Experimentelle Therapie Beide US-Patienten haben Ebola überstanden

Kent Brantly und Nancy Writebol, die sich in Liberia mit Ebola infiziert haben, geht es wieder gut. Der Arzt und die Nonne gehören zu den wenigen Patienten, die ein experimentelles Medikament erhalten haben.

Eingang des Emory University Hospital in Atlanta, Georgia
AFP

Eingang des Emory University Hospital in Atlanta, Georgia


Der mit dem Ebola-Virus infizierte US-Amerikaner Kent Brantly ist so weit genesen, dass er am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen wird. Die Nonne Nancy Writebol liegt bereits seit Dienstag nicht mehr im Krankenhaus. Das teilte die Hilfsorganisation Samaritan's Purse mit.

Der Arzt hatte in Liberia für die christliche Hilfsorganisation Ebola-Patienten betreut. Dabei hatten sich er und die 59 Jahre alte Writebol mit dem gefährlichen Erreger infiziert. Beide waren nacheinander mit einem Spezialflugzeug nach Atlanta gebracht worden, wo sie im Emory University Hospital behandelt wurden.

Brantly und Writebol erhielten das experimentelle Mittel ZMapp. Ein ebenfalls mit dem Medikament behandelter 75-jähriger spanischer Priester war vergangene Woche gestorben.

Zumindest Brantly hatte zudem noch Blut eines 14-Jährigen erhalten, der eine Ebola-Infektion überstanden hatte. Der Jugendliche war von Brantly behandelt worden.

Die Krankheit wütet besonders stark in Liberia

Allen internationalen Anstrengungen zum Trotz breitet sich die Ebola-Epidemie in Westafrika weiter aus. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwochabend in Genf mitteilte, stieg die Zahl der mutmaßlichen Ebola-Toten in Westafrika auf 1350. Bei 805 Todesfällen sei das Ebola-Virus nachgewiesen worden, bei den anderen Opfern handele es sich um noch nicht bestätigte Verdachtsfälle.

Allein zwischen dem 17. und 18. August seien von den Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone 221 neue bestätigte und Verdachtsfälle gemeldet worden, darunter 106 weitere Todesfälle. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Krankheit besonders heftig in Liberia wütet: Dort wurden bis vorigen Montag 972 der insgesamt 2473 bestätigten oder Verdachtsfälle registriert.

Die Epidemie in Westafrika wird nach Einschätzung der WHO noch etliche Monate andauern. Zudem habe sich durch die Ausbreitung nach Nigeria gezeigt, dass das Virus von infizierten Flugreisenden in "jede Stadt mit einem internationalen Flughafen" gelangen könne, warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in der US-Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" .

Das größte Problem bei der Bekämpfung des Ausbruchs in den am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone lasse sich in einem Wort zusammenfassen: Armut. In diesen Ländern kämen nur ein oder zwei Ärzte auf 100.000 Einwohner. Zudem seien die Gesundheitssysteme in jahrelangen Konflikten weitgehend zerstört worden. "Die internationale Gemeinschaft muss sich darauf einstellen, dass noch viele weitere Monate lang massive, koordinierte und zielgerichtete Unterstützung nötig sein wird", schreibt Chan.

irb/wbr/AP/dpa/Reuters



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