmaßnahmen vor Ort nicht aus.

In Dallas im US-Bundesstaat Texas wurde am Montag weiter nachgeforscht, warum sich eine Krankenschwester bei der Behandlung eines Ebola-Patienten trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen infizieren konnte. Der Chef der Aufsichtsbehörde CDC, Thomas Frieden, erklärte, trotz Schutzkleidung und strenger Sicherheitsvorkehrungen seien die Vorschriften an irgendeiner Stelle nicht eingehalten worden. Schon ein einziger Fehler könne zur Ansteckung führen. US-Präsident Barack Obama verlangte, die Ergebnisse der Untersuchung müssten umgehend und umfassend veröffentlicht werden.

Die Welthungerhilfe warnte vor den Folgen der Ebola-Epidemie in Westafrika auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Die Epidemie werde in den kommenden Monaten erhebliche Auswirkungen auf die Ernährungslage in den betroffenen Ländern haben, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann. "Die Welt muss jetzt stärker zusammenrücken, um diesen Herausforderungen zu begegnen", fügte Dieckmann hinzu. "Wir brauchen den Mut zu bedingungsloser Solidarität."

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irb/AFP/dpa

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Zensi Erter 13.10.2014
1. Zu spaet fuer Einreisekontrollen
Deutschland sollte mehr Hilfe vor Ort leisten, um diese Epidemie einzudaemmen. Ausserdem sollten Gelder fuer die Herstellung eines Impfstoffes und weiterer Behandlungsmoeglichkeiten zur Verfuegung gestellt werden. Die Herstellung eines Inpfstoffes in den naechsten sechs Monaten ist moeglich und wuerde ds Problem komplett loesen. Eine Einschranekung der zivilen Luftfahrt wird nicht viel bringen, die meisten Infizierten, die in den naechsten Wochen und Monaten nach Deutschland kommen werden, werden Hilfskraefte sein. Den Zugang z und die Ausreise aus den Krisengebieten fuer Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu beschraenken ist kontraproduktiv und auch wenig praktikabel. Bis die internationale Gemeinschaft sich auch nur auf ein erstes Memo geeinigt hat, wird der Impfstoff da sein.
Ruhrfred 13.10.2014
2. Grippe-Vergleich
Bevor hier gleich wieder der Grippe-Vergleich kommt hier ein ähnlich sinnvoller Vergleich: Nur jeder sechste Verkehrstote ist Motorradfahrer. Daher ist Autofahren gefährlicher. Aber zum Thema: Wo ist denn der Aufwand, jemandem einen IR-Thermometer an den Kopf zu halten. Das dauert vielleicht 10 Sekunden und kann auch wirklich von nicht ausgebildeten Leuten vorgenommen werden. Eine 747 prüfe ich doch mit zwei Studenten in einer halben Stunde. Wo ist das Problem?
arkon_de 13.10.2014
3.
Zitat von RuhrfredBevor hier gleich wieder der Grippe-Vergleich kommt hier ein ähnlich sinnvoller Vergleich: Nur jeder sechste Verkehrstote ist Motorradfahrer. Daher ist Autofahren gefährlicher. Aber zum Thema: Wo ist denn der Aufwand, jemandem einen IR-Thermometer an den Kopf zu halten. Das dauert vielleicht 10 Sekunden und kann auch wirklich von nicht ausgebildeten Leuten vorgenommen werden. Eine 747 prüfe ich doch mit zwei Studenten in einer halben Stunde. Wo ist das Problem?
Das prüfen alleine dürfte nicht das Problem sein. Aber die Frage ist, ist das sinnvoll? Es gehen keine direkten Flüge aus den betroffenen Gebieten nach Deutschland. Und selbst wenn, wen sollte man mit Fiebermessen den rausfinden? Die Menschen, die in den letzten 3 Stunden (oder dauert der Flug länger) Symptome zeigen? Die Menschen werden eh beim Abflug gescreent.
karend 13.10.2014
4. Screening
Zitat von arkon_deDas prüfen alleine dürfte nicht das Problem sein. Aber die Frage ist, ist das sinnvoll? Es gehen keine direkten Flüge aus den betroffenen Gebieten nach Deutschland. Und selbst wenn, wen sollte man mit Fiebermessen den rausfinden? Die Menschen, die in den letzten 3 Stunden (oder dauert der Flug länger) Symptome zeigen? Die Menschen werden eh beim Abflug gescreent.
Werter arkon_de, schauen Sie einmal, welche Städte/Länder Lufthansa von Frankfurt aus anfliegt. Mit der Flugzeit liegen Sie auch daneben. Etwas weiter als Mallorca ist es schon ;-)
vanselow 13.10.2014
5. Screening am Flughafen nutzlos
Zitat von RuhrfredBevor hier gleich wieder der Grippe-Vergleich kommt hier ein ähnlich sinnvoller Vergleich: Nur jeder sechste Verkehrstote ist Motorradfahrer. Daher ist Autofahren gefährlicher. Aber zum Thema: Wo ist denn der Aufwand, jemandem einen IR-Thermometer an den Kopf zu halten. Das dauert vielleicht 10 Sekunden und kann auch wirklich von nicht ausgebildeten Leuten vorgenommen werden. Eine 747 prüfe ich doch mit zwei Studenten in einer halben Stunde. Wo ist das Problem?
Es nützt nichts. Das ist das Problem. Wenn jemand den Virus trägt, aber noch kein Fieber hat, nützt es nichts. Wenn jemand Fieber hat, kann dieser mit fiebersenkenden Mitteln der Kontrolle leicht entkommen. Stattdessen wird man viele Leute finden, die wegen einer Grippe oder sonst Fieber haben. Ein eindeutiger Beweis ist nur ein Bluttest. Das ist für Ebola gefährlich und kann nur von Experten gemacht werden. Solche Virologen gibt es in Deutschland weniger als zehn. Nochmals: weniger als zehn.
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