Ebola-Epidemie in Westafrika Uno vergleicht Ausbruch mit Tsunami-Katastrophe

Erdbeben, Tsunami, Ebola: Die Vereinten Nationen wählten für den Ausbruch der tödlichen Epidemie in Westafrika drastische Worte. Die "Ärzte ohne Grenzen" sehen sich von der Politik im Stich gelassen.

Junges Mädchen auf einem Markt nahe Monrovia, der Hauptstadt Liberias: Ebola verbreitet sich auch auch in Großstädten - eine besondere Herausforderung.
AFP

Junges Mädchen auf einem Markt nahe Monrovia, der Hauptstadt Liberias: Ebola verbreitet sich auch auch in Großstädten - eine besondere Herausforderung.


New York - Der Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika steht nach Ansicht der Vereinten Nationen auf einer Stufe mit verheerenden Katastrophen der jüngsten Geschichte. Der Kampf gegen die Expansion des tödlichen Virus stelle die internationale Gemeinschaft ähnlich auf die Probe, wie der Tsunami in Südostasien vor zehn Jahren oder das Erdbeben in Haiti im Jahr 2010, sagte Vize-Generalsekretär Jan Eliasson in New York. Die Seuche sei ein Test für die Infrastruktur der betroffenen Länder und die Solidarität der Welt. Die Epidemie bezeichnete Eliasson als "eine der schwersten Gesundheitskrisen, die die Uno je zu bewältigen hatten".

Ebola ist zwar aus medizinischer Sicht kein unbekanntes Phänomen - allerdings blieb die Erkrankung bislang auf eher weit entlegene Gebiete beschränkt. Doch diesmal hat sich die Seuche blitzschnell ausgebreitet. Die WHO ist alarmiert: "Dieser Ausbruch ist größer, komplexer und ernster als alles, was wir in der 40-jährigen Geschichte von Ebola gesehen haben", sagte die Chefin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan. Denn auch dicht besiedelte Gebiete seien jetzt betroffen, was eine besondere Herausforderung darstelle.

Der erste Ebola-Ausbruch war im März in Guinea bekannt geworden. Anschließend verbreitete sich das Virus über ganz Westafrika: Liberia, Sierra Leone und Nigeria. Auch einige medizinische Helfer und Ärzte wurden davon infiziert - teilweise wurden sie zur Spezialbehandlung nach Europa gebracht. Seit Beginn des Ausbruchs gibt es insgesamt mehr als 3000 bestätigte Fälle und Verdachtsfälle einer Ebola-Infektion. An der Erkrankung sind bis Ende August rund 1500 Menschen gestorben. Bisher gibt es kein zugelassenes Medikament oder eine Impfung gegen das Virus.

Viele Fluggesellschaften weigern sich, die betroffenen Länder anzufliegen, Schiffe meiden die Häfen von Liberia oder Sierra Leone. Die Uno warnte: "Isolierung ist nicht die Antwort. Dann gefährdet man die in den vergangenen Jahren teuer erkauften Erfolge beim Aufbau der Wirtschaft", sagte Uno-Koordinator David Nabarro. Für die geplagten Nationen stünde die Zukunft auf dem Spiel.

Unterdessen sehen die Ärzte ohne Grenzen (MSF) ihren Einsatz gegen Ebola als Kampf gegen Windmühlen. MSF-Chefin Joanne Liu sagte: "Sechs Monate nach Beginn der schlimmsten Ebola-Epidemie der Geschichte verliert die Welt den Kampf, sie einzudämmen." Die politischen Verantwortlichen "schaffen es nicht, diese transnationale Gefahr in den Griff zu bekommen". Liu rief zu mehr Engagement der internationalen Gemeinschaft auf und forderte, mehr Hilfsgüter und medizinisches Personal nach Westafrika zu schicken.

daf/dpa/AFP



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insgesamt 8 Beiträge
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Untertan 2.0 02.09.2014
1. Extrem gefährlich
---Zitat--- Erdbeben, Tsunami, Ebola: Die Vereinten Nationen wählten für den Ausbruch der tödlichen Epidemie in Westafrika drastische Worte. ---Zitatende--- Das ist eigentlich sogar noch verharmlosend. Ein Tsunami, so schlimm er auch sein mag, ist immer regional begrenzt, Ebola kann mit ein bisschen Pech jeden Menschen auf der Welt treffen, insbesondere wenn man sich ansieht, wie stümperhaft die afrikanischen Länder mit dem Problem umgehen.
HugoHasenfuß 03.09.2014
2. es interessiert die...
Welt doch gar nicht solange es nicht vor der eigenen Haustür steht wird die Welt nichts Unternehmen. Es ist nur Afrika nicht die USA oder Europa für die Welt sind die Menschen dort entbärlich. Ein armuts Zeugnis für die Welt. Traurig
motzbrocken 03.09.2014
3. Traurig und ein Drama
ist das Ganze Ebola Zeugs. Aber mal ehrlich, wenn die WHO, UNO, EU diverse Politiker usw usf nun in ein grosses Wehklagen ausbrechen, einfach eine Frage: Ebola ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Offenbar können sich amerikanische Aerzte mittels eines noch nicht zugelassenen Medikament heilen. Zugelassen ist es noch nicht, weil der Industrie die Kranken fehlen. Wegen ein paar Hundert Toten Milliarden in die Entwicklung eines Medis stecken? Und dann sind es ja eh nur Dritt Welt Leute...... Wenn die obengenannten Organisationen das wären was sie sagen sie seien es, wäre man dafür besorgt, dass auch Medis gegen Ebola u.ä. entwickelt und erforscht werden. Bezahlt durch die UN, WHO etc. Aber eben, das wird ja nicht gemacht, da diese Organisationen das Geld nicht Wert sind das sie kosten. Und es werden noch ganz viele andere Krankheiten folgen, welche die Menschheit dezimieren werden. Wetten, wenn Ebola im sogenannten zivilisierten Westen ausbricht, geht es Schwuppdiwupp und das Medi wird produziert und verkauft. Die Staaten werden Milliarden an die Chemie zahlen. Wie beim Tamiflu. Da hat Roche sich eine goldene Nase verdient, mit einem Medi das nicht mal wirkt. Immerhin helfe ja das Ebolamittel. Wäre wenigstens nicht ein sinnloses Sponsern der Chemieindustrie. Hoffe mal, das man diese Ebola Sache schnell in den Griff bekommt.
lan_core 03.09.2014
4. Die ersten Menschen? Du meinst Adam und Eva!
So gehen die Menschen dort um, wenn man ihnen mit Wissenschaft ankommt. Die Bildung dort ist relativ hoch, jedoch ist bei ihnen der Glaube das höchste Gut. Und der Glaube sagt nunmal nicht: da sind mikroskopisch kleine Organismen die dich töten. Vom Staatswesen mal abgesehen, ich denke viele Hilfsspenden, die an die Länder direkt gehen, werden vom Staat unterschlagen.
lustiger_leser 03.09.2014
5. Bissken naive Sicht der Dinge...
Ja natürlich werden die infrastrukturell besser ausgestatteten "westlichen" Länder ganz anders und wohl effizienter agieren, als es momentan in Afrika geschieht. Es fehlt in den betroffenen Staaten ein gut organisiertes Katastrophenmanagement, welches in Europa oder USA relativ fix aufgebaut wäre. Von der medizinischen Infrastruktur einmal ganz abgesehen. Es ist tragisch, aber selbst mit Milliardenaufwand könnte man die aktuelle Ebola-Seuche in Afrika nicht so schnell eindämmen, wie hier einige Foristen sich wünschten...
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