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Folgeschäden der Seuche: Viele Überlebende leiden am Post-Ebola-Syndrom

Romeo Doe aus Liberia: Der 29-Jährige hat Ebola überlebt, jetzt verschlechtern sich seine Augen Zur Großansicht
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Romeo Doe aus Liberia: Der 29-Jährige hat Ebola überlebt, jetzt verschlechtern sich seine Augen

Sie können immer schlechter sehen, haben Gelenkschmerzen oder Haarausfall: Viele Ebola-Überlebende leiden unter Folgekrankheiten. Warum, wissen Ärzte nicht, sie sprechen vom Post-Ebola-Syndrom.

Romeo Doe hat Glück gehabt, zumindest auf den ersten Blick: Der 29-jährige Schneider aus Liberia hat Ebola überlebt, sieben Menschen aus seiner Familie sind an der Krankheit gestorben. Jetzt versucht Doe sich wieder aufzurappeln, aber er kämpft mit den Folgen der Infektion - und die bedrohen seine Existenz erneut. Seitdem er das Ebola-Zentrum im November verlassen hat, nimmt der Druck in seinen Augen zu und er kann immer schlechter sehen.

So wie Doe geht es vielen Ebola-Überlebenden. Sie klagen über Probleme mit den Augen, manche haben noch Monate nach der überstandenen Infektion Beschwerden. "Seitdem ich entlassen wurde, habe ich diese Schmerzen in meinen Augen", sagt Doe. "Ich brauche Hilfe von der Regierung, um wieder richtig auf die Beine zu kommen."

Margaret Nanyonga von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt, was Doe beschreibt. Die Ärztin hat Ebola-Patienten in der Stadt Kenema in Sierra Leone behandelt und miterlebt, wie einige von ihnen erblindeten. Insgesamt leide die Hälfte der Überlebenden auch nach der Infektion noch unter Gesundheitseinschränkungen. Die Ärzte haben dafür bereits einen Namen: das Post-Ebola-Syndrom.

Wie die Krankheit traumatisiert

In Guinea, Liberia und Sierra Leone hat Ebola fast 9000 Menschen getötet. Das Virus greift das Immunsystem und die lebenswichtigen Organe an. Wer sich infiziert hat, bekommt Fieber, erbricht sich, häufig kommt es zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen und zum Schock.

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Ebola: Die Gesichter der Überlebenden
Aber es gibt auch Tausende Überlebende, die neben Schmerzen in den Augen und Sehproblemen von weiteren Symptomen berichten: Sie klagen über Gelenk-, Muskel- und Brustschmerzen, Haarausfall und Gedächtnisverlust, bei einigen Frauen bleibt die Menstruation aus. Manche leiden unter permanenter Erschöpfung, die ihren Alltag erschwert.

Auch psychische Störungen wie Angstattacken, Depressionen oder Panikstörungen treten vermehrt auf. Für die Überlebenden war die Krankheitszeit traumatisch, viele mussten hilflos zuschauen, wie ihre Kinder, Eltern, Ehemänner oder Ehefrauen neben ihnen qualvoll starben.

Ärzte sind ratlos

Richtet möglicherweise das Virus selbst dauerhaft Schaden in Nervenzellen an? Schwächt Ebola - ähnlich wie andere Infektionskrankheiten auch - die Kranken generell und macht sie anfällig für andere Krankheiten? Sind die Folgebeschwerden auf das Virus selbst zurückzuführen oder möglicherweise auf einen Autoimmunprozess?

Die Antworten kennen Mediziner noch nicht. Wodurch die verschiedenen Symptome entstehen, wie lange sie andauern oder ob sie bleiben, können sie nicht abschätzen, wissenschaftliche Literatur gibt es zu dem Thema kaum. Die vorangegangenen Ausbrüche in Afrika waren zu klein, als dass man bereits klar definierte Folgekrankheiten und deren Ursachen benennen könnte.

Dan Kelly, Mitgründer der gemeinnützigen Organisation Wellbody Alliance, nimmt an, die Situation werde durch fehlende Details in den medizinischen Berichten noch erschwert. Neue Symptome von alten zu unterscheiden sei derzeit schwierig. "Wir müssen die Überlebenden jetzt befragen, wo sie die Behandlungszentren verlassen", sagt der Infektionsmediziner. "Sonst laufen wir Gefahr, das Zeitfenster zu verpassen."

Das Augenlicht retten

Auch Andrew Ramsay, WHO-Koordinator in Kenema benennt Unsicherheiten: Probleme mit den Augen könnten durch eine Schädigung der Hornhaut entstehen, der Nerven oder durch etwas ganz anderes. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir einfach noch nicht genug Informationen, um zu wissen, was genau da passiert", sagt Ramsay. "Aber wir müssen das dringend herausfinden, damit wir das Augenlicht der Menschen retten, die gerade mühsam versuchen, in ihr Leben zurückzufinden."

Wissenschaftler suchen nun nach Antworten auf ihre Fragen in anderen schweren Infektionsverläufen. Ben Neumann, Virologe an der britischen Reading University, hat neben Ebola auch Erreger wie das Lassa-Virus untersucht. Die Symptome der Erkrankung gleichen denen einer Ebola-Infektion, viele Überlebende haben dem Experten zufolge Spätfolgen. "Überlebende einer Lassa-Infektion berichten oft über Nervenschädigungen wie etwa Hörverlust", sagt Neumann. Ihn würde es eher überraschen, sagt der Virologe, wenn "etwas so Schädigendes wie Ebola keine langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit haben würde".

hei/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Der Schreck sitzt tief
hermannheester 05.02.2015
Wer die Krankheit überwunden hat, steckt sicher erst mal in einer tiefen Krise. Das Todesurteil wurde noch einmal aufgehoben. Allerdings sollte man sich auch klar sein, dass es ein Leben danach gibt. Hoffentlich bald für jeden.
2. Post Syndrome
Tick & Doof 05.02.2015
In Deutschland wird gern vom Post-Lyme Syndrom gesprochen falls man mit den nichtsnutzigen Antikörpertests eine Borreliose erkannt und 3 Wochen mit unterdosiertem Antibiotika behandelt hat. Dass die Krankheit und die Erreger aber noch da sind wird abgestritten. Bei Ebola sind die Erreger vermutlich aktiv oder haben anderen Erregern die Türen geöffnet. So viel weiß man noch nicht, da ist Post Ebola sicher der falsche Name. Eine Borreliose ist bei fast allen Patienten nicht nur der eine Erreger, sondern teils ein halbes Dutzend an Erregern...
3. Hmmm....
also_wirklich 05.02.2015
Hi, mir kommt das vor wie zu wenig Knoblauch. Auch viel Zuwendung des anderen Geschlechts nötig, Taxofit Vitamin B12 und regelmäßiger Schwimmbadbesuch. Das Chlor sollte den Rest erledigen. Die haben vielleicht Sonnenallergie. Viele harte Sachen essen (Cracker und so) und Kakaoprodukte. Außerdem Weintrauben und Kakis. Eier vielleicht Vielleicht langsam mit Ausdauersport in den Alpen anfangen. Mountainbiken im Staub dort.
4.
humpalumpa 05.02.2015
"Wir haben keine Ahnung, was es ist", nennen es aber mal einfach Post-Ebola. Soso...
5. Ganz einfach..
kobmicha 05.02.2015
Es sollen mal wieder sehr viele Spenden nach Afrika eingefordert werden. Die Sache mir EBOLA hat nicht lange genug gedaueret und die Spenden sind auch nicht wie erwartet geflossen. Bitte verurteilt mich nicht!!! Wenn ich sehe welch ein sehr einträglicher Industriezweig das Aufrufen von Spendenaktionen für die Betreiber ist kann ich nicht anders. Weit mehr als 50% fließen in die Taschen der Abzocker und das sind auch viele "etablierte" Institutionen! Direkte Hilfe für die Betroffenen ist nicht zu Tadeln!!!
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