Ansteckungsgefahr in Texas US-Krankenhaus schickte Ebola-Patient nach Hause

Der Ebola-Patient in Dallas war vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus schon einmal dort - und wurde nach Hause geschickt. Vor seiner Wohnung musste er sich übergeben. Das Ansteckungsrisiko ist damit deutlich höher als gedacht.


Dallas - Nach der ersten Ebola-Diagnose bei einem Patienten in den USA wurde nun bekannt, dass der Mann das Krankenhaus schon vier Tage vor seiner Einlieferung aufgesucht hatte - und mit Antibiotika wieder nach Hause geschickt wurde. Und das, obwohl er einer Krankenschwester gesagt hatte, dass er zuvor in Westafrika war. "Leider wurde diese Information nicht an das ganze Team kommuniziert", sagte ein Vertreter des Texas Health Presbyterian Hospitals.

Die Fehleinschätzung könnte zur Folge haben, dass sich weitere Menschen mit dem Virus angesteckt haben. Zwei Tage nach seinem ersten Krankenhausbesuch musste sich der Mann vor dem Apartmentkomplex, in dem er bei Verwandten wohnte, übergeben. "Seine ganze Familie schrie, und er spuckte überall hin", sagte ein Nachbar der Nachrichtenagentur Reuters.

Ebola-Infizierte sind, solange sie noch keine Symptome zeigen, kaum oder gar nicht ansteckend. Damit das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist ein direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Erkrankten nötig, etwa mit Blut, Urin, Schweiß - oder Erbrochenem.

Die Behörden im Bundesstaat Texas gehen mittlerweile zwölf bis 18 weiteren Verdachtsfällen nach. "Es könnte einen weiteren Fall im direkten Umfeld des Patienten geben", sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde von Dallas County, Zachary Thompson, dem lokalen TV-Sender WFAA. Die Lage sei ernst, die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus begrenze sich nach derzeitigen Erkenntnissen aber auf "Angehörige und enge Freunde".

Fotostrecke

10  Bilder
Ebola: Die Suche nach den Infizierten
Sieben Stunden Aufenthalt in Brüssel

Wie die "New York Times" berichtet, heißt der Ebola-Patient Eric Duncan und ist liberianischer Staatsbürger. Er soll für eine Transportfirma in Monrovia gearbeitet haben. Anfang September habe er seinen Job gekündigt, um in die USA auszuwandern, so die Zeitung. Mit dem Ebola-Virus habe er sich vermutlich bei der Tochter seines Vermieters angesteckt. Duncan habe am 15. September, vier Tage vor seinem Flug in die USA, dabei geholfen, die Frau ins Krankenhaus zu bringen. Sie sei am nächsten Tag gestorben, auch ihr Bruder sei mittlerweile tot.

Bekannt wurde nun auch die Flugroute des Mannes: Er flog anscheinend von Monrovia in Liberia erst nach Brüssel, wo er sieben Stunden Aufenthalt hatte. Dann stieg er in ein Flugzeug der United Airlines nach Washington, D.C., und flog nach weiteren drei Stunden Aufenthalt weiter nach Texas. Insgesamt war er 28 Stunden unterwegs. Während der Flüge soll er keine Symptome der Krankheit gehabt haben, damit dürfte er nicht ansteckend gewesen sein.

Der Chef der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Thomas Frieden, sagte, die Flugnummern der betreffenden Flüge an die Öffentlichkeit zu geben, würde unnötig Panik schüren. Wichtiger sei, die Menschen ausfindig zu machen, die mit dem Ebola-Infizierten Kontakt hatten, nachdem er erste Symptome zeigte. Dazu zählt das Ambulanzteam, das den Mann ins Krankenhaus brachte und Familienmitglieder des Patienten. Nach Behördenangaben stehen sie unter Beobachtung.

Fünf Kinder unter Beobachtung

Offenbar zählen zu den Menschen, die Kontakt mit dem Patienten hatten, auch fünf Schüler. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry sagte, die Kinder stünden unter Beobachtung. In die vier Schulen, die sie besuchen, wurden vorsichtshalber Ärzte geschickt. "Die Kinder zeigen keine Symptome, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie irgendeinen Virus verbreiten", sagte ein Vertreter der örtlichen Schulbehörde.

Dem Sender CNN zufolge befindet sich Eric Duncan in Isolation, er kann sprechen, fragt nach Essen und ist nicht an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Sein Zustand ist aber kritisch.

Am Mittwochabend wurde außerdem bekannt, dass erstmals ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen an Ebola gestorben ist. Der Mann sei bereits in der vergangenen Woche in Liberia einer Krankheit erlegen, sagte ein Uno-Sprecher. "Auch wenn die letzten Testergebnisse noch ausstehen, gehen wir davon aus, dass es Ebola war." Es handele sich nicht um einen ausländischen Helfer, sondern einen liberianischen Uno-Mitarbeiter. Liberia gehört zu den am schwersten von der Epidemie betroffenen Ländern. Bislang sind laut WHO in Guinea, Liberia und Sierra Leone rund 6600 Menschen an Ebola erkrankt und 3100 gestorben.

DPA/ CDC

vet/Reuters/dpa/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 186 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
horsteddy 01.10.2014
1. Beunruhigend
Wie machen die Amis es eigentlich, wenn sich, mal hypothetisch, Ebola in den USA ausbreitet? Das wäre nämlich in diesem Fall möglich, denn es ist ja der Großteil der Bevölkerung nicht krankenversichert. Was würde ein Ebola-Infizierter machen, wenn er keine KV hat?
Senf-Dazugeberin 01.10.2014
2. Nur 18 Kontakte in mehreren Tagen?
Ich wundere mich darüber, dass der Mann nur Kontakt zu 18 Personen innerhalb mehrerer Tage gehabt haben soll. Klar, kann natürlich sein. Aber üblich ist es doch eher, dass man alleine schon beim einkaufen, Bus-/U-Bahnfahren, im Kino, bei der Arbeit, im Restaurant oder zig anderen ganz normalen alltäglichen Tätigkeiten mit deutlich mehr Personen innerhalb eines Tages in Kontakt kommt. Wenn es wirklich nur 18 waren, haben sie in den USA aber verdammt viel Glück gehabt.
TS_Alien 01.10.2014
3.
Irgendwelche medizinischen und humanitären Maßnahmen in Afrika nützen so gut wie gar nichts, wenn nicht gleichzeitig eine Ausgangssperre und ein Reiseverbot verhängt werden. Ebola gelangt nicht in westliche Länder, weil in Afrika zu wenig getan wird. Ebola gelangt in westliche Länder, weil noch immer jeder in Afrika und von Afrika in andere Kontinente reisen kann.
warlock2 01.10.2014
4. Denn sie wissen nicht was sie tun!
Bald hat sich das Problem Überbevölkerung gelöst! Da fliegen Kranke einmal um die Welt und keiner merkt etwas. Da hilft auch kein Fiebermessen am Flughafen. Man wird erst aufwachen wenn es mal wieder zu spät ist.
hausierer 01.10.2014
5. Na dann haben se ja die Träger
für die nächsten mutierten Erreger um die Impfstoffe zu entwickeln mit denen die Pharmakonzerne demnächst Milliarden scheffeln können...natürlich alles unter dem Deckmantel der " Weltrettung "... wie gesagt : USA hat Patente auf Ebola, was in der Öffentlichkeit totgeschwiegen wird....und die machen nichts aus Nächstenliebe... das Schlimme ist nur , das unsere Bundeswehr Inge Meysel die Weichen dafür gestellt hat, daß demnächst Ebola auch nach Deutschland kommt.... bin bin mal gespannt wie die ach so hilfsbereiten Gutmesnschen darauf reagieren , wenn mal ihre eigenen Familienangehörigen an diesem Virus erkranken....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.